Geschichtenheilkunst - Verbunden mit den Erdmüttern --- Märchenerzählerin, Märchentherapeutin, Entspannungspädagogin

Monat: Februar 2016

Bist Du eine Prinzessin mit Entenfüßen?

20160227_194626Es gibt ja eine Menge im Leben, das nicht zu ändern ist.

Eltern zum Beispiel, die sind wie sie sind. Sie haben sich vielleicht in Deiner Kindheit auf eine Weise verhalten, die Dir nicht gefallen hat, aber Du kannst es nicht mehr rückgängig machen, es ist nunmal so. Heute tun sie vielleicht Dinge, die Dir unangenehm oder peinlich sind und nichts kann sie ändern.

Oder Kinder. Zwei von mir zum Beispiel ziehen sich komplett zurück und werden immer stiller, wenn sie aufgeregt sind, die anderen beiden brauchen in der gleichen Situation ständig Aufmerksamkeit. Sie sind so, es sind ihre Charaktereigenschaften, die kann und will ich nicht ändern, auch wenn das anstrengend sein kann.

Jeder tut das, was er kann.

Dann ist da noch das Weltgeschehen, die vielen Kriege und Ungerechtigkeiten. All das Leid, in welchen Teil dieser Erde man auch schaut. Daran ist schwer etwas zu ändern. Ich meine nicht Resignation, jeder sollte das tun, was er am besten kann. Gestern beteiligte ich mich an einer Friedensmeditation, weil ich glaube, dass ich das gut kann und dass eine geistige Stärkung des Energiefeldes „Frieden“ einer der vielen sinnvollen Wege ist, diesen auch zu erreichen.
Wer sich für so eine liebevolle energetische Arbeit interessiert, googelt einfach mal James Twyman oder schaut sich den Film „The Moses Code“ an, da wird die Wirkung gut erklärt.

Es gibt also Dinge, die wir tun können, manchmal sogar müssen, und Dinge, die können wir nur akzeptieren.

Und dann sind da die Bereiche in unserem Leben, von denen wir glauben, dass sie nicht liebenswert sind. Die gesamte Schönheitsindustrie lebt davon, dass vor allem Frauen mit Schlupflidern, Cellulite und runden Hüften nicht leben können. Eine Sprechstundenhilfe eines Schönheitschirurgen, mit der ich mal befreundet war, selbst gebotoxt, fettabgesaugt und lidgestrafft, meinte selbsterkennend irgendwann einmal: „Die Leute kommen und bezahlen einen Haufen Geld, lassen das alles mit sich machen nur, weil wir so falsch leben.“

Nicht liebenswert?

Oder all die Geschichten und Eigenschaften von uns, von denen wir denken, sie verschweigen oder verstecken zu müssen.
Alles nur, weil wir glauben, nicht liebenswert zu sein.

Da finde ich das Märchen „Die Prinzessin mit den Entenfüßen“ sehr tröstlich und hoffnungsvoll.
Es ist ein Kunstmärchen einer Autorin, die kein Mensch kennt, aus einem Buch, dass es wohl so kaum noch gibt. Eine Sammlung von Gewinnern eines Wettbewerbs der Zeitschrift „Die Woche“ von 1905, die „die Kräfte ihrer poetischen Phantasie in den Dienst der Märchendichtung stellen“. Kurz gesagt, ein geliebtes Erbstück meiner Urgroßmutter.

Die Prinzessin mit den Entenfüßen

Es spielt im Grunde keine Rolle, ob das Märchen traditionell erzählt oder von einem Autor im Reich seiner Fantasie gefunden wurde, denn der Wunsch, so, wie man nunmal ist, also bedingungslos geliebt zu werden, ist universell. Es gibt viele Märchen und Geschichten, die genau darüber erzählen.

Die Prinzessin hat Entenfüße und glaubt, deshalb nicht liebenswert zu sein. Doch der junge König verliebt sich nicht nur, sucht und findet sie, sondern erkennt auch noch seinen Platz im Leben, kann also etwas, was er vorher nicht akzeptieren konnte, integrieren, nämlich seine Aufgabe, König zu sein.

Universell und archetypisch

Wie immer können wir hier ganz archetypisch den männlichen und weiblichen Seelenanteil als jungen König und Prinzessin einsetzen.
Und ist es nicht genau so, dass, wenn wir selbst uns lieben und akzeptieren, wie wir sind, Kraft schöpfen und Freiheit finden zu unserer besten Version von uns selbst?

Hier kommen drei von vielen Gründen, warum alles an Dir liebenswert ist:

1. Du bist Teil dieser Welt, dieser Schöpfung, und sie wurde aus Liebe erschaffen.

2. Jeder Teil an Dir hat eine Geschichte, einen Grund, warum er da ist. Er macht Dich zu dem Menschen, der Du heute bist.
(Also, bitte, ehre Deinen Weg bis hierher.)

3. Und all das, was Du bis jetzt noch nicht lieben kannst, darf so sein, denn auch das ist Liebe.
(Lass los, alles ist in Ordnung so – und dann darf es sich verändern, wenn Du bereit bist.)

Wenn Du das Gefühl hast, Du schaffst das nicht allein, begleite ich Dich gern.
Ich freue mich auf Deine Nachricht. Hier kommst Du zum Kontaktformular.

Herzliche Grüße aus der Anderwelt.

Aus irgendeinem mir nicht erfindlichen Grund ist das Ende des Märchens nicht komplett aufgenommen worden, ich bitte sehr um Entschuldigung. Es geht gut aus, und das ist auf jeden Fall noch drauf. 😉

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Gudrun und Angelina – Beitrag zur Blogparade Vorbild 2016 von Unkrig Personalcoaching

Als Jörg Unkrig mich bat, einen Beitrag zu seiner Blogparade „Vorbilder 2016“ zu schreiben, fiel mir sofort „Timur und sein Trupp“ ein, ein viel gepredigtes Vorbild aus DDR-Kindertagen. Einer, der allen hilft, sein Freundestrupp immer im Schlepptau. Und das Wort „Vorbild“ von der Deutsch-Lehrerin imaginär an die Stirn gepappt!

Für ein Mädchen als Vorbild allerdings schwierig. Da gab es, glaube ich, nur ein Mädchen in seiner Truppe.

Es war eher Gudrun, die mich prägte. Eine nordische Sagen-Heldin, niedergeschrieben in einer berührend-melodiösen Poesie von Alma Johanna Koenig. Es war eines dieser Bücher, die ich ungefähr zwischen 9 und 14 in alle Urlaube und Ferienaufenthalte bei meiner Großmutter mitschleppte. Ich las es oft wieder von vorne, wenn ich die letzte Seite umgeschlagen hatte. So kam es schon mal vor, dass ich es 5 oder 6 mal hintereinander las.

Vielleicht ist eine altgermanische Königstochter auch ein schwieriges Vorbild für die heutige Zeit. Sicherlich gibt es diese Art Hofhaltung und auch die strenge hierarchische Ordnung von Lehensherr und Lehensmann ist kaum noch nachzuvollziehen.

Es geht um Treue, vor allem zu sich selbst. Gudrun, die von vielen Heiratswilligen umworben wird, entscheidet sich für den einen richtigen Mann. Sie versprechen sich die Ehe, doch ein anderer, abgewiesener Mann, gekränkt in seinem Stolz, entführt die Königstochter, angestachelt von seiner Mutter, die sich einbildet, ihren Sohn dadurch in seinem Stand zu erhöhen. Er scheint tatsächlich auch verliebt, scheitert aber an Gudruns unbedingtem Willen, ihrem Versprechen und ihrer Liebe treu zu sein. Die Rache der Mutter des Abgewiesenen ist schlimm, denn Gudrun verliert alles bis auf ihr Leben.
Nach sieben Jahren wird sie erlöst, nach dem sie diese harte Zeit in Stolz und Würde, aber auch viel Klugheit durchgestanden hat.

Ich finde, diese Geschichte ist auch heute noch brauchbar. Es zählt nichts so sehr wie die Treue zu sich selbst, auch wenn das heißt, dass es nicht der leichteste Weg ist. Treue zu sich selbst bedeutet, seinen Weg zu gehen oder vielleicht besser: zu tanzen. Mit allen Umwegen, in der angemessenen Zeit, mit aller Liebe, die wir aufbringen können.
Von Gudrun habe ich gelernt, beharrlich und geduldig zu sein (und das als Widder!) für das, was meinem Herzen das wichtigste ist. Das kann für andere Menschen anstößig, unverständlich, verwirrend sein. Und dafür hat Gudrun auch eine Antwort: Sie leidet unter Demütigung, Erschöpfung, Sehnsucht und der ständigen Verlockung, mit einem einfachen, kleinen „Ja“ all das beenden zu können. Aber sie weiß, dass sie das Richtige tut.

Wann warst Du das letzte Mal wirklich sicher, dass Du das tust, was für Dein Herz das Richtige ist?
Es ist gar nicht so schwer: Du kannst es fühlen. Wenn es sich schwammig, wacklig, unsicher, aber trotzdem einfach nur schön anfühlt, dann ist es richtig.

Foto von M. Krumbiegel-Erdmann

Vor ein paar Jahren war Angelina Jolie ein großes Vorbild für mich. Nicht nur, dass sie eine großartige Schauspielerin ist, sie ist auch eine attraktive Mehrfach-Mutter. Ich dachte mir damals: Wenn sie das schafft, schaff ich das auch! Verrückt, denn ihre Lebensumstände sind so vollkommen anders als meine. Und trotzdem, es hat funktioniert.

Von Angelina habe ich gelernt, dass die Vorbilder gar nicht groß genug sein können. Die meisten Mehrfach-Mütter, die ich damals kannte, hatten ihre Weiblichkeit verloren zwischen Weckerklingeln, Putzen und Hausaufgabenhilfe. Ich kann das gut verstehen, diese Wucht an Anforderungen kann erschlagende Ausmaße annehmen. Viele haben leider auch ihre Lebensfreude verloren und agieren nur noch, um den Laden am Laufen zu halten. Jemand, der nicht glücklich ist, kann kein Vorbild sein.

Angelina hat hart daran gearbeitet, natürlich viel zu sehr gehungert, schließlich ist sie Hollywood-Schauspielerin. Das hatte keine Vorbildfunktion. Dafür aber ihr Wille, die zu sein, die sie nun mal ist.

Heute muß ich oft lächeln über die verwunderten Gesichter, wenn ich sage, ich habe vier Kinder.
Es macht mir einen diebischen Spaß, diese verstaubte Vorurteilskiste ordentlich in den Köpfen meiner Gesprächspartner zu entsorgen. Ich kenne inzwischen jede Menge schöner, weiblicher und lebenslustiger Mütter.

Also, kein Stern ist zu hoch, wenn er zu Dir paßt!
Du kannst genauso leuchten.

Herzliche Grüße aus der Anderwelt.

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Fühlst Du Dich wie Aschenputtel?

Aschenputtel ist eines der bekanntesten Märchen der Brüder Grimm. Mehrfach verfilmt, in verschiedenen Varianten erzählt. Tatsächlich findet sich diese Motiv ist vielen Erzähltraditionen.

Was macht die Geschichte von dem entrechteten Mädchen, das durch Magie zur unbekannten Prinzessin wird, so anziehend? Ich glaube, es ist die Verwandlung. Oder besser gesagt, das Verwandlungspotential.

Und schon sind wir wieder in unserem ganz alltäglichen Leben. Dieses Potential schlummert in uns allen. Das Märchen erzählt auch, woher die Kraft für die Verwandlung kommt. Aschenputtel verbindet sich am Grab ihrer Mutter mit deren Geist. Er steht für vieles: die Ahninnen, die urweibliche Kraft in jeder Frau, die übersinnlichen Energien, wie Engel. Oder, um es schlicht mit Prof. Hüther zu sagen: dem Überbau, den jeder Mensch benötigt, um sich seelisch gesund entwickeln zu können.

Durch die Verwandlung wird Aschenputtel gezeigt, wer sie sein könnte. Die Zeit spielt bei dieser Verwandlung eine große Rolle. So ist es auch oft, wenn wir uns auf dem Heilungsweg befinden. Wir können vieles tun und wir wünschen uns, jeder dieser Wege möge schnell zur Heilung führen.

Der Ort, an dem wir uns gerade befinden, ist leidvoll. Deshalb machen wir uns ja auf den Weg zur Heilung. Es gibt genug Gelegenheiten auf diesem Weg, die uns erzählen, wie wenig geheilt wir uns fühlen. Da gibt es diese Ausflüge in den Palast des Königs zum Ball, aber der Alltag sieht anders aus.

Das Märchen erzählt von der Hoffnung. Es macht Mut, denn es verspricht, dass Verwandlung möglich ist.

Das Gefühl, ein Aschenputtel zu sein, ist den meisten Menschen sehr vertraut. Ein anderer Aspekt ist nämlich die fehlende Anerkennung, die sich hier ausdrückt. Sie wird nicht nur nicht anerkannt, wenn sie eine Aufgabe gut gelöst hat, wird ihr noch mehr aufgebürdet.

Das Märchen erzählt auch davon, woher die Kraft kommt, das zu ertragen.
Natürlich von der Hoffnung, aber vor allem von der Gewißheit, durch alle Zeiten hindurch getragen zu sein von der Magie des Göttlichen.
Doch ohne den Menschen, ohne unsere Entscheidung, uns diesem Göttlichen anzuvertrauen, kann keine Magie wirken.

Die Verwandlung vom Aschenputtel zur Prinzessin beginnt damit, sich selbst so zu akzeptieren, wo man gerade ist.
Und dies anzuerkennen. Die Anerkennung für unser Sein kommt niemals von außen, sondern von uns selbst.

Ich werde Dir ein wenig helfen, denn hier kommen drei Gründe, warum Du kein Aschenputtel bist:

1. Was immer Du tust, Deine Arbeit ist wertvoll. (Schau einfach genau hin.)

2. Du bist ein wundervoller Mensch und Dein Hiersein ist von Bedeutung. (Denn Bedeutung ist eine Frage der Definition.)

3. In Dir leuchtet ein Licht, ein göttlicher Funke, sonst würdest Du nicht existieren.

Manchmal reicht das aber nicht.
Wenn Du Dich nicht mehr wie Aschenputtel fühlen möchtest, begleite ich Dich wirklich gern dabei.

Ich freue mich auf Deine Nachricht. Hier kommst Du zum Kontaktformular.

In diesem Sinne!
Herzliche Grüße aus der Anderwelt.

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Loslassen mit Hans im Glück

Da geht mir also mein Rechner kaputt, zack-bumm-Klappe zu, Affe tot.
Tja, tatsächlich, denn ich bin im chinesischen Horoskop ein Affe und sämtliche Texte, Notizen und …. bäh … auch Passwörter unerreichbar. Quasi ein kleiner Tod.

Inzwischen ist mein gutes Stück in ebenso guten Händen, die wichtigsten Passwörter verdanke ich der freundlichen und umsichtigen Geduld von Wolfram Lührig, meinem großartigen WordPress-Coach ( http://wordpress.wolframluehrig.de ) und schreiben kann ich auch. Da es unendlich mühsamer ist, auf einem Tablet zu schreiben, als mit zahn Fingern auf der Tastatur, wird dieser Blog auch nur kurz.

Aber viel wichtiger ist, dass das Wichtigste nicht auf dem Computer, sondern im Kopf ist.
Eigentlich wollte ich über Sozialisation und „Aschenputtel“ schreiben, das darf dann warten, bis sich wieder alle zehn Finger betätigen können. Mir fiel jetzt eine ganz andere Geschichte ein.

„Hans im Glück“ ist kein Märchen und auch nicht wirklich eine Schelmengeschichte. Am ehesten scheint mir in ihr noch die alte Weisheitsgeschichte auf, die in alten Zeiten als Lebensschule und Ratgeberin diente.

Als Kind habe ich diese Geschichte oft von der Schallplatte gehört, wenn ich krank war, und ich habe mich jedesmal gefragt, warum er denn bloß alles weggibt und am Ende auch noch glücklich ist. Man weiß einfach nicht, ob man Hans, der am Anfang einen Goldklumpen besitzt und am Ende nichts, bedauern, auslachen oder beneiden soll.

Wie so oft, kann sich jeder selbst die Ebene aussuchen, die passend ist. Er tauscht seinen Besitz immer dann, wenn er unzufrieden damit ist. Aber jedesmal ist er glücklich, wenn er es getan hat.

Für mich ist heute diese Fröhlichkeit und Unbekümmertheit die Botschaft. Es könnte nämlich auch eine Geschichte über Verlust und Loslassen sein. Zu keinem Zeitpunkt bedauert er das Verlorene, sondern ergreift die Gelegenheit, sich aus seiner Perspektive zumindest zu verbessern. Die Geschichte endet damit, dass er glücklich zu seiner Mutter zurückkehrt. Sozusagen zurück zu den Wurzeln.

Also, wenn sonst nichts mehr hält, fröhlich zurück zu den Wurzeln. Miteinander reden, Zettel und Stift benutzen und Gehirn einschalten.

In diesem Sinne!
Herzliche Grüße aus der Anderwelt.

Hans im Glück – Audiodatei

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Freiheit beginnt im Kopf – Cerridwen’s Kessel

Schwan_2010-03-21
Neulich hörte ich mal wieder von jemandem, wir „Ossis“ hätten ja alle was zu verschweigen.
Das mag sein. Es ist schlicht und einfach Selbstschutz. Mal ganz abgesehen davon, dass die Einteilung in Ossis und Wessis nun wirklich überholt ist, macht wohl jeder, der es braucht, von diesem Selbstschutz Gebrauch, unabhängig von Geschlecht, Sozialisation und Alter.

Aber um das schöne Klischee zu bedienen: Auch ich will nicht darüber sprechen. Nicht über die Privilegien, mit denen ich ein paar Jahre aufwuchs, noch warum es sie gab. Und auch nicht über den Sturz, der mich mitriß bis in die Tiefen dieses Systems, einem Ort, wo es keine Masken mehr gab.

Zu schweigen ist eine Form von Freiheit. Ich bin frei von den Gefühlen, die diese Geschichte in den Zuhörern auslöst und auch in mir. Es ist wie das Öffnen der Pandorra-Büchse aus der griechischen Sage. All die herumfliegenden Teile dann wieder einzusammeln, dauert einfach zu lange.

Wann und worüber zu sprechen, will also gut überlegt sein.
Ich habe an den richtigen Stellen zur richtigen Zeit geredet, um Heilung zu erfahren.
Das reicht.
Es gibt viele Wege, sich frei zu fühlen, so viele, wie es Menschen gibt. Schweigen ist nur eine davon.

Viel wichtiger aber ist die Lektion über die innere Freiheit, die durch nichts zu zerstören ist.

Sie wohnt in jedem Menschen, ist für jeden erreichbar. Freiheit hat natürlich ein Gesicht, einen äußeren Ausdruck. Aber der hat nichts mit den Umständen zu tun, in denen wir leben. Wie oft begehen wir den Irrtum zu glauben, dass sich nur irgendetwas im Außen ändern müsse, um endlich frei zu sein.

Es gibt keine Gefängnisse, so absurd das uns auch erscheinen mag.
Freiheit ist immer ein Verwandlung zur Selbstermächtigung. Jeder Mensch ist frei, zu gehen oder zu kommen. Dafür gibt es viele Möglichkeiten, auch wenn es im Außen nicht so aussieht. Zum Beispiel kann Krankheit eine (eher unbewußte) Möglichkeit sein, sich zu schweren Aufgaben zu entziehen.

Aber was wäre, wenn wir diesen Weg in die Freiheit ganz bewußt wählen würden?

Dazu gehört das Wissen um die freie Entscheidung und der Mut, sich Grenzesituationen zu stellen. Denn es muß klar sein, dass innere Freiheit etwas damit zu tun, voll und ganz Ja zu seinem Leben zu sagen, in allen Facetten, mit allen Brüchen, allen Entscheidungen. Erst dann werden wir nicht mehr manipulierbar.

Denn das größte Gefängnis ist die Macht, die andere über unseren Geist haben.

Und wir lassen das zu. Weil wir uns so nach dem Gefühl der Freiheit sehnen.
Was gibt es da nicht alles für Fluchthelfer! Im Groben reicht es vom Essen über Alkohol, Filme, Computerspiele, Drogen bis zur Kaufsucht. Es ist der tiefe Wunsch nach Linderung eines Schmerzes, dem wir nicht ausweichen können. Wir versuchen, ihn zu betäuben, ihn zu vergessen oder wenigstens erträglicher zu machen. Auch das darf sein. Diese Erfahrungen sind sogar oft notwendig auf unserer Heldenreise.

Was wäre, wenn das alles unnötig wäre?

Wenn ich jemandem sage, er braucht das alles gar, er könne sich doch einfach erlauben zu träumen! – werde ich sehr erstaunt angesehen. Meist möchte man das nicht wahrhaben, es ist zu verrückt. Tagträume sind doch verboten und Blödsinn obendrein.
Wer „nicht ganz da“ ist, wird nicht ernst genommen, „Träum nicht!“ ist der strenge Vorwurf, der sich durch viele Schulstunden und: „Wo bist du denn nur wieder mit deinen Gedanken!“ ist die verbale Ohrfeige, die die Tür zur Anderwelt schmerzhaft zuschlägt.

Und noch einmal: die Gedanken sind frei!

Die inneren Bilder sind von außen unerreichbar und unzerstörbar.
Jeder hat seine innere Welt, nur fehlt oft der Mut, sich darauf einzulassen.

In anderen Kulturen war das Überschreiten dieser Grenzen von Hier zum Dort selbstverständlich.

In den alten Geschichten der Kelten, aber auch vieler anderer Kulturen, zieht sich die Leichtigkeit dieses Weltenwandelns durch wie ein roter Faden. Für mich besonders bedeutsam ist das Motiv der Schwanenjungfrauen oder Vogelfrauen, das es in ganz Europa und sogar in Asien gibt. Es geht immer darum, dass Vögel sich in Frauen verwandeln, oft an einem See, um dort zu baden. Der Held der Geschichte stiehlt das Federkleid und gewinnt so ein Eheversprechen. Doch er hält meist sein Versprechen an seine Frau nicht, verrät sie zum Beispiel an seine Familie, und sie verläßt ihn, fliegt davon, denn sie hat ihr Federkleid wiedergefunden. Der Held geht auf die lange und beschwerliche Suche und damit gerät das ganze Unternehmen zu einer Heldenreise, dem bewußten Weg zur eigenen Wahrheit. Für beide übrigens.

Die germanische Göttin Frejya ist bekannt für ihr Federkleid, das sie sogar dem listigen Gott Loki ein paar Mal ausleiht. Die Walküren, die Schwanenjungfrauen, waren ihre Gefolgschaft.
Der Schwan galt lange als Bote der Götter, erst im Christentum wurde er zum Todesvogel. Unser Wort „frei“ kommt von dieser Göttin, ebenso das Wort „Frau“.

Die freie Königstocher

Ganz besonders berührend ist auch die alte nordische Gudrun-Sage, die voller Epos von der Königstochter Gudrun erzählt. Sie wird entführt von einem abgewiesenen Heiratsbewerber, hat sich aber schon einem anderen versprochen. In ihrer siebenjährigen Gefangenschaft bleibt sie standhaft und treu, obwohl ihr sehr übel mitgespielt wird. Gerade in ihrer Treue ist der freie Geist zu erkennen, der diese Sagengestalt so besonders macht. Ihr wird die Nachricht ihrer Rettung übrigens von einem Schwan überbracht.

Innere Freiheit hat also nichts damit zu tun, alle menschlichen Bindungen einzureißen.

Das zeigt sich auch in den Märchen um die Schwanen- oder Vogelfrau. Immer hinterläßt sie einen Hinweis, wie sie zu finden ist.

Werden diese Bilder auf die Seelenebene übertragen, ist leicht zu erkennen, dass die Fähigkeit des freien Fluges einen Preis hat. Es ist die Heldenreise, die Verwandlung, die mit Eigenschaften wie Zielstrebigkeit, Entscheidungskraft, Kampfgeist, also eher männlichen Eigenschaften zu meistern ist.

Cerridwen und Taliesin

Weil es – bemerkenswerter Weise! – so viele Geschichten von Frauen und Freiheit gibt, erzähle ich heute ganz bewußt eine Geschichte über einen Mann, den sehr berühmten keltischen Barden Taliesin bzw. wie er dazu wurde. Nämlich nur durch Verwandlung und das scheint mir ein Weg zu wahrhaftiger Freiheit zu sein. Seine Freiheit besteht in seiner Klugheit und Schnelligkeit, mit der er sogar einer Zauberin (im eigentlichen Sinne einer Göttin) widersteht. Sie siegt zwar, aber nur bedingt, denn am Ende muß sie ihm den gestohlenen Segen lassen, der ihn zum größten Barden seiner Zeit machte.

Zurück im Hier und Heute

In der modernen Hirnforschung ist längst erwiesen, dass wir für unsere seelische Gesundheit Reisen in andere Bewußtseinsebenen brauchen. Bewußt zu träumen ist nur eine der Möglichkeiten. Visionssuchen, Tranceerfahrungen wie Trommeln, Tanzen oder Schwitzhütten haben auf dem Lebensberatungs- und spirituellen Markt einen starken Aufwind. Zu Recht. Auch das Theaterspielen ist eine solche Reise, denn in einer Rolle, einer Maske, einer Geschichte können wir erfahren, wie es das Wandern in anderen Welten ist.

Mit viel Gewalt und Manipulation sind wir seit Jahrhunderten aus unseren eigenen Seelenwelten vertrieben worden.
Es wird Zeit, uns diese Welten zurückzuerobern.

Herzliche Grüße aus der Anderwelt

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