Geschichtenheilkunst - Verbunden mit den Erdmüttern --- Märchenerzählerin, Märchentherapeutin, Entspannungspädagogin

Monat: Dezember 2015

Wünschen – Die drei Wünsche

Adventszeit ist die Zeit der Wünsche.
Was wünschen wir uns nicht alles … und die Werbeindustrie tut alles, unsere Wünsche nicht nur wach zu halten, sondern jede Menge neuer Wünsche in unseren Köpfen zu produzieren.

Wenn es um Wünsche geht, dann auch immer darum, was wir brauchen und wofür.
Die Lernaufgabe dieser Zeit ist, wie mir scheint, die Frage: Was wünschst Du Dir WIRKLICH?
Sind wir tatsächlich glücklicher, wenn alle Wünsche erfüllt sind?
Und dann tun sich immer neue Wünsche auf.
Weil es eben doch nicht glücklicher macht oder nur für eine kurze Zeit, wie ein Bovist-Pilz, auf den man tritt oder eine Schneeflocke, die man einfängt. Ein kleiner Moment und dann puff.

Ich gebe zu, ich habe so meine Mühe mit der Fülle an Wunsch-Möglichkeiten. Natürlich liebe auch ich schöne Dinge, die einfach nur da sind. Aber schöne Dinge können gesehen und bewundert werden. Muß ich sie deswegen unbedingt haben? Eine Schneeflocke kann ich nicht festhalten. Aber der Moment, dieser eine kostbare Moment, bevor sie sich durch meine Körperwärme wieder in Wasser verwandelt, der ist ein Wunder, ein Geschenk.

Deshalb liebe ich es noch viel mehr, mir und meinen Kindern Erlebnisse zu schenken, kostbare Momente, Zeit, die besonders ist. Ich weiß nicht, ob ich das jetzt besonders gut oder toll oder sonstwie mache. Aber ich weiß, dass es die schönen Erinnerungen sind, die bleiben, die das ganze Leben lang uns tragen und stärken. Sie sind immer abrufbar, wenn wir sie brauchen.

Natürlich gibt es bei uns Spielzeug unter dem Weihnachtsbaum. Frei bin auch ich nicht von der ganz materiell-handfesten Schenkerei. Zu sehen oder zu hören, wie die Beschenkten sich freuen, ist dann wieder etwas für meinen eigenen Erinnerungsfundus.

Und weil es mir selbst unendlich viel Freunde bereitet, Menschen zu beschenken mit dem, was ich im Überfluß habe, verschenke ich in der Vorweihnachtszeit Geschichten. Ich erzähle sie und schicke sie als Audio-Datei oder Sprachnachricht an all jene, von denen ich glaube, dass sie sich darüber freuen würden. Es ist einfach schön, meinen Schatz zu verschenken und es ist eine ganz persönliche Wunscherfüllung von mir.

Vielleicht habt Ihr ja auch Lust, in diesem Jahr das zu verschenken, was Ihr im Überfluß habt. Der eine mag Zeit in Hülle und Fülle haben, die andere Kekse, der nächste handwerkliches Geschick. Vielleicht gibt es so viele Bücher in Eurem Regal, dass einige davon verschenkt werden möchten oder Ihr habt selbstgekochte Marmelade übrig (na gut, die mag nicht jeder, also: Vorsicht!).
Wenn Ihr es liebt, Euren Überfluß zu teilen, dann ist das das größte Geschenk überhaupt.

Und ganz sicher erfüllt sich mit einer solchen Gabe auch so mancher Wunsch.

In der heutigen Geschichte erzähle ich eine Sage aus dem Alpenraum. Der Satz: „Bedenke was du wünschst, es könnte dir erfüllt werden.“ ist sicher vielen bekannt und wird auch zum Thema dieser kleinen Begebenheit.

Wenn hier der Herr Jesus Christ und der heilige Petrus als Zweiergespann auftauchen, die über das Land ziehen, dann ist ziemlich klar, dass es sich um eine sehr alte, weit vorchristliche Sage handelt, die einfach den vorherrschenden gesellschaftlichen Vorstellungen angepaßt wurde. Die Konstruktion mit zwei „Helden“ geht auf eine alte keltische Vorstellung zurück, in der Krieger-Fürst und Druide (also der Botschafter der Götter und Gelehrte der Lebensgesetze) eine notwendige Einheit bildeten. Keiner war dem anderen untergeordnet, sondern jeder hatte seine wichtige Funktion, um die Geschicke der Sippe oder des Stammes weise zu leiten. Diese Vorstellung findet sich sehr deutlich noch in Artus und Merlin, aber auch in einigen anderen keltischen Geschichten. Und der Alpenraum ist keltisches Kernland.

So kann also getrost davon ausgegangen werden, dass die Frage nach dem richtigen Wünschen schon eine sehr alte Sache ist.

Na, dann wünsche ich mal was:
Möget Ihr diese Zeit des Wünschens und Schenkens genießen, auf dass sie eingehe in Euren eigenen Schatz der kostbaren Erinnerungen.

Herzliche Grüße aus der Anderwelt

P.S.: Wer sich der Gruppe der von mir Geschichten-Beschenkten anschließen möchte, sprich: auch eine erzählte Geschichte von mir bekommen möchte, schreibt mir einfach eine kurze Nachricht und wohin ich die Geschichte schicken soll (Mail, WhatsApp, Facebook). Es gibt noch Geschichten zum 4. Advent, zur Wintersonnenwende, zum 1. Weihnachtsfeiertag und Neujahr.

https://www.youtube.com/watch?v=WYzdfjuqFwE

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Nikolaus-Blog: Rute oder Süsses – Wie Rübezahl auf den Tisch sprang

Frostblüten
Ach ja, der „gute“ Nikolaus, welche Wandlungen hat diese Figur nun schon vollzogen!

Geschichten einer alten Göttin

Die traditionell-christliche Deutung führt ihn auf den heilig gesprochenen Bischof Nikolaus von Myra zurück. Bei Wikipedia stehen 13 Legenden, die ihm zugesprochen werden. Sie sind ein Sammelsurium wohl- und wundertätiger Handlungen. Schaut man ein wenig tiefer, fällt ein fürsorglicher, ich würde sogar sagen: mütterlicher Anstrich auf. Myra war ein großes Kultzentrum der Göttin Artemis bzw. Kybele. Eine Legende berichtet, dass Nikolaus ihren gewaltigen Tempel eigenhändig abriß. Wie in vielen alten Geschichten ist hier Vorhandenes integriert und Neues installiert worden. Die Entwicklung der Menschheit ging in eine bestimmte Richtung und dieser wurde alles Vorherige untergeordnet.
Man, und vor allem Frau, kann darüber wütend sein. Es ist aber auch möglich, die Kunst der Wandlung darin zu erkennen. Eine neue Zeit war angebrochen, die christliche Machtübernahme war in vollem Gange. Interessanterweise sollten heidnische Inhalte ausgerottet werden und haben es doch bis heute in unsere Wohnzimmer … ähm … Schuhe geschafft.
Es ist bloß eine Frage der Perspektive.

Und was ist das mit der Rute und dem Süßkram?

Früher wurden im November die Kinder in den Religionsunterricht geschickt und mussten ordentlich schufften, um kirchen-tauglich zu werden. Wie alte Erziehungsmethoden dabei funktionierten, brauche ich sicher nicht ausführen.
Zum Namenstag des Hl. Nikolaus fand die Prüfung statt. Wer nicht gut genug war, bekam es mit der Rute. Und wie die Belohnung aussah, können wir uns auch vorstellen.
Bestrafung und Belohnung regierten jahrhundertelang den Umgang mit Kindern.
Heute ist der Bestrafungsanteil durch die Rute anderen Methoden gewichen. Am ehesten könnte vielleicht eine natürliche Konsequenz dafür herhalten: „Oh, man, ist mir schlecht von den vielen Süssigkeiten.“ Das wäre dann weniger gezielt, die Nachhaltigkeit eher fragwürdig, aber auf jeden Fall unangenehm.
In den Erziehungsmethoden, die durchaus auch vor- bzw. nicht-christlich sind, ging es um entweder-oder. Das Kind sollte dazu gebracht werden, das zu tun, was die Erwachsenen für gut hielten. Es gab nur zwei Seiten, ein Dazwischen war nicht möglich. So wurden wir seit vielen Generationen auf Dualität getrimmt. Wir wissen, was Gut und Böse, Richtig und Falsch ist. Ein Wissen, dass uns hilft, in der Gemeinschaft der Menschen zu überleben.
Und doch weckt diese Mischung aus Grusel und Freude, so seltsam das auch klingt, einen uralten Reiz aus. Wenn wir bereit sind, gängige Moralvorstellung mal einen Augenblick beiseite zu lassen, können wir ihn spüren.

Angreifen oder weglaufen

Es gibt viele alte Götter-Geschichten, in denen von genau diese Zwiespältigkeit erzählt wird.
Zwiespältige Situationen führen uns in eine nicht alltägliche Bewußtseinslage. Wir können nicht angreifen und nicht weglaufen. Angriff oder Flucht sind unsere uralten Überlebensinstinkte. Diese Instinkte haben vielfältige Auswirkungen und Abstufungen und beherrschen den größten Teil unseres Lebens.
Solche Situationen, egal wo und wann, lösen immer erstmal Verwirrung und Ängste aus. Wir müssen überleben und haben plötzlich keinen Plan mehr, wie.
Theaterspielen ist zum Beispiel so eine zweispältige Situation. Auf der Bühne, vor Zuschauern geht weder das eine noch das andere. Ich habe zum Beispiel vor jedem Auftritt ordentliches Lampenfieber, egal wie sicher ich mir meiner Fähigkeiten bin. Dieser nicht besonders angenehme Zustand bringt mich aber dorthin, wo ich meine Funktion als Geschichtenerzählerin sehe. Ich weiß, wie ich mit diesem Zustand umgehen muß und ihn mir zunutze mache. Für die Fürsorglichen und Hilfsbereiten: Danke, aber ich lasse ihn mir unter keinen Umständen nehmen.
Denn genau in diesem Dazwischen findet die Magie statt, die nur durch Vertrauen und Hingabe zu meistern ist. Und dann dürfen wir eine der wichtigsten menschlichen Erfahrungen machen:
Das Wunder, das geschieht, wenn wir die Kontrolle aufgeben.

Nikolaus als Schamane

So hat also für mich auch unser Nikolaus etwas durchaus Schamanisches. Er bietet uns mit seiner Rute/Süssigkeiten-Mischung an, durch ein Fenster in eine uralte Hütte zu schauen. Wir sind nicht mehr da drinnen, aber wir können sehen, uns inspirieren, berühren lassen. Wir müssen das nicht tun, jeder darf seines Weges gehen, wohin immer er möchte. Vielleicht aber ist da etwas zu entdecken, wir könnten sogar lachen. Weil nämlich unangenehme Erfahrungen einfach auch anstrengend sind, darf es das Lächerliche, Alberne geben, das uns überrascht, möglicherweise erschreckt und dazu bringt, etwas ganz Neues zu erfahren, mehr Raum in unserem Leben zu erkennen, als wir dachten, und uns beschenken zu lassen.

Und nun noch der listige Rübezahl

Wie in einer Weihnachts-Geschichte von Rübezahl, des alten Berggeistes des Riesengebirges. Rübezahl vereinigt in seinen Legenden, wie Knecht Ruprecht und Nikolaus, so manchen Aspekte eines alten Gottes. Er bringt Menschen in merkwürdige Situation und schaut, wie sie sich verhalten. Haben sie ein gutes Herz, werden sie belohnt, sind sie geizig, gierig und hartherzig, bekommen auch sie ihren gerechten Lohn. Da haben wir es wieder, das Belohnungs-System!
Das Schöne an diesen Geschichten ist, dass die Mitspieler immer die Wahl haben, wie sie sich verhalten möchten. Genau dies ist die Prüfung.
In dieser Geschichte nun tut der alte Rübezahl etwas, was seine Gastgeber zutiefst erschreckt, weil es nicht ihren Erwartungen entspricht. Am Ende aber siegt das Lachen, eines der schönsten Geschenke überhaupt: wiedergewonnene Lebensfreude.

Für das Dazwischen brauchen wir die Wahlmöglichkeit und Offenheit, dass alles geschehen darf und alles seinen Platz hat. Wirklich alles.
Aber das ist eine andere Geschichte.

Herzliche Grüße aus der Anderwelt

https://youtu.be/e8WipewsJ1I

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