Rumpelstilzchen – Wer hat die Macht?

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Wer hat nicht so ein Rumpelstilzchen in seinem Leben?

Jemand, der immer nur haben will und nur gibt, wenn er dafür einen unangemessen hohen Gewinn macht. Einer, der alles kontrollieren und bestimmen will, wieviel er wem und mit welchem Nutzen geben will. (Nichts gegen talentierte Führungspersönlichkeiten. Ich brauche das auch hin und wider, dass mir jemand sagt, wo es lang geht.)
So ein bißchen erinnert mich das an Moliere’s Geizigen, der allerdings am Ende nicht sich selbst zerreißt, aber mit seinem Gold allein bleibt.

Eigentlich ist so jemandem nicht zu trauen. Und genau das strahlt diese Person dann auch aus. Er vertraut niemandem.

Aber, wenn uns eine solche Person begegnet, ist sie dann nicht nur ein Spiegel für uns selbst?

Das Gesetz der Anziehung funktioniert hunderprozentig. Was wehtut, löst der andere nur aus. Es ist unser Schmerz. Der andere fühlt ihn nicht.

Oft wissen diese Menschen nicht, wie sehr sie anderen Menschen damit weh tun.
Müssen sie auch nicht. Der Schmerz ist nur ein Achtungszeichen, dass hier etwas in uns selbst aufgeräumt werden möchte.

Und schon tauchen die Fragen auf: Was will ICH nicht geben? Wo erwarte ICH zu viel?

Letztlich ist Rumpelstilzchen eine Geschichte über Selbstbestimmung. Wieder einmal. Die Tochter des Müllers wird zur Königin, in dem sie sich von den Erwartungen ihres Vaters, des Königs und auch Rumpelstilzchens löst. Wie Entwicklungsstufen sind diese Figuren.

Zuerst gibt sie, was sie geben kann. Die Folgen der Angeberei ihres Vaters trägt sie klaglos. Auch gegen die Todesdrohung des Königs kann sie nicht rebellieren. Rumpelstilzchen gibt sie ihren kostbaren Schmuck, ein bedeutsames Erbe ihrer Ahninnen. Es ist nichts mehr übrig. Eine uralte Einweihungsgeschichte ist das, erinnert mich an Inanna, die sumerische Göttin, und ihren Gang in die Unterwelt und Orpheus, der alles geben muß. Und, weil er nicht loslassen kann, alles verliert.

Doch die Müllerstochter geht hindurch und wird mit jedem Schritt mehr die Königin, die sie in sich trägt.

„Mach doch“, scheint sie dem Zauberwesen zu sagen. „Du kannst hier herumspringen und mich unter Druck setzen, wie Du willst, ich gebe Dir mein Liebstes nicht.“ Sie tut etwas sehr Interessantes. Sie holt sich Hilfe und vertraut auf ihren Erfolg. Sicher hat sie in all der Zeit Tausend Ängste ausgestanden, Wechselbäder von Hoffnung und Verzweiflung.

Das Märchen erzählt, wie so oft in den alten Weisheitsgeschichten, dass das Schicksal, das Göttliche, der Zu-Fall (denn alles fällt uns zu) ihr zur Seite steht. Ein Wunder, und ich möchte mir vorstellen, dass sie fest daran geglaubt hat. Der Name, das alles entscheidende Element, wird gefunden.

Auch das ein ungeheuer spannendes Thema: Wenn wir etwas benennen können, haben wir Macht darüber.
Macht ist nicht per se negativ. Es kommt darauf, wie wir sie nutzen.

Stroh zu Gold

Sehr spannend auch das Motiv der Verwandlung vom Stroh zu Gold durch das Spinnen. Spinnen steht für Kommunikation. Viele Jahrhunderte trafen sich Frauen in Spinnstuben und besprachen die neuesten Begebenheiten, tauschten sich über ihren Kummer und ihre Freude aus, erzählten Geschichten, lehrten die jüngeren Frauen. Dort fand ein Verwandlungsprozess statt. Aus dem Stroh im Kopf wurde Gold, das immer für göttliche Eingebung und Macht steht.

Es hat eine gewisse Komik, dass ausgerechnet ein Kontroll-Freak der jungen Frau dazu verhilft, ihr Gold zu finden. Naja, es ist ja auch ein Zauberwesen. Vielleicht sind all diese Menschen, die uns nicht atmen lassen, eigentlich nur Zauberwesen. Wäre doch schön, wenn dieser Zauber auf sie selbst zurückfällt und sie erkennen, wieviel Liebe in ihrem Leben schon da ist, wie sehr sie geliebt werden, einfach so, ohne etwas dafür tun zu müssen.

Aber das ist eine andere Geschichte.

Wenn so ein Rumpelstilzchen auftaucht, kannst Du Dich fragen, wie Du selbst Dein Stroh zu Gold spinnen kannst.

Ich hab drei Tipps für Dich (ja, ich liebe die Drei, sie hat was Märchenhaftes):

1. Lass Dich nicht auf einen Machtkampf ein, zieh Dich zurück, auch wenn es schwerfällt.
2. Schau in Dein Herz, was für eine Seelenbotschaft hinter allem stecken könnte.
3. Entscheide Dich für das Vertrauen darauf, dass sich zur rechten Zeit ein Sonnenstrahl zeigt, der Dir den Weg weist. Wenn Du ihn siehst, GEH LOS!

Wenn Du das Gefühl hast, Du möchtest dabei Begleitung, dann schreib mir einfach. Ich freue mich auf Deine Nachricht.

Herzliche Grüße aus der Anderwelt.

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3 Gedanken zu „Rumpelstilzchen – Wer hat die Macht?“

  1. Du bist einfach GRISSartig. So habe ich das Märchen noch nie gesehen. SEHR spannend. Ich freue mich total, dich bald persönlich kennen zu lernen und auf unsere gemeinsame Zusammenarbeit.

  2. Meine Hochachtung, Kati! Es macht Freude, zu lesen
    und wieder mal die ein oder andere für mich neue Interpretation zu erfahren. Du hast großen Erfolg verdient. Liebe Grüße, Charlotte

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