Rumpelstilzchen – Wer hat die Macht?

elf-596155_1280
Wer hat nicht so ein Rumpelstilzchen in seinem Leben?

Jemand, der immer nur haben will und nur gibt, wenn er dafür einen unangemessen hohen Gewinn macht. Einer, der alles kontrollieren und bestimmen will, wieviel er wem und mit welchem Nutzen geben will. (Nichts gegen talentierte Führungspersönlichkeiten. Ich brauche das auch hin und wider, dass mir jemand sagt, wo es lang geht.)
So ein bißchen erinnert mich das an Moliere’s Geizigen, der allerdings am Ende nicht sich selbst zerreißt, aber mit seinem Gold allein bleibt.

Eigentlich ist so jemandem nicht zu trauen. Und genau das strahlt diese Person dann auch aus. Er vertraut niemandem.

Aber, wenn uns eine solche Person begegnet, ist sie dann nicht nur ein Spiegel für uns selbst?

Das Gesetz der Anziehung funktioniert hunderprozentig. Was wehtut, löst der andere nur aus. Es ist unser Schmerz. Der andere fühlt ihn nicht.

Oft wissen diese Menschen nicht, wie sehr sie anderen Menschen damit weh tun.
Müssen sie auch nicht. Der Schmerz ist nur ein Achtungszeichen, dass hier etwas in uns selbst aufgeräumt werden möchte.

Und schon tauchen die Fragen auf: Was will ICH nicht geben? Wo erwarte ICH zu viel?

Letztlich ist Rumpelstilzchen eine Geschichte über Selbstbestimmung. Wieder einmal. Die Tochter des Müllers wird zur Königin, in dem sie sich von den Erwartungen ihres Vaters, des Königs und auch Rumpelstilzchens löst. Wie Entwicklungsstufen sind diese Figuren.

Zuerst gibt sie, was sie geben kann. Die Folgen der Angeberei ihres Vaters trägt sie klaglos. Auch gegen die Todesdrohung des Königs kann sie nicht rebellieren. Rumpelstilzchen gibt sie ihren kostbaren Schmuck, ein bedeutsames Erbe ihrer Ahninnen. Es ist nichts mehr übrig. Eine uralte Einweihungsgeschichte ist das, erinnert mich an Inanna, die sumerische Göttin, und ihren Gang in die Unterwelt und Orpheus, der alles geben muß. Und, weil er nicht loslassen kann, alles verliert.

Doch die Müllerstochter geht hindurch und wird mit jedem Schritt mehr die Königin, die sie in sich trägt.

„Mach doch“, scheint sie dem Zauberwesen zu sagen. „Du kannst hier herumspringen und mich unter Druck setzen, wie Du willst, ich gebe Dir mein Liebstes nicht.“ Sie tut etwas sehr Interessantes. Sie holt sich Hilfe und vertraut auf ihren Erfolg. Sicher hat sie in all der Zeit Tausend Ängste ausgestanden, Wechselbäder von Hoffnung und Verzweiflung.

Das Märchen erzählt, wie so oft in den alten Weisheitsgeschichten, dass das Schicksal, das Göttliche, der Zu-Fall (denn alles fällt uns zu) ihr zur Seite steht. Ein Wunder, und ich möchte mir vorstellen, dass sie fest daran geglaubt hat. Der Name, das alles entscheidende Element, wird gefunden.

Auch das ein ungeheuer spannendes Thema: Wenn wir etwas benennen können, haben wir Macht darüber.
Macht ist nicht per se negativ. Es kommt darauf, wie wir sie nutzen.

Stroh zu Gold

Sehr spannend auch das Motiv der Verwandlung vom Stroh zu Gold durch das Spinnen. Spinnen steht für Kommunikation. Viele Jahrhunderte trafen sich Frauen in Spinnstuben und besprachen die neuesten Begebenheiten, tauschten sich über ihren Kummer und ihre Freude aus, erzählten Geschichten, lehrten die jüngeren Frauen. Dort fand ein Verwandlungsprozess statt. Aus dem Stroh im Kopf wurde Gold, das immer für göttliche Eingebung und Macht steht.

Es hat eine gewisse Komik, dass ausgerechnet ein Kontroll-Freak der jungen Frau dazu verhilft, ihr Gold zu finden. Naja, es ist ja auch ein Zauberwesen. Vielleicht sind all diese Menschen, die uns nicht atmen lassen, eigentlich nur Zauberwesen. Wäre doch schön, wenn dieser Zauber auf sie selbst zurückfällt und sie erkennen, wieviel Liebe in ihrem Leben schon da ist, wie sehr sie geliebt werden, einfach so, ohne etwas dafür tun zu müssen.

Aber das ist eine andere Geschichte.

Wenn so ein Rumpelstilzchen auftaucht, kannst Du Dich fragen, wie Du selbst Dein Stroh zu Gold spinnen kannst.

Ich hab drei Tipps für Dich (ja, ich liebe die Drei, sie hat was Märchenhaftes):

1. Lass Dich nicht auf einen Machtkampf ein, zieh Dich zurück, auch wenn es schwerfällt.
2. Schau in Dein Herz, was für eine Seelenbotschaft hinter allem stecken könnte.
3. Entscheide Dich für das Vertrauen darauf, dass sich zur rechten Zeit ein Sonnenstrahl zeigt, der Dir den Weg weist. Wenn Du ihn siehst, GEH LOS!

Wenn Du das Gefühl hast, Du möchtest dabei Begleitung, dann schreib mir einfach. Ich freue mich auf Deine Nachricht.

Herzliche Grüße aus der Anderwelt.

Share Button

Zeigt her, Euer Gold! – Schneeweißchen und Rosenrot

styggkaerret-848532_960_720Schneeweißchen und Rosenrot ist eher ein Kunstmärchen, als traditionell überliefert und gut gefüllt mit den moralischen Träumen der Gründerzeit. Es kam erst in der 3. Auflage zur Sammlung der Brüder Grimm. In meiner zweibändigen Ausgabe von 1905 findet es sich gar nicht. Ich las, dass dieses Märchen von Jakob Grimm mehrfach überarbeitet wurde, sicher ein Grund, warum es so ausgeprägt um die Eigenschaften „lieb“ und „fromm“ geht.

Wolf-Dieter Storl räumt in seinem Buch „Die alte Göttin und ihre Pflanzen“ die Grimm’schen Putz ab und entdeckt eine Weisheitsgeschichte um die Naturzyklen und die alte Göttin wieder. Schneeweißchen steht hier für die Jungfrau (die Farbe Weiß steht für die erste Phase), Rosenrot für die Mutter und Frau (Rot für die zweite Phase) und die Mutter der Beiden für die Alte (Schwarz für die dritte Phase der Göttin). Assoziiert mit den Welten, die den schamanisch Reisenden bekannt sind: Weiß für die Oberwelt der Götter und Himmlischen, Rot für mittlere Welt des Hier und Jetzt, Schwarz für die Unterwelt des Unbekannten, Unbewußten und Alten.

Das ist nur eine von vielen Deutungsmöglichkeiten, z.B. tiefenpsychologisch von Eugen Drewermann.
Für mich geht es heute um Vertrauen.
Immer wieder weist das Märchen darauf hin. Da ist die Mutter, die ohne Angst ihre Kinder allein im Wald spielen läßt. Die Mädchen übernachten im Wald ohne Angst, weil sie einen Schutzengel haben, der sie bewacht. Sie fürchten sich nicht vor dem Bären, der an ihre Tür klopft, um sich aufzuwärmen und schließlich ihr Winterdauergast wird. Und von dem hysterischen Zwerg lassen sie sich schon gar nicht beirren.

Der Zwerg ist mißtrauisch bis zur Boshaftigkeit. Geizig und gierig ist es ihm nicht möglich, die Geschenke der Hilfsbereitschaft und Freundlichkeit anzunehmen.

Der Bär scheint zunächst ungefährlich und gemütlich zu sein. Doch auch er hat etwas zu verbergen, wenn auch nicht ganz freiwillig, denn wir wissen ja, er ist ein verzauberter Königssohn. Als er sich an der Türklinke ein Stück Pelz aufreißt, schimmert sein Gold hervor.

Diese beiden Figuren stehen sich gegenüber. Der Täter und das Opfer. Denn am Ende des Märchen heißt es, dass der Zwerg den Königssohn in einen Bären verwandelt habe, weil er dessen Schätze haben wollte.

In alten Kulturen war es eine wichtige Erfahrung, sich in ein Tier zu verwandeln. Tiere waren Geschwister der Sippe und schenkten wertvolle Einsichten in eine andere Form von Leben. Die Menschen verbanden sich mit schamanischen Mitteln mit den Geschöpfen der Erde, denn sie hatten noch ein Bewußtsein der Verbundenheit mit allem.

Vielleicht stehen sich eher die Gruppe Schneeweißchen/Rosenrot/Mutter als die Eigenschaften der Hingabe, der Fürsorge, des Vertrauens und Zwerg/Bär als Eigenschaften des hektischen Sammelns und Hortens, der Angst, des Opfergefühls gegenüber. Die Frauen repräsentieren die Eigenschaften der Göttin, Ihr Angebot an uns, sich in ihre liebevollen Hände fallen zu lassen, um vom alläglichen Jagen und Sammeln nicht aufgesogen zu werden.

Und schon haben wir wieder ein Weisheit, die wir für unser heutiges Leben gebrauchen können. Der Zwerg und der Bär können hier durchaus alltägliche Gefühle repräsentieren, die den meisten von uns nicht unbekannt sein dürften. Der allgegenwärtige Druck kann leicht dazu führen, sich wie ewig angespanntes, hysterisches Zwerglein zu fühlen oder wie ein verzauberter Bär, der sich mit einem dicken Fell schützt, unerreichbar für die Verletzungen der Welt, aber eben auch für echte Nähe und Gemeinschaft.

Das Märchen erzählt, wie alle guten Geschichten, von Erlösung. Wer meiner Deutung folgen mag,findet sie im Vertrauen darauf, dass es Schutzengel, Hilfsbereitschaft, Güte, Geduld, Freundlichkeit und Ehrlichkeit tatsächlich gibt. Erlösung bedeutet nicht: Ein für alle Mal. Märchen werden da oft fälschlicherweise gedeutet als Aussagen für die Ewigkeit. Als alte Weisheit sagen sie aber, dass, wann immer Du in eine solche Situation kommst, Dich als Bär oder Zwerg zu fühlen, Du auch immer auf die Schneeweißchen/Rosenrot/Mutter-Fraktion zurgreifen kannst. Du musst Dich nur daran erinnern. Ein anderes Verständnis von Ewigkeit.

Wenn Du möchtest, begleite ich Dich gern dabei, dieses Verständnis zu finden. Denn jeder Tag ist neu und Du kannst Dich jeden Tag neu erschaffen.
Ich freue mich auf Deine Nachricht. Hier kommst Du zum Kontaktformular.

Herzliche Grüße aus der Anderwelt.

Share Button

Bist Du eine Prinzessin mit Entenfüßen?

20160227_194626Es gibt ja eine Menge im Leben, das nicht zu ändern ist.

Eltern zum Beispiel, die sind wie sie sind. Sie haben sich vielleicht in Deiner Kindheit auf eine Weise verhalten, die Dir nicht gefallen hat, aber Du kannst es nicht mehr rückgängig machen, es ist nunmal so. Heute tun sie vielleicht Dinge, die Dir unangenehm oder peinlich sind und nichts kann sie ändern.

Oder Kinder. Zwei von mir zum Beispiel ziehen sich komplett zurück und werden immer stiller, wenn sie aufgeregt sind, die anderen beiden brauchen in der gleichen Situation ständig Aufmerksamkeit. Sie sind so, es sind ihre Charaktereigenschaften, die kann und will ich nicht ändern, auch wenn das anstrengend sein kann.

Jeder tut das, was er kann.

Dann ist da noch das Weltgeschehen, die vielen Kriege und Ungerechtigkeiten. All das Leid, in welchen Teil dieser Erde man auch schaut. Daran ist schwer etwas zu ändern. Ich meine nicht Resignation, jeder sollte das tun, was er am besten kann. Gestern beteiligte ich mich an einer Friedensmeditation, weil ich glaube, dass ich das gut kann und dass eine geistige Stärkung des Energiefeldes „Frieden“ einer der vielen sinnvollen Wege ist, diesen auch zu erreichen.
Wer sich für so eine liebevolle energetische Arbeit interessiert, googelt einfach mal James Twyman oder schaut sich den Film „The Moses Code“ an, da wird die Wirkung gut erklärt.

Es gibt also Dinge, die wir tun können, manchmal sogar müssen, und Dinge, die können wir nur akzeptieren.

Und dann sind da die Bereiche in unserem Leben, von denen wir glauben, dass sie nicht liebenswert sind. Die gesamte Schönheitsindustrie lebt davon, dass vor allem Frauen mit Schlupflidern, Cellulite und runden Hüften nicht leben können. Eine Sprechstundenhilfe eines Schönheitschirurgen, mit der ich mal befreundet war, selbst gebotoxt, fettabgesaugt und lidgestrafft, meinte selbsterkennend irgendwann einmal: „Die Leute kommen und bezahlen einen Haufen Geld, lassen das alles mit sich machen nur, weil wir so falsch leben.“

Nicht liebenswert?

Oder all die Geschichten und Eigenschaften von uns, von denen wir denken, sie verschweigen oder verstecken zu müssen.
Alles nur, weil wir glauben, nicht liebenswert zu sein.

Da finde ich das Märchen „Die Prinzessin mit den Entenfüßen“ sehr tröstlich und hoffnungsvoll.
Es ist ein Kunstmärchen einer Autorin, die kein Mensch kennt, aus einem Buch, dass es wohl so kaum noch gibt. Eine Sammlung von Gewinnern eines Wettbewerbs der Zeitschrift „Die Woche“ von 1905, die „die Kräfte ihrer poetischen Phantasie in den Dienst der Märchendichtung stellen“. Kurz gesagt, ein geliebtes Erbstück meiner Urgroßmutter.

Die Prinzessin mit den Entenfüßen

Es spielt im Grunde keine Rolle, ob das Märchen traditionell erzählt oder von einem Autor im Reich seiner Fantasie gefunden wurde, denn der Wunsch, so, wie man nunmal ist, also bedingungslos geliebt zu werden, ist universell. Es gibt viele Märchen und Geschichten, die genau darüber erzählen.

Die Prinzessin hat Entenfüße und glaubt, deshalb nicht liebenswert zu sein. Doch der junge König verliebt sich nicht nur, sucht und findet sie, sondern erkennt auch noch seinen Platz im Leben, kann also etwas, was er vorher nicht akzeptieren konnte, integrieren, nämlich seine Aufgabe, König zu sein.

Universell und archetypisch

Wie immer können wir hier ganz archetypisch den männlichen und weiblichen Seelenanteil als jungen König und Prinzessin einsetzen.
Und ist es nicht genau so, dass, wenn wir selbst uns lieben und akzeptieren, wie wir sind, Kraft schöpfen und Freiheit finden zu unserer besten Version von uns selbst?

Hier kommen drei von vielen Gründen, warum alles an Dir liebenswert ist:

1. Du bist Teil dieser Welt, dieser Schöpfung, und sie wurde aus Liebe erschaffen.

2. Jeder Teil an Dir hat eine Geschichte, einen Grund, warum er da ist. Er macht Dich zu dem Menschen, der Du heute bist.
(Also, bitte, ehre Deinen Weg bis hierher.)

3. Und all das, was Du bis jetzt noch nicht lieben kannst, darf so sein, denn auch das ist Liebe.
(Lass los, alles ist in Ordnung so – und dann darf es sich verändern, wenn Du bereit bist.)

Wenn Du das Gefühl hast, Du schaffst das nicht allein, begleite ich Dich gern.
Ich freue mich auf Deine Nachricht. Hier kommst Du zum Kontaktformular.

Herzliche Grüße aus der Anderwelt.

Aus irgendeinem mir nicht erfindlichen Grund ist das Ende des Märchens nicht komplett aufgenommen worden, ich bitte sehr um Entschuldigung. Es geht gut aus, und das ist auf jeden Fall noch drauf. 😉

Share Button

Gudrun und Angelina – Beitrag zur Blogparade Vorbild 2016 von Unkrig Personalcoaching

Als Jörg Unkrig mich bat, einen Beitrag zu seiner Blogparade „Vorbilder 2016“ zu schreiben, fiel mir sofort „Timur und sein Trupp“ ein, ein viel gepredigtes Vorbild aus DDR-Kindertagen. Einer, der allen hilft, sein Freundestrupp immer im Schlepptau. Und das Wort „Vorbild“ von der Deutsch-Lehrerin imaginär an die Stirn gepappt!

Für ein Mädchen als Vorbild allerdings schwierig. Da gab es, glaube ich, nur ein Mädchen in seiner Truppe.

Es war eher Gudrun, die mich prägte. Eine nordische Sagen-Heldin, niedergeschrieben in einer berührend-melodiösen Poesie von Alma Johanna Koenig. Es war eines dieser Bücher, die ich ungefähr zwischen 9 und 14 in alle Urlaube und Ferienaufenthalte bei meiner Großmutter mitschleppte. Ich las es oft wieder von vorne, wenn ich die letzte Seite umgeschlagen hatte. So kam es schon mal vor, dass ich es 5 oder 6 mal hintereinander las.

Vielleicht ist eine altgermanische Königstochter auch ein schwieriges Vorbild für die heutige Zeit. Sicherlich gibt es diese Art Hofhaltung und auch die strenge hierarchische Ordnung von Lehensherr und Lehensmann ist kaum noch nachzuvollziehen.

Es geht um Treue, vor allem zu sich selbst. Gudrun, die von vielen Heiratswilligen umworben wird, entscheidet sich für den einen richtigen Mann. Sie versprechen sich die Ehe, doch ein anderer, abgewiesener Mann, gekränkt in seinem Stolz, entführt die Königstochter, angestachelt von seiner Mutter, die sich einbildet, ihren Sohn dadurch in seinem Stand zu erhöhen. Er scheint tatsächlich auch verliebt, scheitert aber an Gudruns unbedingtem Willen, ihrem Versprechen und ihrer Liebe treu zu sein. Die Rache der Mutter des Abgewiesenen ist schlimm, denn Gudrun verliert alles bis auf ihr Leben.
Nach sieben Jahren wird sie erlöst, nach dem sie diese harte Zeit in Stolz und Würde, aber auch viel Klugheit durchgestanden hat.

Ich finde, diese Geschichte ist auch heute noch brauchbar. Es zählt nichts so sehr wie die Treue zu sich selbst, auch wenn das heißt, dass es nicht der leichteste Weg ist. Treue zu sich selbst bedeutet, seinen Weg zu gehen oder vielleicht besser: zu tanzen. Mit allen Umwegen, in der angemessenen Zeit, mit aller Liebe, die wir aufbringen können.
Von Gudrun habe ich gelernt, beharrlich und geduldig zu sein (und das als Widder!) für das, was meinem Herzen das wichtigste ist. Das kann für andere Menschen anstößig, unverständlich, verwirrend sein. Und dafür hat Gudrun auch eine Antwort: Sie leidet unter Demütigung, Erschöpfung, Sehnsucht und der ständigen Verlockung, mit einem einfachen, kleinen „Ja“ all das beenden zu können. Aber sie weiß, dass sie das Richtige tut.

Wann warst Du das letzte Mal wirklich sicher, dass Du das tust, was für Dein Herz das Richtige ist?
Es ist gar nicht so schwer: Du kannst es fühlen. Wenn es sich schwammig, wacklig, unsicher, aber trotzdem einfach nur schön anfühlt, dann ist es richtig.

Foto von M. Krumbiegel-Erdmann

Vor ein paar Jahren war Angelina Jolie ein großes Vorbild für mich. Nicht nur, dass sie eine großartige Schauspielerin ist, sie ist auch eine attraktive Mehrfach-Mutter. Ich dachte mir damals: Wenn sie das schafft, schaff ich das auch! Verrückt, denn ihre Lebensumstände sind so vollkommen anders als meine. Und trotzdem, es hat funktioniert.

Von Angelina habe ich gelernt, dass die Vorbilder gar nicht groß genug sein können. Die meisten Mehrfach-Mütter, die ich damals kannte, hatten ihre Weiblichkeit verloren zwischen Weckerklingeln, Putzen und Hausaufgabenhilfe. Ich kann das gut verstehen, diese Wucht an Anforderungen kann erschlagende Ausmaße annehmen. Viele haben leider auch ihre Lebensfreude verloren und agieren nur noch, um den Laden am Laufen zu halten. Jemand, der nicht glücklich ist, kann kein Vorbild sein.

Angelina hat hart daran gearbeitet, natürlich viel zu sehr gehungert, schließlich ist sie Hollywood-Schauspielerin. Das hatte keine Vorbildfunktion. Dafür aber ihr Wille, die zu sein, die sie nun mal ist.

Heute muß ich oft lächeln über die verwunderten Gesichter, wenn ich sage, ich habe vier Kinder.
Es macht mir einen diebischen Spaß, diese verstaubte Vorurteilskiste ordentlich in den Köpfen meiner Gesprächspartner zu entsorgen. Ich kenne inzwischen jede Menge schöner, weiblicher und lebenslustiger Mütter.

Also, kein Stern ist zu hoch, wenn er zu Dir paßt!
Du kannst genauso leuchten.

Herzliche Grüße aus der Anderwelt.

Share Button

Fühlst Du Dich wie Aschenputtel?

Aschenputtel ist eines der bekanntesten Märchen der Brüder Grimm. Mehrfach verfilmt, in verschiedenen Varianten erzählt. Tatsächlich findet sich diese Motiv ist vielen Erzähltraditionen.

Was macht die Geschichte von dem entrechteten Mädchen, das durch Magie zur unbekannten Prinzessin wird, so anziehend? Ich glaube, es ist die Verwandlung. Oder besser gesagt, das Verwandlungspotential.

Und schon sind wir wieder in unserem ganz alltäglichen Leben. Dieses Potential schlummert in uns allen. Das Märchen erzählt auch, woher die Kraft für die Verwandlung kommt. Aschenputtel verbindet sich am Grab ihrer Mutter mit deren Geist. Er steht für vieles: die Ahninnen, die urweibliche Kraft in jeder Frau, die übersinnlichen Energien, wie Engel. Oder, um es schlicht mit Prof. Hüther zu sagen: dem Überbau, den jeder Mensch benötigt, um sich seelisch gesund entwickeln zu können.

Durch die Verwandlung wird Aschenputtel gezeigt, wer sie sein könnte. Die Zeit spielt bei dieser Verwandlung eine große Rolle. So ist es auch oft, wenn wir uns auf dem Heilungsweg befinden. Wir können vieles tun und wir wünschen uns, jeder dieser Wege möge schnell zur Heilung führen.

Der Ort, an dem wir uns gerade befinden, ist leidvoll. Deshalb machen wir uns ja auf den Weg zur Heilung. Es gibt genug Gelegenheiten auf diesem Weg, die uns erzählen, wie wenig geheilt wir uns fühlen. Da gibt es diese Ausflüge in den Palast des Königs zum Ball, aber der Alltag sieht anders aus.

Das Märchen erzählt von der Hoffnung. Es macht Mut, denn es verspricht, dass Verwandlung möglich ist.

Das Gefühl, ein Aschenputtel zu sein, ist den meisten Menschen sehr vertraut. Ein anderer Aspekt ist nämlich die fehlende Anerkennung, die sich hier ausdrückt. Sie wird nicht nur nicht anerkannt, wenn sie eine Aufgabe gut gelöst hat, wird ihr noch mehr aufgebürdet.

Das Märchen erzählt auch davon, woher die Kraft kommt, das zu ertragen.
Natürlich von der Hoffnung, aber vor allem von der Gewißheit, durch alle Zeiten hindurch getragen zu sein von der Magie des Göttlichen.
Doch ohne den Menschen, ohne unsere Entscheidung, uns diesem Göttlichen anzuvertrauen, kann keine Magie wirken.

Die Verwandlung vom Aschenputtel zur Prinzessin beginnt damit, sich selbst so zu akzeptieren, wo man gerade ist.
Und dies anzuerkennen. Die Anerkennung für unser Sein kommt niemals von außen, sondern von uns selbst.

Ich werde Dir ein wenig helfen, denn hier kommen drei Gründe, warum Du kein Aschenputtel bist:

1. Was immer Du tust, Deine Arbeit ist wertvoll. (Schau einfach genau hin.)

2. Du bist ein wundervoller Mensch und Dein Hiersein ist von Bedeutung. (Denn Bedeutung ist eine Frage der Definition.)

3. In Dir leuchtet ein Licht, ein göttlicher Funke, sonst würdest Du nicht existieren.

Manchmal reicht das aber nicht.
Wenn Du Dich nicht mehr wie Aschenputtel fühlen möchtest, begleite ich Dich wirklich gern dabei.

Ich freue mich auf Deine Nachricht. Hier kommst Du zum Kontaktformular.

In diesem Sinne!
Herzliche Grüße aus der Anderwelt.

Share Button

Loslassen mit Hans im Glück

Da geht mir also mein Rechner kaputt, zack-bumm-Klappe zu, Affe tot.
Tja, tatsächlich, denn ich bin im chinesischen Horoskop ein Affe und sämtliche Texte, Notizen und …. bäh … auch Passwörter unerreichbar. Quasi ein kleiner Tod.

Inzwischen ist mein gutes Stück in ebenso guten Händen, die wichtigsten Passwörter verdanke ich der freundlichen und umsichtigen Geduld von Wolfram Lührig, meinem großartigen WordPress-Coach ( http://wordpress.wolframluehrig.de ) und schreiben kann ich auch. Da es unendlich mühsamer ist, auf einem Tablet zu schreiben, als mit zahn Fingern auf der Tastatur, wird dieser Blog auch nur kurz.

Aber viel wichtiger ist, dass das Wichtigste nicht auf dem Computer, sondern im Kopf ist.
Eigentlich wollte ich über Sozialisation und „Aschenputtel“ schreiben, das darf dann warten, bis sich wieder alle zehn Finger betätigen können. Mir fiel jetzt eine ganz andere Geschichte ein.

„Hans im Glück“ ist kein Märchen und auch nicht wirklich eine Schelmengeschichte. Am ehesten scheint mir in ihr noch die alte Weisheitsgeschichte auf, die in alten Zeiten als Lebensschule und Ratgeberin diente.

Als Kind habe ich diese Geschichte oft von der Schallplatte gehört, wenn ich krank war, und ich habe mich jedesmal gefragt, warum er denn bloß alles weggibt und am Ende auch noch glücklich ist. Man weiß einfach nicht, ob man Hans, der am Anfang einen Goldklumpen besitzt und am Ende nichts, bedauern, auslachen oder beneiden soll.

Wie so oft, kann sich jeder selbst die Ebene aussuchen, die passend ist. Er tauscht seinen Besitz immer dann, wenn er unzufrieden damit ist. Aber jedesmal ist er glücklich, wenn er es getan hat.

Für mich ist heute diese Fröhlichkeit und Unbekümmertheit die Botschaft. Es könnte nämlich auch eine Geschichte über Verlust und Loslassen sein. Zu keinem Zeitpunkt bedauert er das Verlorene, sondern ergreift die Gelegenheit, sich aus seiner Perspektive zumindest zu verbessern. Die Geschichte endet damit, dass er glücklich zu seiner Mutter zurückkehrt. Sozusagen zurück zu den Wurzeln.

Also, wenn sonst nichts mehr hält, fröhlich zurück zu den Wurzeln. Miteinander reden, Zettel und Stift benutzen und Gehirn einschalten.

In diesem Sinne!
Herzliche Grüße aus der Anderwelt.

Hans im Glück – Audiodatei

Share Button

Freiheit beginnt im Kopf – Cerridwen’s Kessel

Schwan_2010-03-21
Neulich hörte ich mal wieder von jemandem, wir „Ossis“ hätten ja alle was zu verschweigen.
Das mag sein. Es ist schlicht und einfach Selbstschutz. Mal ganz abgesehen davon, dass die Einteilung in Ossis und Wessis nun wirklich überholt ist, macht wohl jeder, der es braucht, von diesem Selbstschutz Gebrauch, unabhängig von Geschlecht, Sozialisation und Alter.

Aber um das schöne Klischee zu bedienen: Auch ich will nicht darüber sprechen. Nicht über die Privilegien, mit denen ich ein paar Jahre aufwuchs, noch warum es sie gab. Und auch nicht über den Sturz, der mich mitriß bis in die Tiefen dieses Systems, einem Ort, wo es keine Masken mehr gab.

Zu schweigen ist eine Form von Freiheit. Ich bin frei von den Gefühlen, die diese Geschichte in den Zuhörern auslöst und auch in mir. Es ist wie das Öffnen der Pandorra-Büchse aus der griechischen Sage. All die herumfliegenden Teile dann wieder einzusammeln, dauert einfach zu lange.

Wann und worüber zu sprechen, will also gut überlegt sein.
Ich habe an den richtigen Stellen zur richtigen Zeit geredet, um Heilung zu erfahren.
Das reicht.
Es gibt viele Wege, sich frei zu fühlen, so viele, wie es Menschen gibt. Schweigen ist nur eine davon.

Viel wichtiger aber ist die Lektion über die innere Freiheit, die durch nichts zu zerstören ist.

Sie wohnt in jedem Menschen, ist für jeden erreichbar. Freiheit hat natürlich ein Gesicht, einen äußeren Ausdruck. Aber der hat nichts mit den Umständen zu tun, in denen wir leben. Wie oft begehen wir den Irrtum zu glauben, dass sich nur irgendetwas im Außen ändern müsse, um endlich frei zu sein.

Es gibt keine Gefängnisse, so absurd das uns auch erscheinen mag.
Freiheit ist immer ein Verwandlung zur Selbstermächtigung. Jeder Mensch ist frei, zu gehen oder zu kommen. Dafür gibt es viele Möglichkeiten, auch wenn es im Außen nicht so aussieht. Zum Beispiel kann Krankheit eine (eher unbewußte) Möglichkeit sein, sich zu schweren Aufgaben zu entziehen.

Aber was wäre, wenn wir diesen Weg in die Freiheit ganz bewußt wählen würden?

Dazu gehört das Wissen um die freie Entscheidung und der Mut, sich Grenzesituationen zu stellen. Denn es muß klar sein, dass innere Freiheit etwas damit zu tun, voll und ganz Ja zu seinem Leben zu sagen, in allen Facetten, mit allen Brüchen, allen Entscheidungen. Erst dann werden wir nicht mehr manipulierbar.

Denn das größte Gefängnis ist die Macht, die andere über unseren Geist haben.

Und wir lassen das zu. Weil wir uns so nach dem Gefühl der Freiheit sehnen.
Was gibt es da nicht alles für Fluchthelfer! Im Groben reicht es vom Essen über Alkohol, Filme, Computerspiele, Drogen bis zur Kaufsucht. Es ist der tiefe Wunsch nach Linderung eines Schmerzes, dem wir nicht ausweichen können. Wir versuchen, ihn zu betäuben, ihn zu vergessen oder wenigstens erträglicher zu machen. Auch das darf sein. Diese Erfahrungen sind sogar oft notwendig auf unserer Heldenreise.

Was wäre, wenn das alles unnötig wäre?

Wenn ich jemandem sage, er braucht das alles gar, er könne sich doch einfach erlauben zu träumen! – werde ich sehr erstaunt angesehen. Meist möchte man das nicht wahrhaben, es ist zu verrückt. Tagträume sind doch verboten und Blödsinn obendrein.
Wer „nicht ganz da“ ist, wird nicht ernst genommen, „Träum nicht!“ ist der strenge Vorwurf, der sich durch viele Schulstunden und: „Wo bist du denn nur wieder mit deinen Gedanken!“ ist die verbale Ohrfeige, die die Tür zur Anderwelt schmerzhaft zuschlägt.

Und noch einmal: die Gedanken sind frei!

Die inneren Bilder sind von außen unerreichbar und unzerstörbar.
Jeder hat seine innere Welt, nur fehlt oft der Mut, sich darauf einzulassen.

In anderen Kulturen war das Überschreiten dieser Grenzen von Hier zum Dort selbstverständlich.

In den alten Geschichten der Kelten, aber auch vieler anderer Kulturen, zieht sich die Leichtigkeit dieses Weltenwandelns durch wie ein roter Faden. Für mich besonders bedeutsam ist das Motiv der Schwanenjungfrauen oder Vogelfrauen, das es in ganz Europa und sogar in Asien gibt. Es geht immer darum, dass Vögel sich in Frauen verwandeln, oft an einem See, um dort zu baden. Der Held der Geschichte stiehlt das Federkleid und gewinnt so ein Eheversprechen. Doch er hält meist sein Versprechen an seine Frau nicht, verrät sie zum Beispiel an seine Familie, und sie verläßt ihn, fliegt davon, denn sie hat ihr Federkleid wiedergefunden. Der Held geht auf die lange und beschwerliche Suche und damit gerät das ganze Unternehmen zu einer Heldenreise, dem bewußten Weg zur eigenen Wahrheit. Für beide übrigens.

Die germanische Göttin Frejya ist bekannt für ihr Federkleid, das sie sogar dem listigen Gott Loki ein paar Mal ausleiht. Die Walküren, die Schwanenjungfrauen, waren ihre Gefolgschaft.
Der Schwan galt lange als Bote der Götter, erst im Christentum wurde er zum Todesvogel. Unser Wort „frei“ kommt von dieser Göttin, ebenso das Wort „Frau“.

Die freie Königstocher

Ganz besonders berührend ist auch die alte nordische Gudrun-Sage, die voller Epos von der Königstochter Gudrun erzählt. Sie wird entführt von einem abgewiesenen Heiratsbewerber, hat sich aber schon einem anderen versprochen. In ihrer siebenjährigen Gefangenschaft bleibt sie standhaft und treu, obwohl ihr sehr übel mitgespielt wird. Gerade in ihrer Treue ist der freie Geist zu erkennen, der diese Sagengestalt so besonders macht. Ihr wird die Nachricht ihrer Rettung übrigens von einem Schwan überbracht.

Innere Freiheit hat also nichts damit zu tun, alle menschlichen Bindungen einzureißen.

Das zeigt sich auch in den Märchen um die Schwanen- oder Vogelfrau. Immer hinterläßt sie einen Hinweis, wie sie zu finden ist.

Werden diese Bilder auf die Seelenebene übertragen, ist leicht zu erkennen, dass die Fähigkeit des freien Fluges einen Preis hat. Es ist die Heldenreise, die Verwandlung, die mit Eigenschaften wie Zielstrebigkeit, Entscheidungskraft, Kampfgeist, also eher männlichen Eigenschaften zu meistern ist.

Cerridwen und Taliesin

Weil es – bemerkenswerter Weise! – so viele Geschichten von Frauen und Freiheit gibt, erzähle ich heute ganz bewußt eine Geschichte über einen Mann, den sehr berühmten keltischen Barden Taliesin bzw. wie er dazu wurde. Nämlich nur durch Verwandlung und das scheint mir ein Weg zu wahrhaftiger Freiheit zu sein. Seine Freiheit besteht in seiner Klugheit und Schnelligkeit, mit der er sogar einer Zauberin (im eigentlichen Sinne einer Göttin) widersteht. Sie siegt zwar, aber nur bedingt, denn am Ende muß sie ihm den gestohlenen Segen lassen, der ihn zum größten Barden seiner Zeit machte.

Zurück im Hier und Heute

In der modernen Hirnforschung ist längst erwiesen, dass wir für unsere seelische Gesundheit Reisen in andere Bewußtseinsebenen brauchen. Bewußt zu träumen ist nur eine der Möglichkeiten. Visionssuchen, Tranceerfahrungen wie Trommeln, Tanzen oder Schwitzhütten haben auf dem Lebensberatungs- und spirituellen Markt einen starken Aufwind. Zu Recht. Auch das Theaterspielen ist eine solche Reise, denn in einer Rolle, einer Maske, einer Geschichte können wir erfahren, wie es das Wandern in anderen Welten ist.

Mit viel Gewalt und Manipulation sind wir seit Jahrhunderten aus unseren eigenen Seelenwelten vertrieben worden.
Es wird Zeit, uns diese Welten zurückzuerobern.

Herzliche Grüße aus der Anderwelt

Share Button

Unabhängigkeit – Die Geschichte der Königin Rhiannon

BallonsIn letzter Zeit spreche ich häufiger mit Frauen, die kurz vor der Trennung von ihrem Partner stehen. Immer sind Kinder mit im Spiel. Es sind kraftvolle, oft spirituelle, wache Frauen mit einer großen Sehnsucht nach einem authentischen Leben. Das Gefühl, alles lastet auf den eigenen Schultern, die Organisation in der Familie, die Arbeit, die Stimmung in der Familie, der Kontostand, die Schule und natürlich der Zustand der Partnerschaft. Zu wissen, dass frau so vieles versucht hat und die Schere nur noch größer geworden ist. Sich gefangen zu fühlen zwischen allen Stühlen und nur noch ein kleiner Ruck fehlt, der entscheidet, ob sich frau selbst nun endgültig verliert oder mutig, aber schmerzhaft auf den eigenen Weg begibt.
Der Ruf des Herzens nach Freiheit und Unabhängigkeit.

Der Preis der Unabhängigkeit.

Ich kann das sehr gut nachfühlen und ich bereue meine Entscheidungen diesbezüglich nicht. Vor fünf Jahren war ich nicht annähernd so in Frieden und Harmonie mit mir selbst wie heute. Doch gleichzeitig kommt mir auch der Gedanke: „Ihr wißt nicht, was ihr für einen Preis für diese Unabhängigkeit zahlt.“

Es ist eine Tatsache, dass Mutter- und Frausein trotz aller Emanzipationsbewegung, Gleichstellung und Gleichberechtigung (die für mich, und ich weiß, dass das politisch unkorrekt ist, nur wenig mit echtem Frausein zu tun hat) weder angesehen ist noch respektvoll behandelt wird.

Schlechte Welt?

Nun könnte ich mich in die Ecke setzen und darüber jammern. Ich könnte mich plötzlich genauso gefangen fühlen wie vor der Trennung. Ich könnte mich nach einer Gesellschaft sehnen, die den Müttern mehr Wertschätzung entgegen bringt, auf alle Männer schimpfen und ihren patriarchalen Einfluß, die immer noch unsere Welt regiert.

Natürlich ist das eine ungerechte und wenig zielführende Verallgemeinerung. Doch dann geht es weiter.

Die plötzliche Erkenntnis, dass die eigenen Kinder unter der Entscheidung leiden und niemand ihnen diesen Schmerz abnehmen kann. Das Bewußtsein, wie einschneidend sich alles verändert hat und die Mühen, die es vorher so nicht gab. Die Frage, ob frau wirklich alles versucht hat und wie es wäre, wenn alles ganz anders gekommen wäre.

Alles darf sein.

Genau diese Gedanken – nicht die äußeren Umstände! – bringen wieder in die Abhängigkeit, der ich doch entfliehen wollte. Zunächst einmal dürfen sie einfach da sein. Alles will und muß gefühlt und gedacht werden, um der Seele zu erlauben zu gesunden. Es darf sich zeigen, ganz im systemischen Sinne.
Und dann darf es wieder gehen.

DENN: Unser gesamtes irdisches Dasein befindet sich in Abhängigkeiten.

Die Erfahrungen einer Trennung sind ja nur beispielhaft.
Die meisten Menschen jeden Geschlechtes fühlen sich abhängig vom Geld. Oder von was auch immer: Das Auto, die Eltern, die Mode, der Chef, der Staat, Essen, Wasser, die Medizin …

Natürlich sind wir abhängig und das sollte respektiert werden. Vor allem: Wir FÜHLEN uns abhängig. Punkt. So ist es.

Unabhängigkeit ist nicht an Äußerlichkeiten gebunden.

Vielleicht ist es der Tatsache geschuldet, dass ich in einer Gewissensdiktatur aufgewachsen bin, in der einheitliches Denken und Handeln gefordert war. Aber verwendbar ist die Erkenntnis, dass Unabhängigkeit ein Geisteszustand ist, für alle Menschen. Denn jeder Mensch befindet sich in irgendeiner Art Abhängigkeit. Selbst die reichsten und mächtigsten.

Die Sehnsucht nach Unabhängigkeit hat ihre vollste Berechtigung und ist ein wichtiger Wegweiser für notwendige Veränderungen. Die Seele sehnt sich nach Entwicklung. Doch sind wir ein Stück gegangen, kommen die Zweifel am eigenen Weg. Uns dämmert, dass wir nun schon wieder in Abhängigkeiten gelandet sind, ein Zustand, den wir doch eigentlich loswerden wollten.

Es ist ein schwerer Schritt, das einzusehen.

Innere Unabhängigkeit macht frei von den äußeren Umständen.

Sie entläßt uns nämlich aus den Zwängen und Nöten, die sich ständig in unserem Kopf abspielen. Geistige, gedankliche Unabhängigkeit setzt die natürliche Kreativität, die in jedem Menschen angelegt ist als Werkzeug der Problemlösung, frei.

Es drängt sich die Frage auf, wie man nun diese Unabhängigkeit findet.

Mir fiel in diesem Zusammenhang die Geschichte von Rhiannon, der Großen Königin, ein.
Zum Thema innere Freiheit und selbstbestimmtes Leben sind die alten Kelten einfach wegweisend für mich. Die Geschichte finden wir in der walisischen Geschichtensammlung Mabinogion. Es gibt verschiedene Ausschmückungen der Details, aber der Kern bleibt gleich, wo immer ich diese Geschichte auch lese.

Rhiannon oder Rigatona (ein Göttinnenname, weil „ona“) ist eine Feenkönigin. Sie kommt aus dem Reich unter den Hügeln und reitet auf einem weißen Pferd. Sie ist eine alte Pferdegöttin, deren Mythologie und Ritus in Legenden und Sagen aufgegangen ist, so wie es den meisten alten Göttern wiederfuhr.

Ihr Herz wählt den sterblichen König Pwyll zum Mann und damit gibt sie ihre Anderweltlichkeit auf. Sie warten lange auf ein Kind, doch endlich wird ein Sohn geboren. Das Kind verschwindet allerdings auf mysteriöse Weise kurz nach der Geburt. Die Dienerinnen, voller Angst, selbst dafür verantwortlich gemacht zu werden, beschuldigen Rhiannon, das eigene Kind gefressen zu haben.

Eine seltsame Strafe

Der König verhängt eine für uns heute merkwürdige Strafe. Rhiannon muß als Torhüterin jedem, der hereinkommt, ihre Geschichte erzählen und ihm anbieten, ihn auf dem Rücken durch den Hof zu tragen.

Welch Bedeutung Geschichtenerzählen hatte!!
Mythologisch gesehen geschieht hier eine Verwandlung, die Göttin selbst wird zum Pferd.
Doch darum soll es hier nicht gehen.

Verlust und Kummer

Diese Frau wird auf sehr schmerzhafte Weise gedemütigt. Bei den Grimm’s sollen in diesen Fällen (z.B. Marienkind, Die sieben Raben) die Heldinnen gleich sterben. In der keltischen Geschichte aber ist die Strafe weitaus schlimmer, denn für die Kelten war die Welt der Toten gleich der Anderwelt. Sie hat nicht nur ihr geliebtes Kind und die Liebe ihres Mannes verloren, sondern auch ihre Stellung als Königin, ihren Reichtum, ihr Ansehen. Sie muß auf ungewöhnliche Weise sehr hart arbeiten und wird dafür auch noch verachtet (denn ihre Geschichte klingt schändlich), ohne etwas dafür zu können.

Ein unabhängiges Ende

Am Ende geht es gut aus. Nach einigen Jahren kommt ein Mann mit einem Kind. Er hat von dem Schicksal der gestürzten Königin gehört und bringt ihr ihr Kind zurück. Es war auf wundersame Weise in seinen Stall gekommen und er hatte es wie sein eigenes Kind aufgezogen. Nun aber brachte er es zurück, denn er hatte erkannt, wohin es gehörte. Die Königin und der König (aha!) erkennen das Kind als ihr eigenes.

Was geschieht aber nach dieser Demütigung?
Rhiannon braucht keine Entschuldigung und keine Wiedergutmachung.
Sie setzt sich auf ihren Thron und ist einfach die, die sie schon immer war: eine Königin, eine Göttin. Weil sie es nie vergessen hat. In ihren Gedanken und Gefühlen war sie zwar die leidende Frau und Mutter, aber eben auch die strahlend schöne und mächtige Reiterin des weißen Pferdes. Sie hat selbst gewählt, wie sie sich sehen will. Und aufgrund dieses Wissen hatte sie die Kraft, all die Jahre durchzuhalten, denn sie hat sich ihre geistige Unabhängigkeit von den äußeren Umständen bewahrt.

Sie gilt übrigens als Beschützerin der verzweifelten, zweifelnden, mühsam beladenen Menschen, die das Gefühl haben, die ganze Last der Welt liege auf ihren Schultern.

Jeder Mensch hat immer die freie Entscheidung.

Bleiben wir in der Opferhaltung und finden tausend Gründe dafür, sie nicht verlassen zu können? Oder lassen wir los und halten Ausschau nach anderen Möglichkeiten?
Das Leben ist nach wie vor ein großes Rätsel. Daran kann keine Abhängigkeit etwas ändern.

Wir haben alle eine eigene innere Welt und bringen sie ständig zum Schweigen.
Aber genau dort wohnt unsere Unabhängigkeit, in welchen Bildern auch immer. Ob sie nun märchenhaft sind, sich im Weltraum befinden, in vergangenen Zeiten und Epochen. Alles ist möglich, alles, wofür unser Herz schlägt. Was dort ist, hat seine Berechtigung. Es ist ein Spiegel unserer Seele. Eine bewußte Reise dorthin wird uns viele Antworten bringen.
Der Geist will frei fliegen. Lassen wir ihn doch endlich!

Und das Beste ist: Nichts und niemand kann darauf zugreifen, wenn wir es nicht wollen.
Denn Freiheit fängt im Kopf an.

Aber das ist eine andere Geschichte.

Share Button

Heiligt der Zweck die Mittel? – Das Tapfere Schneiderlein

Märchen„Du sollst nicht lügen.“

Dieses biblische Gebot hat wesentlich unsere europäische Kultur geprägt. Obwohl es seit Tausenden von Jahren auf dem Markt der Seelen ist, gab und gibt es wohl kaum Menschen, die noch nie in ihrem Leben gelogen haben.

Es gibt wahrscheinlich kaum eine Mutter, die noch nie log, um ihr Kind zu beschützen.
Wieviele Menschen haben nicht schon gelogen, um das Leben eines anderen zu schützen? Zu DDR-Zeiten gab es etliche Christen, Kirchenangestellte und sogar Pfarrer, die deshalb gegen dieses biblische Gebot verstoßen haben. Es gibt noch viele historische Beispiele für diese Art Lügen.

Betrüger und Betrüger

Wir regen uns auf, wenn eine prominente Person öffentlich dabei erwischt wird, dass sie gelogen hat. Wir finden es empörend, wenn uns dieses Schicksal im privaten Kreis trifft. Ent-täuschung nennen wir das.

Andererseits erfreuen sich Figuren wie Robin Hood, Sherlock Holmes und Mr. Ocean (aus „Ocean’s Eleven“ usw.) größter Beliebtheit. Immer wieder werden Geschichten und Filme populär, deren Hauptpersonen Trickster sind. Ja, Lügner und Betrüger.

Eine solche Geschichte ist auch „Das tapfere Schneiderlein“.

Eines der beliebtesten Märchen der Brüder Grimm handelt von einem Betrüger, der ein Held ist.

Er spielt mit der Vorstellung der anderen. Zu keiner Zeit sagt er, was oder wen er erschlagen hat. Es fragt auch keiner danach. Wie Eulenspiegel, der Meisterdieb und noch viele andere Helden von Schelmengeschichten, bedient er einfach die Urteile seines Gegenübers. Der erste Riese, das Volk und der König bekommen ihre Meinung bestätigt, dass er ein Kriegsheld sei. Diese Vorstellung fällt ihm dann aber auf die Füße, weil die anderen Kriegsherren des Königs sich plötzlich bedroht fühlen.

Bei der nächsten Aufgabe kann das also nicht mehr gelingen und die zweiten Riesen, das Einhorn und das Wildschwein müssen mit einer anderen Art Schläue besiegt werden. Aber auch hier nutzt das Schneiderlein die Eigenschaften seiner Widersacher. Die Riesen reizt er, bis sie in ihrer Dummheit sich gegenseitig tot schlagen. Das Einhorn bringt er dazu, sich selbst durch die eigene Wildheit in den Baum zu rammen. Und das Wildschwein rast blind vor Wut in die eigene Falle.

Doch bei seiner letzten Aufgabe, seinem endgültigen Beweis, dass das Schneiderlein es verdient hat, ein König zu sein, muß er sich gegen die eigene Frau behaupten. Und auch hier hilft ihm seine Schläue. Er tut so, als ob er schläft und spricht die Worte, die ihn letztlich unangreifbar machen.

Und die Moral von der Geschicht‘?

Nun könnte man natürlich mit der Sinnhaftigkeit argumentieren.
Die Geschädigten sind ja reich oder Verbrecher oder sonst irgendein Grund, warum sie das verdient haben. Ich behaupte, das ist alles eine Frage der Perspektive.

Das ist vielleicht moralisch fragwürdig, aber es begeistert uns. Und in dieser Zeit des Paradigmenwechsels ist ohnehin die Frage, was noch gilt und was nicht. Alles, was einmal einen Wert hatte, zerfällt. Vertrauen, Treue, Zuverlässigkeit, Wertschätzung.
Woran halten wir uns noch?

Vielleicht ist auch dafür das Märchen ein Wegweiser.

Unbeirrbar geht das tapfere Schneiderlein seinen Weg und nutzt die Möglichkeiten, die er hat, um der Welt zu zeigen, wer er wirklich ist: Ein König!
Es mag diese Unbeirrbarkeit sein, von der uns das Märchen wirklich erzählen will. Von dem Mut, sich Aufgaben zu stellen, die übermenschlich erscheinen. Und der Kunst, sich seinen Platz in der Welt zu erobern mit den Mitteln, die dafür erforderlich sind. Oder eben: Die Rolle zu spielen, die das Stück gerade vorgibt.

Also heiligt doch der Zweck die Mittel?

Diese Frage ist nicht zu beantworten. Denn was ich für moralisch richtig oder verwerflich halte, muß ich mit meinem Gewissen vereinbaren können. Am Ende geht es immer darum, das, was ich für wertvoll halte, zu beschützen und zu retten.

Lüge und Betrug kann von jedem für alles benutzt werden. Es kann die Vernichtung eines Lebenskonzeptes bedeuten, aber auch den Schutz einer Privatsphäre. Ich habe aufgehört, darüber zu urteilen.

Und letztlich bleibt die Frage, was Wahrheit eigentlich ist.
Aber das ist eine andere Geschichte.

Herzliche Grüße aus der Anderwelt.

P.S.: Ich habe heute das Märchen nicht auf einem Video, sondern als Audiodatei:
http://soundcloud.com/kati-pfau-1/das-tapfere-schneiderlein

Share Button

Respekt – Die Skelettfrau

Sternenhimmel„Respekt“

– dieses Wort war lange Zeit vollkommen substanzlos für mich. Als Machtmittel in der Erziehung kam es stets als Vorwurf daher: „Du hast keinen Respekt!“ Ich wusste nie genau, was damit eigentlich gemeint war, bis ich aufgab zu verstehen und mich den Erwartungen der überlegenen Erwachsenen einfach anpaßte. Überlebensstrategie.

Viel später begegnete mir das Wort wieder auf meinen vielfältigen Sinnfindungs- und Heilungswegen. Und dann als Forderung: „Du mußt …. (variabel einsetzbar: die Eltern, den Pfarrer, den Mann, den Lehrer, die Meisterin, deine Mitmenschen, den Arzt usw. usf.) respektieren, sonst kannst Du nicht heil werden!“ An der Stelle noch gerne biblisch unterlegt.
Wie sollte ich das denn anstellen?

Regelrecht abgewürgt hat mich dann der sicher gut gemeinte Satz etlicher echter sowie hohler Lebensratschlaggeber der Guru-Art: „Du mußt Dich selbst respektieren, bevor Du jemand anderen respektieren kann.“ Der Super-Gau!

Respekt basiert auf Gegenseitigkeit. Das ist schon mal klar. Ebenso Respektlosigkeit.
Aber wie kommen wir dahin? Was ist das überhaupt? Und welchen Wert hat Respekt wirklich?

Respektlosigkeit

Wie die meisten Frauen bin ich wohlerfahren in männlichen Respektlosigkeiten aller Art. Die Erfahrung der massive Grenzüberschreitungen blieb mir nicht nur nicht erspart, ich habe sie studiert. Und natürlich bleibt da eine Menge Wut. Diese Aufzählung ist unvollständig und nur ein kleiner Ausschnitt:

Von Fremden ungefragt berührt, ja sogar einfach in den Arm genommen zu werden, obwohl es keinerlei emotionale Grundlage, kein verbindendes Gespräch oder den Anflug von Sympathie gibt.

Mit Koseworten bedacht zu werden, die nicht auf der guten Kenntnis meines Charakters beruhen und die ich nur als Herabsetzung meiner Weiblichkeit werten kann.

Meine Ideen und Gedanken, die nicht ernstgenommen, über die verlegen gelächelt, über die hinweggegangen wird. Hauptsache, die Hübsche steht auf dem Foto neben so einem Mannsbild, das sieht immer gut aus.

Überhaupt die Ignoranz. Die stärkste und respektloseste Waffe, um das Herz einer Frau zu brechen. (Und hiermit meine ich alles, was mit Liebe getan wird, denn es wird mit dem Herzen getan.)

Ja, geht’s noch?

Sicher, manche Männer können hier auch mit grenzüberschreitenden Frauen, vor allem Müttern, aufwarten. Ich weiß von übelsten Geschichten dieser Art, die mich als Frau zutiefst entsetzen und beschämen. Deshalb ist mir das ganz wichtig: Ich verneige mich mit allem Respekt vor jeder leidvollen Erfahrung meiner Mitmenschen, ganz gleich welchen Geschlechts.

Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft

Ich entstamme einer Ahnenlinie von Frauen, die stets der Schemel ihrer erfolgreichen Männer waren. Mir ist sozusagen die Haltung des höflichen Klappehaltens und freundlichen Lächelns immanent. Na und, deswegen bin ich nicht harmlos.
Es hat lange gedauert, bis ich die Wut wirklich fühlen konnte. Erst dann wurde klar, dass die Wut nur gehen kann, wenn ich sie fühle. Denn ich will nicht in Wut leben und will diese Wut nicht meinen Kindern weitergeben, den Mädchen nicht und nicht den Jungs. Ich habe kein Recht dazu, meinen Kindern meine Konflikte überzuhelfen. Auch sie haben Respekt verdient.

Also, um der Kinder willen:

Was ist Respekt und wie kommen wir da hin?

In der Inuit-Geschichte „Die Skelettfrau“ findet sich eine Lösung.
Der Fischer, das Skelett einer Frau unlösbar an der verwirrten Angel hängend, rennt panisch in seinen Iglu. Er versucht ihr zu entfliehen, was nicht geht, denn das Gerippe klappert ihm an seiner Angel nach. Er bringt sie selbst in seinem Iglu, obwohl er weglaufen möchte.
Erst, als er in der Dunkelheit seines Iglus zur Ruhe kommt, gestattet er sich zu fühlen. Er sieht den Knochenhaufen und empfindet Mitgefühl. Aha!!
Er sortiert die Knochen in ihrer richtigen Reihenfolge, legt sich dann erschöpft nieder und schläft. Und erst dann, ja dann, geschieht das Wunder!

Wie in allen Geschichten und Märchen können wir selbst die Ebene auswählen, auf der wir sie verstehen möchten. Nehme ich hier den Mann und die Frau als eigene Seelenanteile, so ist schnell klar, was jede und jeder selbst für sich tun kann. Wenn der weibliche Anteil nur noch ein Knochenhaufen ist, warum auch immer, ist es Zeit, Mitgefühl zu haben. Für die verletzte Hingabefähigkeit, das Fließen, das Zuhören, das Geben, das Sich-öffnen, all die weiblichen Eigenschaften, die wir alle als Potential in uns tragen. Erst dann kann das Wunder geschehen.

Natürlich macht mich diese Geschichte auch nachdenklich. Könnte es sein, dass Respektlosigkeit einfach versteckte Angst vor wahrhaftiger Begegnung ist?

Achtsamkeit, Anerkennung und Raum

Respekt – das ist alles: in und an sich selbst, Körper, Geist und Seele anzunehmen, anzuerkennen, achtsam die Grenzen zu wahren – eigene und die des anderen, die Situation des Jetzt, die Bürde des Gestern, die Visionen des Morgen, einfach den Weg, für den die Entscheidung gefallen ist.

Ich weiß nichts besser, was einen anderen betrifft!!!
Ich nehme nur wahr, was das Potential ist, was sein könnte, welche Fähigkeiten und Möglichkeiten da wären. Natürlich hat jeder Mensch seine Wertmaßstäbe, seine Erfahrungen, seine Einschätzung der Lage und die sollten kommuniziert werden. Wofür sich dann ein Mensch entscheidet ist nicht meine Angelegenheit und nicht meine Verantwortung. Eine lebenslange Aufgabe, die mit Achtsamkeit und Liebe zu tun hat.
Und: Sie lohnt sich!

Der Lohn

Der Fischer hat sich entschieden, seine Angst loszulassen.
Die Frau hat sich entschieden, zu trommeln, zu tanzen und sich zu dem Fischer zu legen.
So einfach ist das.

Respekt ist, sich selbst und dem anderen den Raum zu lassen, der gebraucht wird. Das ist keine Frage von Geld, Status oder Besitz. Es ist eine Frage der persönlichen Integrität.
Und die fängt bei sich selbst an.

In diesem Sinne!
Herzliche Grüße aus der Anderwelt.

https://www.youtube.com/edit?o=U&video_id=xJWJgFZPwjY&feature=vm

Share Button