Was noch übrig ist von der keltischen Kultur. Teil 1 – Der Schuhmacher

Die alte keltische Kultur kehrt zurück und es gibt einen Grund dafür.Anderwelt_6

Seit ungefähr der Jahrhundertwende gibt es immer wieder spektakuläre archäologische Funde, die die Lehrmeinung über diese alte Kultur unserer Vorfahren schwer erschüttern. Es zeigt sich, dass die Menschen jener langen Epoche keineswegs die hirnlosen Barbaren und bemalten Schlächter waren, die die römischen Historiker so gern in ihnen sahen.

Unser geschichtliches Bild jener Völker ist wesentlich von Cäsars „De Bello Gallico“ geprägt, einer Propaganda-Schrift zur Rechtfertigung seiner eigenen Barbarei an den keltischen Stämmen, wie man heute stark vermuten darf.

Die vorrömische europäische Kultur basierte auf einem stabilen Handelsnetz, handwerklicher Kunstfertigkeit und unternehmerischem Geschick. Vor allem aber auf einem alle Stämme bestimmenden weltanschaulichen Rückrat: die wesenhafte Verbundenheit mit der Natur und die tiefgreifende Erforschung und Befolgung geistiger Gesetze. Rechtsprechung im Sinne der göttlichen Ordnung hatte einen sehr große Bedeutung, Wissen und Gelehrsamkeit einen hohen Stellenwert.

All das wurde nahezu vernichtet, nicht nur mit gewaltsamen Mitteln. Auch psychologische Mittel wurden eingesetzt, um die alte Kultur zu verdrängen. Angst vor dämonischen Mächten, Verniedlichung, Verachtung, das Gefühl des Verlustes auf ewig. Das Römische Reich begann, was später ihr Nachfolger, die christliche Kirche, fortsetzte.

Man sagt, dass innerhalb von drei Generationen wahre Begebenheiten ins Mythologische rutschen. Sie werden zunehmend ausgeschmückt und mystifiziert, bis sie vollends ins Sagenhafte verschwinden.

Was die alten Kelten auszeichnet, zeigt sich in den noch heute zugänglichen Geschichten. Auch wenn ihre sie verfremdet und entstellt sind, zeigt es sich noch. Sie waren sehr schlau. Ihr Humor war hintergründig. Und sie wußten die Antwort auf viele Fragen, doch sie versteckten sie gut und nur wer sich auf den Weg macht, seine eigene Unwissenheit zu besiegen, kann Hilfe von ihnen erwarten. Eine alte druidische Weisheit.

Es war Absicht, dass wir diese alten Werte vergessen sollten. Es gab ganz konkrete Machtinteressen, denn eine von den natürlichen Prozessen getrennte und dadurch von der Obrigkeit abhängige Mehrheit ist besser zu beherrschen. Wenn ich nicht weiß, dass ich mir Nahrung auch allein in der Natur beschaffen kann, sondern denke, ich muß verhungern, wenn ich nichts im Laden kaufen kann, dann tue ich alles, was der Ladenbesitzer von mir verlangt.

Doch dahinter stehen viel höhere Absichten. Die Menschheit insgesamt ist tief verbunden mit den Zyklen und Rhythmen der Erde. Wir sind irdische Wesen. Und wie schon die alten indischen Weisen beschrieben haben, gibt es verschiedene Zeitalter, in denen sich sowohl das große Ganze als auch Gruppen und einzelne Menschen weiterentwickeln, Erfahrungen sammeln, wachsen, erkennen können

Die alten Inder nannten es Kali Yuga, das dunkle Zeitalter. Die Dauer der Zeitalter ist umstritten. Doch ist unbestreitbar, dass wir heute in einer entsetzlichen Fremdheit zu allen natürlichen Prozessen stehen. In allen Bereichen des Lebens ist es ein anstrengender Akt, den ganz natürlichen Rhythmen zu folgen. Eine Geburt muß schmerzfrei sein. Das Wochenbett ist verpönt. Die Mutterschaft erfährt keine Achtung mehr. Freie Kindheit bekommt keinen Raum. Männer dürfen keine Krieger sein. Versehrte und alte Menschen werden ausgegrenzt. Arbeiten immer im gleichen Takt bis zum Umfallen. Ich könnte noch eine Menge aufzählen, aber ich lasse es dabei.

Denn mir ist die Lösung viel wichtiger.

In der irischen Geschichte: „Der Schumacher“, aufgezeichnet von Thomas Crofton Crocker, übersetzt von den Brüdern Grimm („Irische Elfenmärchen“ erschien 1826) werden einige Elemente deutlich, die sowohl auf uraltes keltisches Wissen als auch auf die Lösung respektive Heilung unseres Dilemmas hinweisen. Sie zeigt auch sehr gut, was aus alten Werten geworden ist. Nicht mehr Respekt vor den hilfreichen Kräften der Natur, sondern Habgier bestimmt das Handeln der Hauptperson.

Der elfenhafte Schumacher im Garten der jungen Frau wird bedroht und erpresst. Doch das kann keinen Erfolg haben und am Ende bleibt, was in so vielen keltischen Geschichten heute noch mitschwingt: Trauer um den Verlust.

Aber die Lösung in der Geschichte findet sich mal wieder im Detail. Die Geschichte ist, in feinster keltischer Poesie und Erzählkunst, ordentlich verschachtelt und verpackt, wie ein liebevolles Geschenk. Hinter der Geschichte befindet sich die Geschichte, übrigens auch eine sehr wertvolle Erkenntnis aus der modernen und vor allem systemischen Psychotherapie.

Die Erzählerin breitet die schöne Stimmung in ihrem Garten aus, bevor sie zur eigentlichen Hauptsache kommt. Warum tut sie das? Sie könnte doch gleich erzählen: „Ja, da hörte ich so ein Hämmern und dann saß da so ein merkwürdiges Männchen mitten im Garten usw.“ Die detaillierte Beschreibung führt die Seele in den Garten hinein, die angenehmen Bilder wirken entspannend, freundlich, sie öffnen die Seele. Und genau so wird es heute in entsprechenden Therapien gemacht, z.B. Hypnotherapie. Der Weg in die Seelenwelten wird verschachtelt, damit der Verstand draußen bleiben kann, und dann wird für Vertrauen gesorgt. Nur so ist die Seele bereit, das wirklich Wichtige aufzunehmen oder anzusehen.

Darüber hinaus trägt die Erzählerin einen blauen Mantel. Das deutet auf die Göttin hin. Isis und Maria tragen zum Beispiel einen solchen Mantel. Es ist also eine göttliche Botschaft, die mit Sicherheit über die Jahrhunderte verfremdet wurde, aus Angst vor Verfolgung, aus Anpassungsdruck, aus Leichtfertigkeit. Doch sind noch andere Beispiele bekannt, wie geschickt keltische Völker ihr Wissen zu bewahren wußten, trotz aller Überfremdung. Dazu aber später mehr.

Warum kehren die Kelten zurück?

Weil wir dringend ein neues Verständnis und Verhältnis zur Natur und Mutter Erde brauchen. Die allgegenwärtige Zerstörung unserer natürlich Umwelt, materiell und geistig, macht uns krank. Es wird nie wieder so sein wie damals, aber wir können uns darauf beziehen und davon lernen, was die Kelten aus tiefstem Herzen lebten.

Eine der besten Dokumentationen über die Wahrheit der keltischen Kultur (und einiger anderer zeitgenössischen Kulturen) und ihr Verhältnis zum Römischen Reich ist „Wie die Barbaren wirklich waren“. Bemerkenswerterweise ist sie auf YouTube gelöscht, auf DVD nur in Englisch zu erhalten und im Internet schwer zu finden. Ich habe sie trotzdem gefunden. Eine wirklich lohnenswerte zeitliche Investition:

Terry Jones: Wie die Barbaren wirklich waren.

http://www.veoh.com/watch/v16671910bn6y3daw

Und hier geht es zur Geschichte „Der Schuhmacher“, die einfach abbricht, wie das alte Wissen. Aber heute haben wir wieder die Chance, daran anzuknüpfen, denn die Tore zur Anderwelt sind wieder geöffnet.

 

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