Dieses wüste Durcheinandersein, lauter lose Fäden, die im nebligen Wind des Schicksals flattern. Lauter Anfänge, kein Fertigwerden, kein Vollständigsein, kein „So, jetzt ist es in der Bahn“. Wenn ein, zwei Aspekte des Lebens offen durch die Luft flattern, das ist Lebendigkeit und Freude des Entdeckens. Aber so vieles? So sehr schmerzt diese Unpassenheit, diese Fehlstellung, dieses verkrümmte Sein. In diese Schablone nicht zu passen und durch die Doktrin eines Konzerns hineingequetscht zu werden, ist wie das Laufen in viel zu engen Schuhen. Oder in den Eisenpantoffeln der Märchengeschichten. Die Seele hat Blasen und Schürfwunden, ist aufgescheuert und schmerzt. Und das Weh ist, nichts zu finden oder von nichts gefunden zu werden.

Diese elende Ratlosigkeit. Nebel, Nebel, Nebel. Nichts zu sehen, nur ein flüsternder Lichtschimmer: „Es ist nicht deine Schuld, daß du nicht hineinpaßt. Die Schablone ist einfach zu klein.“ Der künstliche Druck, der durch die bewußt eng gehaltene Schablone erzeugt wird, soll zu mehr Leistung anstacheln, soll alles herausquetschen an kreativer Lebenskraft. Nicht für sich selbst soll sie da sein, sondern für eine ferne Hierarchie.

Immer, immer, immer nur im Kreis herum, damit das Nötigste laufen kann. Ist es Ungeduld? Aber wie kann man nicht ungeduldig sein, wenn da so vieles fehlt und die Erschöpfung kaum noch Raum läßt? Das Ende aller Ideen, denn keine Idee brachte Erleichterung, nur die Angst, daran zu zubrechen.

Und die Vögel zwitschern, singen ewig und immer gleich. Die Schönheit ihres Gesangs ändert sich nicht. Sie erzählen, dass es eine andere Wirklichkeit gibt, eine ewige Wahrheit, die vollkommen unberührt von menschlichen Verwirbelungen ist.

Im tiefsten Keller der Seele wird aufgeräumt. Uralte Gefühle von Versagen und Unfähigkeit, von Hilflosigkeit und Verlassenheit, von vollkommener, total überfordernder Verlassenheit.

Mitgefühl ist die Lösung, nicht die Sucht nach neuen Lösungen. Mitgefühl.

Doch diese inneren Vorgänge, die die Energien verändern, brauchen ihre Zeit, ihre Heilung. Und die ganz konkrete Sichtbarkeit im Außen, das Kommen in die Materie, braucht Zeit. Und diese Zeit auszuhalten, nicht zu verzweifeln, kurzfristige Lösungen, sofortige Erleichterungen zu finden, ist die ganz große Herausforderung. Überbrückungen. Es ist doch zuerst die eigene Klarheit erforderlich, bevor der Fluß der eigenen Gaben auch anderen zur Verfügung stehen kann. Diese ständig von außen geforderte Verschiebung ist nicht göttlich, sie ist ausbeuterisch.

Die Queste ist, in dieses mörderische Dickicht der wehen Gefühle zu gehen, sich zerkratzen und zerstechen zu lassen, bis zur Mitte vorzudringen und den goldenen Kessel zu finden, der dort versteckt ist. Daraus zu schöpfen und die dornigen Wucherranken zu begießen mit dem Wasser des Lebens. Es ist pure Liebe, reines Mitgefühl, kristallklare Schöpfungskraft. Und die Ranken senken sich, die Dornen verschwinden, die düstere Unwirtlichkeit wird zu sanft wogendem, saftigem Grün. Hier wird alles empfangen, hier kann alles entstehen. Noch ist der Schmerz des Vergangenen spürbar, noch schimmern die Elendsranken in der Luft. Aber es duftet nach frischem Gras und Frühsommerwind.

Ein neues Bild ist entstanden.

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