Geschichtenheilkunst - Verbunden mit den Erdmüttern --- Märchenerzählerin, Märchentherapeutin, Entspannungspädagogin

Monat: März 2016

Die Kugel des Glücks

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Was ist Glück? Was ist Unglück?

Vor ein paar Wochen krachte virenbedingt mein komplettes Computersystem zusammen. Sämtliche Geschichten, auch die, die ich für meine Kinder geschrieben habe, hängen in der verseuchten Festplatte fest. Obwohl ich ziemlich traurig war, fühlte ich, dass es auch irgendwie befreiend war. Es ist ja nicht der erste Totalverlust, den ich erlebe, und ich wußte: das kann nur den kompletten Neuanfang bedeuten. Inzwischen habe ich eine neue Festplatte.

Und siehe da.

Vorcup-621251_960_720 ein paar Tagen fing mein Schreibrausch wieder an, dieses vollkommene Vergessen der Zeit im Fluß der Worte. Nach mehreren Jahren Schreibblockade (die Blog-Beiträge zählen da nicht, die sind kurz) kann ich diese Tür wieder öffnen. Ich spüre, dass diese Jahre der „leeren Seite“ eine Transformation waren, denn ich tue etwas, um das ich seit langem herumkreise wie der Wolf um seiner Beute. Bisher war mir dieser Brocken zu groß. Doch nun schreibe ich meine eigene Geschichte, meine subjektiv erlebte Wahrheit, die mich zu dem Menschen gemacht hat, der ich heute bin. Ein wichtiger nächster Schritt in meine ganz persönliche Freiheit. (Danke, Beatrice Lührig, für die Ermutigung!)

Aber, was war das nun mit dem Computer-Crash?

Unglück oder Glück?

Meine heutige Geschichte ist ein Kunstmärchen aus einem der alten Bücher meiner Urgroßmutter. Ich nahm es in die Hand und die Seite schlug sich einfach auf. Die Märchen in diesem Buch sind von einem Pfarrer und sehr weisen Menschen geschrieben. „Die Kugel des Glücks“ erzählt alles, was es zu diesem Thema zu sagen gibt.

Etwas geschieht und wir glauben, es ist die größte Katastrophe. Geduld, Glauben, Vertrauen. Wer in solchen Situation darin nicht geübt ist, fällt in ein tiefes, dunkles Loch. Wer nicht aus tiefstem Herzen weiß, das wirklich alles ein Ausdruck der universellen Liebe ist, dem reißt es den Boden unter den Füßen fort.

Und wer von uns weiß das schon?

Abgelenkt im Hamsterrad des Alltags, zugeballert mit falschen Versprechen aus Film, Fernsehen und Werbung, auf der Stirn „Ich muß doch … „ tätowiert und der großen Angst, etwas zu verpassen, verpassen wir uns selbst.fly-agaric-330934_960_720

Wir sollten aufhören, uns das Glück als rosarote, zuckersüße Wolke vorzustellen, möglichst weit weg von allen schmerzhaften Grenzen. Die Weisheit des Lebens spielt nach ihren eigenen Regeln.

Ist es nicht eigenartig, das ein Fliegenpilz als Glückssymbol dient, ausgerechnet einer der giftigsten Pilze? Die alten Weisen wußten diesen Pilz zuzubereiten, um mit seiner Hilfe in die glückseligsten Weiten der Götter zu fliegen. Doch zuvor mußten sie durch ziemlich unangenehme körperliche Zustände. Sehr interessant, der Selbstversuch von Wolf-Dieter Storl, der einiges dazu zu sagen weiß.

Das Glück ist wie Ostern:

Hinter jedem Busch könnte eine kleine Fee herausfliegen, hinter jedem Baum ein lustiger Kobold hocken, hinter dem nächsten Hügel liegt ein Geschenk und über jeder weißen Wolke fliegt ein Glücksdrachen. Vielleicht müssen wir einfach nur neugierig bleiben.

Hör nicht auf zu suchen.

Alles Liebe aus der Anderwelt.

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Rumpelstilzchen – Wer hat die Macht?

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Wer hat nicht so ein Rumpelstilzchen in seinem Leben?

Jemand, der immer nur haben will und nur gibt, wenn er dafür einen unangemessen hohen Gewinn macht. Einer, der alles kontrollieren und bestimmen will, wieviel er wem und mit welchem Nutzen geben will. (Nichts gegen talentierte Führungspersönlichkeiten. Ich brauche das auch hin und wider, dass mir jemand sagt, wo es lang geht.)
So ein bißchen erinnert mich das an Moliere’s Geizigen, der allerdings am Ende nicht sich selbst zerreißt, aber mit seinem Gold allein bleibt.

Eigentlich ist so jemandem nicht zu trauen. Und genau das strahlt diese Person dann auch aus. Er vertraut niemandem.

Aber, wenn uns eine solche Person begegnet, ist sie dann nicht nur ein Spiegel für uns selbst?

Das Gesetz der Anziehung funktioniert hunderprozentig. Was wehtut, löst der andere nur aus. Es ist unser Schmerz. Der andere fühlt ihn nicht.

Oft wissen diese Menschen nicht, wie sehr sie anderen Menschen damit weh tun.
Müssen sie auch nicht. Der Schmerz ist nur ein Achtungszeichen, dass hier etwas in uns selbst aufgeräumt werden möchte.

Und schon tauchen die Fragen auf: Was will ICH nicht geben? Wo erwarte ICH zu viel?

Letztlich ist Rumpelstilzchen eine Geschichte über Selbstbestimmung. Wieder einmal. Die Tochter des Müllers wird zur Königin, in dem sie sich von den Erwartungen ihres Vaters, des Königs und auch Rumpelstilzchens löst. Wie Entwicklungsstufen sind diese Figuren.

Zuerst gibt sie, was sie geben kann. Die Folgen der Angeberei ihres Vaters trägt sie klaglos. Auch gegen die Todesdrohung des Königs kann sie nicht rebellieren. Rumpelstilzchen gibt sie ihren kostbaren Schmuck, ein bedeutsames Erbe ihrer Ahninnen. Es ist nichts mehr übrig. Eine uralte Einweihungsgeschichte ist das, erinnert mich an Inanna, die sumerische Göttin, und ihren Gang in die Unterwelt und Orpheus, der alles geben muß. Und, weil er nicht loslassen kann, alles verliert.

Doch die Müllerstochter geht hindurch und wird mit jedem Schritt mehr die Königin, die sie in sich trägt.

„Mach doch“, scheint sie dem Zauberwesen zu sagen. „Du kannst hier herumspringen und mich unter Druck setzen, wie Du willst, ich gebe Dir mein Liebstes nicht.“ Sie tut etwas sehr Interessantes. Sie holt sich Hilfe und vertraut auf ihren Erfolg. Sicher hat sie in all der Zeit Tausend Ängste ausgestanden, Wechselbäder von Hoffnung und Verzweiflung.

Das Märchen erzählt, wie so oft in den alten Weisheitsgeschichten, dass das Schicksal, das Göttliche, der Zu-Fall (denn alles fällt uns zu) ihr zur Seite steht. Ein Wunder, und ich möchte mir vorstellen, dass sie fest daran geglaubt hat. Der Name, das alles entscheidende Element, wird gefunden.

Auch das ein ungeheuer spannendes Thema: Wenn wir etwas benennen können, haben wir Macht darüber.
Macht ist nicht per se negativ. Es kommt darauf, wie wir sie nutzen.

Stroh zu Gold

Sehr spannend auch das Motiv der Verwandlung vom Stroh zu Gold durch das Spinnen. Spinnen steht für Kommunikation. Viele Jahrhunderte trafen sich Frauen in Spinnstuben und besprachen die neuesten Begebenheiten, tauschten sich über ihren Kummer und ihre Freude aus, erzählten Geschichten, lehrten die jüngeren Frauen. Dort fand ein Verwandlungsprozess statt. Aus dem Stroh im Kopf wurde Gold, das immer für göttliche Eingebung und Macht steht.

Es hat eine gewisse Komik, dass ausgerechnet ein Kontroll-Freak der jungen Frau dazu verhilft, ihr Gold zu finden. Naja, es ist ja auch ein Zauberwesen. Vielleicht sind all diese Menschen, die uns nicht atmen lassen, eigentlich nur Zauberwesen. Wäre doch schön, wenn dieser Zauber auf sie selbst zurückfällt und sie erkennen, wieviel Liebe in ihrem Leben schon da ist, wie sehr sie geliebt werden, einfach so, ohne etwas dafür tun zu müssen.

Aber das ist eine andere Geschichte.

Wenn so ein Rumpelstilzchen auftaucht, kannst Du Dich fragen, wie Du selbst Dein Stroh zu Gold spinnen kannst.

Ich hab drei Tipps für Dich (ja, ich liebe die Drei, sie hat was Märchenhaftes):

1. Lass Dich nicht auf einen Machtkampf ein, zieh Dich zurück, auch wenn es schwerfällt.
2. Schau in Dein Herz, was für eine Seelenbotschaft hinter allem stecken könnte.
3. Entscheide Dich für das Vertrauen darauf, dass sich zur rechten Zeit ein Sonnenstrahl zeigt, der Dir den Weg weist. Wenn Du ihn siehst, GEH LOS!

Wenn Du das Gefühl hast, Du möchtest dabei Begleitung, dann schreib mir einfach. Ich freue mich auf Deine Nachricht.

Herzliche Grüße aus der Anderwelt.

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Zeigt her, Euer Gold! – Schneeweißchen und Rosenrot

styggkaerret-848532_960_720Schneeweißchen und Rosenrot ist eher ein Kunstmärchen, als traditionell überliefert und gut gefüllt mit den moralischen Träumen der Gründerzeit. Es kam erst in der 3. Auflage zur Sammlung der Brüder Grimm. In meiner zweibändigen Ausgabe von 1905 findet es sich gar nicht. Ich las, dass dieses Märchen von Jakob Grimm mehrfach überarbeitet wurde, sicher ein Grund, warum es so ausgeprägt um die Eigenschaften „lieb“ und „fromm“ geht.

Wolf-Dieter Storl räumt in seinem Buch „Die alte Göttin und ihre Pflanzen“ die Grimm’schen Putz ab und entdeckt eine Weisheitsgeschichte um die Naturzyklen und die alte Göttin wieder. Schneeweißchen steht hier für die Jungfrau (die Farbe Weiß steht für die erste Phase), Rosenrot für die Mutter und Frau (Rot für die zweite Phase) und die Mutter der Beiden für die Alte (Schwarz für die dritte Phase der Göttin). Assoziiert mit den Welten, die den schamanisch Reisenden bekannt sind: Weiß für die Oberwelt der Götter und Himmlischen, Rot für mittlere Welt des Hier und Jetzt, Schwarz für die Unterwelt des Unbekannten, Unbewußten und Alten.

Das ist nur eine von vielen Deutungsmöglichkeiten, z.B. tiefenpsychologisch von Eugen Drewermann.
Für mich geht es heute um Vertrauen.
Immer wieder weist das Märchen darauf hin. Da ist die Mutter, die ohne Angst ihre Kinder allein im Wald spielen läßt. Die Mädchen übernachten im Wald ohne Angst, weil sie einen Schutzengel haben, der sie bewacht. Sie fürchten sich nicht vor dem Bären, der an ihre Tür klopft, um sich aufzuwärmen und schließlich ihr Winterdauergast wird. Und von dem hysterischen Zwerg lassen sie sich schon gar nicht beirren.

Der Zwerg ist mißtrauisch bis zur Boshaftigkeit. Geizig und gierig ist es ihm nicht möglich, die Geschenke der Hilfsbereitschaft und Freundlichkeit anzunehmen.

Der Bär scheint zunächst ungefährlich und gemütlich zu sein. Doch auch er hat etwas zu verbergen, wenn auch nicht ganz freiwillig, denn wir wissen ja, er ist ein verzauberter Königssohn. Als er sich an der Türklinke ein Stück Pelz aufreißt, schimmert sein Gold hervor.

Diese beiden Figuren stehen sich gegenüber. Der Täter und das Opfer. Denn am Ende des Märchen heißt es, dass der Zwerg den Königssohn in einen Bären verwandelt habe, weil er dessen Schätze haben wollte.

In alten Kulturen war es eine wichtige Erfahrung, sich in ein Tier zu verwandeln. Tiere waren Geschwister der Sippe und schenkten wertvolle Einsichten in eine andere Form von Leben. Die Menschen verbanden sich mit schamanischen Mitteln mit den Geschöpfen der Erde, denn sie hatten noch ein Bewußtsein der Verbundenheit mit allem.

Vielleicht stehen sich eher die Gruppe Schneeweißchen/Rosenrot/Mutter als die Eigenschaften der Hingabe, der Fürsorge, des Vertrauens und Zwerg/Bär als Eigenschaften des hektischen Sammelns und Hortens, der Angst, des Opfergefühls gegenüber. Die Frauen repräsentieren die Eigenschaften der Göttin, Ihr Angebot an uns, sich in ihre liebevollen Hände fallen zu lassen, um vom alläglichen Jagen und Sammeln nicht aufgesogen zu werden.

Und schon haben wir wieder ein Weisheit, die wir für unser heutiges Leben gebrauchen können. Der Zwerg und der Bär können hier durchaus alltägliche Gefühle repräsentieren, die den meisten von uns nicht unbekannt sein dürften. Der allgegenwärtige Druck kann leicht dazu führen, sich wie ewig angespanntes, hysterisches Zwerglein zu fühlen oder wie ein verzauberter Bär, der sich mit einem dicken Fell schützt, unerreichbar für die Verletzungen der Welt, aber eben auch für echte Nähe und Gemeinschaft.

Das Märchen erzählt, wie alle guten Geschichten, von Erlösung. Wer meiner Deutung folgen mag,findet sie im Vertrauen darauf, dass es Schutzengel, Hilfsbereitschaft, Güte, Geduld, Freundlichkeit und Ehrlichkeit tatsächlich gibt. Erlösung bedeutet nicht: Ein für alle Mal. Märchen werden da oft fälschlicherweise gedeutet als Aussagen für die Ewigkeit. Als alte Weisheit sagen sie aber, dass, wann immer Du in eine solche Situation kommst, Dich als Bär oder Zwerg zu fühlen, Du auch immer auf die Schneeweißchen/Rosenrot/Mutter-Fraktion zurgreifen kannst. Du musst Dich nur daran erinnern. Ein anderes Verständnis von Ewigkeit.

Wenn Du möchtest, begleite ich Dich gern dabei, dieses Verständnis zu finden. Denn jeder Tag ist neu und Du kannst Dich jeden Tag neu erschaffen.
Ich freue mich auf Deine Nachricht. Hier kommst Du zum Kontaktformular.

Herzliche Grüße aus der Anderwelt.

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