Geschichtenheilkunst - Verbunden mit den Erdmüttern --- Märchenerzählerin, Märchentherapeutin, Entspannungspädagogin

Monat: November 2020

Noch mehr?

Noch eine Verordnung, noch eine Beschränkung, noch eine Hürde, noch eine Bürde …

Man hat das Gefühl, es ist einfach nicht genug. Obwohl wir seit Monaten Masken tragen sollen, steigen die Zahlen. Obwohl wir seit Monaten nicht verreisen sollen, nicht gemeinsam essen und ausgehen sollen, verschärfen sich die Maßnahmen.

Wann ist es denn nun eigentlich genug? Das bleibt offen. Es ist wie ein nicht gehaltenes Versprechen.

Wie im Märchen der Brüder Grimm: „Die beiden Königskinder“ – hier könnt ihr es nachlesen – wird immer mehr und mehr verlangt.

Man hat das Gefühl, sich schon anzustrengen, gutwillig mitzumachen, Gesetze und Regeln zu respektieren, was gefordert wird zu erfüllen, Einschränkungen hinzunehmen – aber es ist einfach nicht genug.

So funktioniert übrigens auch emotionaler Missbrauch. Wie der Esel, der rennt, weil ihm der Reiter ein Bündel Möhren vor die Schnauze hält.

Doch das Schöne an Märchen ist, dass sie uns die Hoffnung lehren. Was also sagt das alte Märchen von den beiden Königskindern? Der Königssohn bekommt Hilfe. So muss es sein im Märchen.

Und ist das auch so im alltäglichen Leben?

Da möchte einer doch ein tiefer Seufzer gehen. Es ist nicht leicht, in diesen Zeiten den Blick zu weiten, um die märchenhafte Hilfe zu finden. Oft gelingt das, in dem wir über unsere wahren Gefühle reden, sie mitteilen, ehrlich und mit offenem Herzen. Mit vertrauten Menschen. Mit Menschen, denen wir vertrauen.

Manchmal reicht das aber nicht. Dann ist es Zeit, in der Stille ehrlich und offenen Herzens zu lauschen, was die Seele gerade braucht.

Im Märchen ist es ein langer Weg, bis sich der Königssohn und die Königstochter endlich finden. Die letzte Herausforderung ist das Erwachen und Erkennen des jungen Mannes, also der männlichen Energie. In der Symbolwelt steht der Königssohn für kraftvollen Aufbruch, für die Bereitschaft, den Weg zum Thron anzutreten und allen Gefahren zu trotzen, sie zu meistern und dadurch zum König zu werden.

In den Königskindern ist die letzte Herausforderung, sich von der Betäubung zu lösen, den Schlaftrunk zu verweigern und endlich der Stimme des Herzens zu folgen.

Vielleicht ist das ja auch für uns heute genau die Antwort, nach der wir suchen.

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Sich helfen lassen

So, jetzt haben wir den Salat. Wieder einschränkende Maßnahmen, wieder erzwungene Veränderung.

Zwang und Druck von außen ist eine der unangenehmsten Erfahrungen des Menschseins. Unser natürlicher Zustand ist Freiheit und freiwillige Verbundenheit. Wie herausfordernd die Herstellung dieser notwendigen Balance zur Zeit ist, erfahren wir gerade alle hautnah. Und dann ist da noch diese Ungewißheit, wie lange das dauern soll.

Alles in allem eine äußerst belastende Erfahrung, die von jeder und jedem unterschiedlich gemeistert wird.

Jede Krise hat auch Chancen. Ich weiß, dass dieser Satz auch wütend machen kann. Ich will weder relativieren noch beschönigen. Nur ist auch folgende Erkenntnis ein extrem nützlicher Stein auf dem Weg der Heilung: Alles, was wir von uns weisen, abspalten, bekämpfen, unterdrücken, verurteilen macht uns krank.

Ist es das wert?

Ok, was brauchen wir, um Unerträgliches zu integrieren?

Hilfe.

Wir können sehr viel allein erkennen, verwandeln und heilen. Aber nicht alles. Wir sind Gemeinschaftswesen. Und zwar nicht nur untereinander, sondern auch in der natürlich Gemeinschaft mit der Sphäre des Nicht-sichtbaren. Nenn es Engel, Götter, Ahnen, Geister … Ganz gleich.

Im Märchen: „Die Wichtelmänner“ tauchen sie auf, diese dienstbaren Geister. Sie brauchen Unsichtbarkeit, um wirken zu können. Wir müssen nicht immer wissen, woher Hilfe kommt.

Wir dürfen einfach darauf vertrauen.

Hier findest du das Märchen: https://www.grimmstories.com/de/grimm_maerchen/die_wichtelmaenner

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Würde

Vor kurzem war ich in Berlin und musste an der Frankfurter Allee umsteigen. Unter der S-Bahn-Brücke über die Frankfurter Allee liegen in Schlafsäcken Obdachlose. Es sind junge Leute, aneinander gekuschelt, mit abwesendem Blick. Tausende Menschen laufen täglich an ihnen vorbei, denn hier kreuzen sich U- und S-Bahn, zwei große Einkaufscentren dürfen natürlich nicht fehlen. Die Frankfurter Alle ist eine der stärksten Verkehrsschlagadern Berlins.

Die vorbeilaufenden Menschen sehen kaum hin. Es ist unangenehm. Es stinkt. Die apathischen jungen Leute demonstrieren auf ihre Weise das Scheitern gesellschaftlicher Strukturen.

Würde bedeutet, das Gegenüber als Subjekt wahrzunehmen, nicht als Objekt der eigenen Bedürfniserfüllung. So drückt es Prof. Gerald Hüther aus. Aus der von ihm initiierten Akademie für Potentialentfaltung kommt der Impuls für den Verein Würdekompass e.V.

Weil wir wieder lernen müssen, was Würde überhaupt ist und wie man eigentlich würdevoll miteinander umgeht.

Wenn Würde selbstverständlich wäre, würden diese jungen Leute vielleicht einen anderen, selbstbestimmteren Handlungsspielraum haben, ihr Leben zu gestalten. Unter einer Brücke zu landen und vor den Augen unzähliger Menschen dahinzuvegitieren ist ein Ausdruck für die Würde- und Respektlosigkeit unseres Miteinanders. Diese Menschen, die vielleicht hochgradig intelligent und kreativ sind, befinden sich im Zustand der Selbstverachtung – weil sie selbst verachtet worden sind.

Würde hat nichts mit dem Alter zu tun. Auch unseren Alten gegenüber mangelt es an Würde. Verachtung, Spott, Forderungen sind der Grundtenor in der Kommunikation mit der älteren Generation. Wir haben für ein würdevolles Miteinander keine Vorbilder mehr.

Und jetzt in Corona-Zeiten geht oft das bißchen Würde vollends verloren. Würdelos werden Menschen zum Objekt fremder Interessen gemacht. Die beiden Grundbedürfnisse des Menschen, Freiheit und Verbundenheit, können kaum noch erfüllt werden. Prof. Hüther sagt, dass das Gefühl, diesen Grundbedürfnissen nicht nachgehen zu können, in den gleichen Hirnarealen befeuert wird, wie das Schmerzerleben. Es tut uns weh, wenn wir uns nicht verbunden und frei fühlen dürfen.

Auch wenn dieses Thema recht modern erscheint: es ist ein älteres Problem. Die Frage danach, was ich bereit bin zu ertragen für die Gemeinschaft, für die Freiheit und Verbundenheit meiner selbst und der anderen, was ich bereit bin zu geben im Zusammenleben mit anderen Menschen, war stets wesentlich.

Wer bin ich, dass ich meine eigenen Bedürfnisse über die des anderen stellen darf? Wer bin ich, meine eigenen Bedürfnisse zugunsten anderer zu vernachlässigen? Es ist ein ständiges Wechselspiel, das Achtsamkeit erfordert, aber auch das Wissen darum, dass wir Fehler machen müssen, um überhaupt zu lernen und uns weiterzuentwickeln.

In der Geschichte der Brüder Grimm: „Der Großvater und Enkel“ wird auf drastische Weise der würdevolle, oder besser gesagt der würdelose Umgang miteinander thematisiert. Da ist nichts mehr von Zauber und Märchen. Es ist einfach eine Geschichte, die erschrecken und erinnern soll an das uralte Prinzip: „Tue anderen nichts an, was du selbst nicht erfahren willst.“

Hier kannst du die Geschichte nachlesen: https://www.grimmstories.com/de/grimm_maerchen/der_alte_grossvater_und_sein_enkel

Der vom Tisch verbannte Großvater wird derart würdelos behandelt, dass es schon wehtut. Die Eltern merken die Selbstgerechtigkeit ihres Handelns nicht, bis ihr eigenes Kind es ihnen auf seine Weise heftig spiegelt. Erst dann verstehen sie, was sie dem Großvater eigentlich angetan haben.

Brauchen wir solche drastischen Geschichten wirklich noch? Haben wir nicht längst gelernt durch so viel Leid in all den Generationen? Wo sind die Geschichten, die uns helfen, wahrhaftig zu erkennen was jetzt dran ist? Auf Netflix ganz sicher nicht. Schauen wir in alte Geschichten, finden wir diese Weisheit. Aber nicht in allen. Auch hier ist Achtsamkeit gefordert, womit wir unsere Seele füttern.

Zu lernen, in Würde mit der Krise umzugehen kann ein guter Weg sein, uns nicht so leicht in die Angst, Wut und Sorge hineinzufressen. Würde zu fokussieren, kann die Chance sein, eine tiefgreifende gesellschaftliche Gesundung zu bewirken.

Würde sollte nicht nur ein Konjunktiv sein.

Ich möchte mich in diesem Feld weiterbewegen und initiiere als Mitglied im Würdekompass e.V. eine Themengruppe: „Würde und Kunst. Der Weg der Herzenskunst“. Hier soll Raum sein, über die Aufgabe von Kunst, ein Bewusstsein von Würde zu schaffen, zu diskutieren, fantasieren, meditieren und natürlich auch auszuprobieren. Offen für alle Menschen auf dem Weg der Herzenskunst. Bei Interesse sehr gerne Austausch über kontakt@katipfau.de .

Buchempfehlung zum Weiterlesen: Gerald Hüther: Würde – Was uns stark macht als Einzelne und als Gesellschaft. ISBN 978-3813507836

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Lachen hilft!

Ja, diese Zeiten sind schlimm. Und anstrengend. Das waren sie auch schon vor Corona.

Angst, Unsicherheit, Einsamkeit, Aussichtslosigkeit, Zweifel – all das war da. Und wo es war, wurde es nun noch stärker.

Wir neigen dazu in Krisen das Schlimme noch schlimmer zu machen.

Und weil viele von uns unter keinen Umständen zugeben können, dass sie sich überwältigt und hilflos fühlen, konzentriert sich alles auf das sichtbare Handeln – anderer und sich selbst. Da wird immer noch mehr Anerkennung von Außen gebraucht, um die innere Verunsicherung zu verdecken. Es fühlt sich innen so matschig und wacklig an, dass das unter gar keinen Umständen nach außen gezeigt werden darf.

So geht es vielen und ist verständlich.

Es ist die tief gelernte Angst davor, verletzt zu werden, wenn wir uns schwach und überwältigt fühlen.

Nein, diese Verhaltensweise gibt es nicht erst seit Corona. Sie ist uralt. Sie ist die Wurzel für jegliche Moralapostelei, für Standesdünkel, Rassismus, Ausgrenzung, Vorurteile. Man sagt sich selbst, dass man zu den Guten und Richtigen gehört und das gibt Sicherheit.

Doch letztlich ist diese scheinbare Sicherheit nur oberflächlich.

Ein Ego-Spielchen, denn das Ego möchte immer, dass wir sicher sind. Nur speist es seine „Ratschläge“ aus längst vergangenen Erfahrungen und ignoriert die enorme Lernfähigkeit der menschlichen Psyche.

Das Dumme ist nur: Wir merken es nicht!

Da läuft was unbewusst ab, alte Muster, gelernt in der Zeit unserer Kindheit, in der Erfahrungen nicht mit dem Verstand verarbeitet, sondern nur gefühlt werden konnten.

Eine sehr heilsame Methode für diesen Ego-Blähbeutel ist Humor.

Das wussten auch schon die alten Geschichtenerzähler. Und so gibt es viele wunderbare Geschichten, die auch heute noch daran erinnern, uns nicht allzu ernst zu nehmen.

Da fällt mir bei den Brüdern Grimm als erstes „Vom klugen Gretel“ ein, eine Geschichte von der ganz alltäglichen Art, sich selbst den Kopf zu retten. Die Köchin Gretel trinkt gern ein Gläschen Wein aus dem Keller ihres Dienstherren. Und sie isst dabei die gebratenen Hühnchen auf, die eigentlich für den Gast ihres Brötchengebers gedacht waren. Dumm gelaufen! Aber gewitzt, wie sie ist, findet sie gewandt und blitzschnell die Lösung für ihr Dilemma. Dabei nutzt sie die Aufgeblasenheit ihres Dienstherren und die Dummheit des Gastes. Hier könnt ihr die Geschichte nachlesen: https://www.grimmstories.com/de/grimm_maerchen/das_kluge_grethel

In allen Kulturen gibt es solche Geschichten.

Wir nennen sie gern „Eulenspiegeleien“ nach dem wohl berühmtesten Schelm im deutschsprachigen Raum, Till Eulenspiegel. In alten keltischen Geschichten kommen solche Motive sehr häufig vor, aber auch in Erzählungen der amerikanischen Ureinwohner, in japanischen und indischen, russischen und chinesischen, arabischen und australischen und natürlich auch aus den vielen Völkern Afrikas.

Denn es ist ein zutiefst menschliches Bedürfnis, allzu eifrige „Aufbläser“, unter denen wir oft zu leiden haben durch den scheinbar übermächtigen Druck, den sie auf uns ausüben, ein wenig aus der tönernen Wichtigkeit nehmen, die sie um sich verbreiten.

Und am besten, wir greifen uns dabei selbst gleich mal an die eigene Nase.

Herzlichst, Madana Kati

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