Geschichtenheilkunst - Verbunden mit den Erdmüttern --- Märchenerzählerin, Märchentherapeutin, Entspannungspädagogin

Monat: Januar 2016

Unabhängigkeit – Die Geschichte der Königin Rhiannon

BallonsIn letzter Zeit spreche ich häufiger mit Frauen, die kurz vor der Trennung von ihrem Partner stehen. Immer sind Kinder mit im Spiel. Es sind kraftvolle, oft spirituelle, wache Frauen mit einer großen Sehnsucht nach einem authentischen Leben. Das Gefühl, alles lastet auf den eigenen Schultern, die Organisation in der Familie, die Arbeit, die Stimmung in der Familie, der Kontostand, die Schule und natürlich der Zustand der Partnerschaft. Zu wissen, dass frau so vieles versucht hat und die Schere nur noch größer geworden ist. Sich gefangen zu fühlen zwischen allen Stühlen und nur noch ein kleiner Ruck fehlt, der entscheidet, ob sich frau selbst nun endgültig verliert oder mutig, aber schmerzhaft auf den eigenen Weg begibt.
Der Ruf des Herzens nach Freiheit und Unabhängigkeit.

Der Preis der Unabhängigkeit.

Ich kann das sehr gut nachfühlen und ich bereue meine Entscheidungen diesbezüglich nicht. Vor fünf Jahren war ich nicht annähernd so in Frieden und Harmonie mit mir selbst wie heute. Doch gleichzeitig kommt mir auch der Gedanke: „Ihr wißt nicht, was ihr für einen Preis für diese Unabhängigkeit zahlt.“

Es ist eine Tatsache, dass Mutter- und Frausein trotz aller Emanzipationsbewegung, Gleichstellung und Gleichberechtigung (die für mich, und ich weiß, dass das politisch unkorrekt ist, nur wenig mit echtem Frausein zu tun hat) weder angesehen ist noch respektvoll behandelt wird.

Schlechte Welt?

Nun könnte ich mich in die Ecke setzen und darüber jammern. Ich könnte mich plötzlich genauso gefangen fühlen wie vor der Trennung. Ich könnte mich nach einer Gesellschaft sehnen, die den Müttern mehr Wertschätzung entgegen bringt, auf alle Männer schimpfen und ihren patriarchalen Einfluß, die immer noch unsere Welt regiert.

Natürlich ist das eine ungerechte und wenig zielführende Verallgemeinerung. Doch dann geht es weiter.

Die plötzliche Erkenntnis, dass die eigenen Kinder unter der Entscheidung leiden und niemand ihnen diesen Schmerz abnehmen kann. Das Bewußtsein, wie einschneidend sich alles verändert hat und die Mühen, die es vorher so nicht gab. Die Frage, ob frau wirklich alles versucht hat und wie es wäre, wenn alles ganz anders gekommen wäre.

Alles darf sein.

Genau diese Gedanken – nicht die äußeren Umstände! – bringen wieder in die Abhängigkeit, der ich doch entfliehen wollte. Zunächst einmal dürfen sie einfach da sein. Alles will und muß gefühlt und gedacht werden, um der Seele zu erlauben zu gesunden. Es darf sich zeigen, ganz im systemischen Sinne.
Und dann darf es wieder gehen.

DENN: Unser gesamtes irdisches Dasein befindet sich in Abhängigkeiten.

Die Erfahrungen einer Trennung sind ja nur beispielhaft.
Die meisten Menschen jeden Geschlechtes fühlen sich abhängig vom Geld. Oder von was auch immer: Das Auto, die Eltern, die Mode, der Chef, der Staat, Essen, Wasser, die Medizin …

Natürlich sind wir abhängig und das sollte respektiert werden. Vor allem: Wir FÜHLEN uns abhängig. Punkt. So ist es.

Unabhängigkeit ist nicht an Äußerlichkeiten gebunden.

Vielleicht ist es der Tatsache geschuldet, dass ich in einer Gewissensdiktatur aufgewachsen bin, in der einheitliches Denken und Handeln gefordert war. Aber verwendbar ist die Erkenntnis, dass Unabhängigkeit ein Geisteszustand ist, für alle Menschen. Denn jeder Mensch befindet sich in irgendeiner Art Abhängigkeit. Selbst die reichsten und mächtigsten.

Die Sehnsucht nach Unabhängigkeit hat ihre vollste Berechtigung und ist ein wichtiger Wegweiser für notwendige Veränderungen. Die Seele sehnt sich nach Entwicklung. Doch sind wir ein Stück gegangen, kommen die Zweifel am eigenen Weg. Uns dämmert, dass wir nun schon wieder in Abhängigkeiten gelandet sind, ein Zustand, den wir doch eigentlich loswerden wollten.

Es ist ein schwerer Schritt, das einzusehen.

Innere Unabhängigkeit macht frei von den äußeren Umständen.

Sie entläßt uns nämlich aus den Zwängen und Nöten, die sich ständig in unserem Kopf abspielen. Geistige, gedankliche Unabhängigkeit setzt die natürliche Kreativität, die in jedem Menschen angelegt ist als Werkzeug der Problemlösung, frei.

Es drängt sich die Frage auf, wie man nun diese Unabhängigkeit findet.

Mir fiel in diesem Zusammenhang die Geschichte von Rhiannon, der Großen Königin, ein.
Zum Thema innere Freiheit und selbstbestimmtes Leben sind die alten Kelten einfach wegweisend für mich. Die Geschichte finden wir in der walisischen Geschichtensammlung Mabinogion. Es gibt verschiedene Ausschmückungen der Details, aber der Kern bleibt gleich, wo immer ich diese Geschichte auch lese.

Rhiannon oder Rigatona (ein Göttinnenname, weil „ona“) ist eine Feenkönigin. Sie kommt aus dem Reich unter den Hügeln und reitet auf einem weißen Pferd. Sie ist eine alte Pferdegöttin, deren Mythologie und Ritus in Legenden und Sagen aufgegangen ist, so wie es den meisten alten Göttern wiederfuhr.

Ihr Herz wählt den sterblichen König Pwyll zum Mann und damit gibt sie ihre Anderweltlichkeit auf. Sie warten lange auf ein Kind, doch endlich wird ein Sohn geboren. Das Kind verschwindet allerdings auf mysteriöse Weise kurz nach der Geburt. Die Dienerinnen, voller Angst, selbst dafür verantwortlich gemacht zu werden, beschuldigen Rhiannon, das eigene Kind gefressen zu haben.

Eine seltsame Strafe

Der König verhängt eine für uns heute merkwürdige Strafe. Rhiannon muß als Torhüterin jedem, der hereinkommt, ihre Geschichte erzählen und ihm anbieten, ihn auf dem Rücken durch den Hof zu tragen.

Welch Bedeutung Geschichtenerzählen hatte!!
Mythologisch gesehen geschieht hier eine Verwandlung, die Göttin selbst wird zum Pferd.
Doch darum soll es hier nicht gehen.

Verlust und Kummer

Diese Frau wird auf sehr schmerzhafte Weise gedemütigt. Bei den Grimm’s sollen in diesen Fällen (z.B. Marienkind, Die sieben Raben) die Heldinnen gleich sterben. In der keltischen Geschichte aber ist die Strafe weitaus schlimmer, denn für die Kelten war die Welt der Toten gleich der Anderwelt. Sie hat nicht nur ihr geliebtes Kind und die Liebe ihres Mannes verloren, sondern auch ihre Stellung als Königin, ihren Reichtum, ihr Ansehen. Sie muß auf ungewöhnliche Weise sehr hart arbeiten und wird dafür auch noch verachtet (denn ihre Geschichte klingt schändlich), ohne etwas dafür zu können.

Ein unabhängiges Ende

Am Ende geht es gut aus. Nach einigen Jahren kommt ein Mann mit einem Kind. Er hat von dem Schicksal der gestürzten Königin gehört und bringt ihr ihr Kind zurück. Es war auf wundersame Weise in seinen Stall gekommen und er hatte es wie sein eigenes Kind aufgezogen. Nun aber brachte er es zurück, denn er hatte erkannt, wohin es gehörte. Die Königin und der König (aha!) erkennen das Kind als ihr eigenes.

Was geschieht aber nach dieser Demütigung?
Rhiannon braucht keine Entschuldigung und keine Wiedergutmachung.
Sie setzt sich auf ihren Thron und ist einfach die, die sie schon immer war: eine Königin, eine Göttin. Weil sie es nie vergessen hat. In ihren Gedanken und Gefühlen war sie zwar die leidende Frau und Mutter, aber eben auch die strahlend schöne und mächtige Reiterin des weißen Pferdes. Sie hat selbst gewählt, wie sie sich sehen will. Und aufgrund dieses Wissen hatte sie die Kraft, all die Jahre durchzuhalten, denn sie hat sich ihre geistige Unabhängigkeit von den äußeren Umständen bewahrt.

Sie gilt übrigens als Beschützerin der verzweifelten, zweifelnden, mühsam beladenen Menschen, die das Gefühl haben, die ganze Last der Welt liege auf ihren Schultern.

Jeder Mensch hat immer die freie Entscheidung.

Bleiben wir in der Opferhaltung und finden tausend Gründe dafür, sie nicht verlassen zu können? Oder lassen wir los und halten Ausschau nach anderen Möglichkeiten?
Das Leben ist nach wie vor ein großes Rätsel. Daran kann keine Abhängigkeit etwas ändern.

Wir haben alle eine eigene innere Welt und bringen sie ständig zum Schweigen.
Aber genau dort wohnt unsere Unabhängigkeit, in welchen Bildern auch immer. Ob sie nun märchenhaft sind, sich im Weltraum befinden, in vergangenen Zeiten und Epochen. Alles ist möglich, alles, wofür unser Herz schlägt. Was dort ist, hat seine Berechtigung. Es ist ein Spiegel unserer Seele. Eine bewußte Reise dorthin wird uns viele Antworten bringen.
Der Geist will frei fliegen. Lassen wir ihn doch endlich!

Und das Beste ist: Nichts und niemand kann darauf zugreifen, wenn wir es nicht wollen.
Denn Freiheit fängt im Kopf an.

Aber das ist eine andere Geschichte.

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Heiligt der Zweck die Mittel? – Das Tapfere Schneiderlein

Märchen„Du sollst nicht lügen.“

Dieses biblische Gebot hat wesentlich unsere europäische Kultur geprägt. Obwohl es seit Tausenden von Jahren auf dem Markt der Seelen ist, gab und gibt es wohl kaum Menschen, die noch nie in ihrem Leben gelogen haben.

Es gibt wahrscheinlich kaum eine Mutter, die noch nie log, um ihr Kind zu beschützen.
Wieviele Menschen haben nicht schon gelogen, um das Leben eines anderen zu schützen? Zu DDR-Zeiten gab es etliche Christen, Kirchenangestellte und sogar Pfarrer, die deshalb gegen dieses biblische Gebot verstoßen haben. Es gibt noch viele historische Beispiele für diese Art Lügen.

Betrüger und Betrüger

Wir regen uns auf, wenn eine prominente Person öffentlich dabei erwischt wird, dass sie gelogen hat. Wir finden es empörend, wenn uns dieses Schicksal im privaten Kreis trifft. Ent-täuschung nennen wir das.

Andererseits erfreuen sich Figuren wie Robin Hood, Sherlock Holmes und Mr. Ocean (aus „Ocean’s Eleven“ usw.) größter Beliebtheit. Immer wieder werden Geschichten und Filme populär, deren Hauptpersonen Trickster sind. Ja, Lügner und Betrüger.

Eine solche Geschichte ist auch „Das tapfere Schneiderlein“.

Eines der beliebtesten Märchen der Brüder Grimm handelt von einem Betrüger, der ein Held ist.

Er spielt mit der Vorstellung der anderen. Zu keiner Zeit sagt er, was oder wen er erschlagen hat. Es fragt auch keiner danach. Wie Eulenspiegel, der Meisterdieb und noch viele andere Helden von Schelmengeschichten, bedient er einfach die Urteile seines Gegenübers. Der erste Riese, das Volk und der König bekommen ihre Meinung bestätigt, dass er ein Kriegsheld sei. Diese Vorstellung fällt ihm dann aber auf die Füße, weil die anderen Kriegsherren des Königs sich plötzlich bedroht fühlen.

Bei der nächsten Aufgabe kann das also nicht mehr gelingen und die zweiten Riesen, das Einhorn und das Wildschwein müssen mit einer anderen Art Schläue besiegt werden. Aber auch hier nutzt das Schneiderlein die Eigenschaften seiner Widersacher. Die Riesen reizt er, bis sie in ihrer Dummheit sich gegenseitig tot schlagen. Das Einhorn bringt er dazu, sich selbst durch die eigene Wildheit in den Baum zu rammen. Und das Wildschwein rast blind vor Wut in die eigene Falle.

Doch bei seiner letzten Aufgabe, seinem endgültigen Beweis, dass das Schneiderlein es verdient hat, ein König zu sein, muß er sich gegen die eigene Frau behaupten. Und auch hier hilft ihm seine Schläue. Er tut so, als ob er schläft und spricht die Worte, die ihn letztlich unangreifbar machen.

Und die Moral von der Geschicht‘?

Nun könnte man natürlich mit der Sinnhaftigkeit argumentieren.
Die Geschädigten sind ja reich oder Verbrecher oder sonst irgendein Grund, warum sie das verdient haben. Ich behaupte, das ist alles eine Frage der Perspektive.

Das ist vielleicht moralisch fragwürdig, aber es begeistert uns. Und in dieser Zeit des Paradigmenwechsels ist ohnehin die Frage, was noch gilt und was nicht. Alles, was einmal einen Wert hatte, zerfällt. Vertrauen, Treue, Zuverlässigkeit, Wertschätzung.
Woran halten wir uns noch?

Vielleicht ist auch dafür das Märchen ein Wegweiser.

Unbeirrbar geht das tapfere Schneiderlein seinen Weg und nutzt die Möglichkeiten, die er hat, um der Welt zu zeigen, wer er wirklich ist: Ein König!
Es mag diese Unbeirrbarkeit sein, von der uns das Märchen wirklich erzählen will. Von dem Mut, sich Aufgaben zu stellen, die übermenschlich erscheinen. Und der Kunst, sich seinen Platz in der Welt zu erobern mit den Mitteln, die dafür erforderlich sind. Oder eben: Die Rolle zu spielen, die das Stück gerade vorgibt.

Also heiligt doch der Zweck die Mittel?

Diese Frage ist nicht zu beantworten. Denn was ich für moralisch richtig oder verwerflich halte, muß ich mit meinem Gewissen vereinbaren können. Am Ende geht es immer darum, das, was ich für wertvoll halte, zu beschützen und zu retten.

Lüge und Betrug kann von jedem für alles benutzt werden. Es kann die Vernichtung eines Lebenskonzeptes bedeuten, aber auch den Schutz einer Privatsphäre. Ich habe aufgehört, darüber zu urteilen.

Und letztlich bleibt die Frage, was Wahrheit eigentlich ist.
Aber das ist eine andere Geschichte.

Herzliche Grüße aus der Anderwelt.

P.S.: Ich habe heute das Märchen nicht auf einem Video, sondern als Audiodatei:
http://soundcloud.com/kati-pfau-1/das-tapfere-schneiderlein

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Respekt – Die Skelettfrau

Sternenhimmel„Respekt“

– dieses Wort war lange Zeit vollkommen substanzlos für mich. Als Machtmittel in der Erziehung kam es stets als Vorwurf daher: „Du hast keinen Respekt!“ Ich wusste nie genau, was damit eigentlich gemeint war, bis ich aufgab zu verstehen und mich den Erwartungen der überlegenen Erwachsenen einfach anpaßte. Überlebensstrategie.

Viel später begegnete mir das Wort wieder auf meinen vielfältigen Sinnfindungs- und Heilungswegen. Und dann als Forderung: „Du mußt …. (variabel einsetzbar: die Eltern, den Pfarrer, den Mann, den Lehrer, die Meisterin, deine Mitmenschen, den Arzt usw. usf.) respektieren, sonst kannst Du nicht heil werden!“ An der Stelle noch gerne biblisch unterlegt.
Wie sollte ich das denn anstellen?

Regelrecht abgewürgt hat mich dann der sicher gut gemeinte Satz etlicher echter sowie hohler Lebensratschlaggeber der Guru-Art: „Du mußt Dich selbst respektieren, bevor Du jemand anderen respektieren kann.“ Der Super-Gau!

Respekt basiert auf Gegenseitigkeit. Das ist schon mal klar. Ebenso Respektlosigkeit.
Aber wie kommen wir dahin? Was ist das überhaupt? Und welchen Wert hat Respekt wirklich?

Respektlosigkeit

Wie die meisten Frauen bin ich wohlerfahren in männlichen Respektlosigkeiten aller Art. Die Erfahrung der massive Grenzüberschreitungen blieb mir nicht nur nicht erspart, ich habe sie studiert. Und natürlich bleibt da eine Menge Wut. Diese Aufzählung ist unvollständig und nur ein kleiner Ausschnitt:

Von Fremden ungefragt berührt, ja sogar einfach in den Arm genommen zu werden, obwohl es keinerlei emotionale Grundlage, kein verbindendes Gespräch oder den Anflug von Sympathie gibt.

Mit Koseworten bedacht zu werden, die nicht auf der guten Kenntnis meines Charakters beruhen und die ich nur als Herabsetzung meiner Weiblichkeit werten kann.

Meine Ideen und Gedanken, die nicht ernstgenommen, über die verlegen gelächelt, über die hinweggegangen wird. Hauptsache, die Hübsche steht auf dem Foto neben so einem Mannsbild, das sieht immer gut aus.

Überhaupt die Ignoranz. Die stärkste und respektloseste Waffe, um das Herz einer Frau zu brechen. (Und hiermit meine ich alles, was mit Liebe getan wird, denn es wird mit dem Herzen getan.)

Ja, geht’s noch?

Sicher, manche Männer können hier auch mit grenzüberschreitenden Frauen, vor allem Müttern, aufwarten. Ich weiß von übelsten Geschichten dieser Art, die mich als Frau zutiefst entsetzen und beschämen. Deshalb ist mir das ganz wichtig: Ich verneige mich mit allem Respekt vor jeder leidvollen Erfahrung meiner Mitmenschen, ganz gleich welchen Geschlechts.

Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft

Ich entstamme einer Ahnenlinie von Frauen, die stets der Schemel ihrer erfolgreichen Männer waren. Mir ist sozusagen die Haltung des höflichen Klappehaltens und freundlichen Lächelns immanent. Na und, deswegen bin ich nicht harmlos.
Es hat lange gedauert, bis ich die Wut wirklich fühlen konnte. Erst dann wurde klar, dass die Wut nur gehen kann, wenn ich sie fühle. Denn ich will nicht in Wut leben und will diese Wut nicht meinen Kindern weitergeben, den Mädchen nicht und nicht den Jungs. Ich habe kein Recht dazu, meinen Kindern meine Konflikte überzuhelfen. Auch sie haben Respekt verdient.

Also, um der Kinder willen:

Was ist Respekt und wie kommen wir da hin?

In der Inuit-Geschichte „Die Skelettfrau“ findet sich eine Lösung.
Der Fischer, das Skelett einer Frau unlösbar an der verwirrten Angel hängend, rennt panisch in seinen Iglu. Er versucht ihr zu entfliehen, was nicht geht, denn das Gerippe klappert ihm an seiner Angel nach. Er bringt sie selbst in seinem Iglu, obwohl er weglaufen möchte.
Erst, als er in der Dunkelheit seines Iglus zur Ruhe kommt, gestattet er sich zu fühlen. Er sieht den Knochenhaufen und empfindet Mitgefühl. Aha!!
Er sortiert die Knochen in ihrer richtigen Reihenfolge, legt sich dann erschöpft nieder und schläft. Und erst dann, ja dann, geschieht das Wunder!

Wie in allen Geschichten und Märchen können wir selbst die Ebene auswählen, auf der wir sie verstehen möchten. Nehme ich hier den Mann und die Frau als eigene Seelenanteile, so ist schnell klar, was jede und jeder selbst für sich tun kann. Wenn der weibliche Anteil nur noch ein Knochenhaufen ist, warum auch immer, ist es Zeit, Mitgefühl zu haben. Für die verletzte Hingabefähigkeit, das Fließen, das Zuhören, das Geben, das Sich-öffnen, all die weiblichen Eigenschaften, die wir alle als Potential in uns tragen. Erst dann kann das Wunder geschehen.

Natürlich macht mich diese Geschichte auch nachdenklich. Könnte es sein, dass Respektlosigkeit einfach versteckte Angst vor wahrhaftiger Begegnung ist?

Achtsamkeit, Anerkennung und Raum

Respekt – das ist alles: in und an sich selbst, Körper, Geist und Seele anzunehmen, anzuerkennen, achtsam die Grenzen zu wahren – eigene und die des anderen, die Situation des Jetzt, die Bürde des Gestern, die Visionen des Morgen, einfach den Weg, für den die Entscheidung gefallen ist.

Ich weiß nichts besser, was einen anderen betrifft!!!
Ich nehme nur wahr, was das Potential ist, was sein könnte, welche Fähigkeiten und Möglichkeiten da wären. Natürlich hat jeder Mensch seine Wertmaßstäbe, seine Erfahrungen, seine Einschätzung der Lage und die sollten kommuniziert werden. Wofür sich dann ein Mensch entscheidet ist nicht meine Angelegenheit und nicht meine Verantwortung. Eine lebenslange Aufgabe, die mit Achtsamkeit und Liebe zu tun hat.
Und: Sie lohnt sich!

Der Lohn

Der Fischer hat sich entschieden, seine Angst loszulassen.
Die Frau hat sich entschieden, zu trommeln, zu tanzen und sich zu dem Fischer zu legen.
So einfach ist das.

Respekt ist, sich selbst und dem anderen den Raum zu lassen, der gebraucht wird. Das ist keine Frage von Geld, Status oder Besitz. Es ist eine Frage der persönlichen Integrität.
Und die fängt bei sich selbst an.

In diesem Sinne!
Herzliche Grüße aus der Anderwelt.

https://www.youtube.com/edit?o=U&video_id=xJWJgFZPwjY&feature=vm

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