Geschichtenheilkunst - Verbunden mit den Erdmüttern --- Märchenerzählerin, Märchentherapeutin, Entspannungspädagogin

Autor: Kati Pfau Seite 2 von 7

Depression und Mutlosigkeit: dein Lieblingsmärchen kann dir helfen

Wohin man schaut, nur Kummer, Leid, Zorn und Verzweiflung?

Dann frage ich dich: Wohin schaust du?

Alles tut weh, ist mühsam und anstrengend?

Dann frage ich dich: Wofür bist du dankbar?

Es wäre ja schön, wenn alles wie im Märchen wäre?

Ich sage dir: Dein Leben IST ein Märchen. Lass es uns gemeinsam finden. Laden wir sie wieder ein in dein Leben, diese Märchenwelt.

Alles, was das Gehirn erfährt, wird vom Gehirn als real gewertet. Ob es im Außen oder in der Fantasy, inneren Welt, in Tagträumen erlebt wird, spielt keine Rolle. Wir sind die Schöpfer unserer Realität, denn wir bestimmen, was wir fantasieren, träumen, wünschen. Dein Lieblingsmärchen, ob noch aus der Kindheit oder eines, dass dir neuerdings begegnet und dich berührt, zeigt dir den Weg. Wenn du es lässt.

Ich begleite dich auf dieser Reise zu deiner ganz eigenen Kraftquelle, zu deinem Inneren Kind. Du entdeckst deine Lebensfreude, die Schönheit deines Seins und den Weg deiner Seele. Lass dich überraschen.

Märchen sind uralte Weisheitsgeschichten, Wissen vom gelingenden Leben, weitergetragen von Generation zu Generation. Der Ursprung ist das göttliche, weibliche Bewußtsein unserer Mutter Erde. Wir alle, ob Männer oder Frauen, sind von einer Mutter geboren. Das vereint uns. Und deshalb ist Mutter Erde die Quelle für uns alle. Sie umarmt und liebt jedes ihrer Kinder, und wenn sie noch so zerstörerisch sind. Wir leben auf einem Planeten der Entscheidungsfreiheit und Konsequenz. In Liebe läßt die Große Göttin uns unser Spiel des Lernens, des Versuch-und-Irrtum-Tanzes. Auf diesem Weg begegnen uns immer wieder Herausforderungen.

In diesen heutigen Zeiten haben wir oft das Gefühl, erdrückt zu werden von all den Anforderungen, Erwartungen, Zwängen, Nachrichten … Jeder will irgendetwas und das in möglichster Höchstform. Immer noch mehr, immer noch weiter, immer noch länger, immer noch größer.

Aus all den wunderbaren Informationen, die uns heute zugänglich sind, wissen wir: Dieser Weg ist zerstörerisch und lebensfeindlich. Jetzt ist die Zeit, die eigene innere Wahrheit zu finden und zu leben. Noch nie gab es so unendlich viel Hilfe dafür. Wahrheit muss ans Licht. Das fängt bei jeder und jedem selbst an. In die ganz persönliche Wahrheit.

Vielleicht ist deine Wahrheit zur Zeit, dass du müde, kraftlos und unendlich traurig bist. Ja, dann ist es JETZT so. Umarme deine Gefühle. Sie gehören zu dir.

Und dann schau dich um, vielleicht ganz vorsichtig. Schau, was dich ruft, was Freude in dir auslöst – auch wenn es nur eine ganz kleine, zarte Freude ist. Lass dein Inneres Kind sprechen, frag es, was es sich wünscht.

Ich wünsche dir, dass du dich Schritt für Schritt, Tag für Tag, mit all deinem JETZT in den Arm nehmen – annehmen – kannst. Meine Großmutter sagte oft: „Ganz egal, wie der Himmel aussieht, einmal am Tag kann man die Sonne sehen.“

Ruf mich an oder schreib mir, wenn du meine Begleitung mit deinem Lieblingsmärchen möchtest. Ich freue mich auf dich. Kontakt

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Alte Sagen neu erzählt

Nun ist es endlich soweit.

Ich habe mir sechs alte Berliner Sagen geschnappt und sie neu erzählt.

Warum? Weil ich fest davon überzeugt bin, dass alles Alte neu erzählt werden kann. In der Quantenphysik ist bekannt, dass alles, was wir heute ändern, Auswirkungen auf die Zukunft UND die Vergangenheit hat.

Ja, das gilt auch dafür, was wir von den Ursprüngen eines Ortes erzählen. Wenn ich die narrativen Wurzeln der Hauptstadt neu erzähle, dann auch in der Hoffnung, dem Leser einen neuen Blick auf Berlin zu eröffnen. Dort ist so vieles möglich und darf so vieles heilen.

Und, ja, ich gebe zu, es ist auch eine Heilung für mich ganz persönlich. Ich bin in Berlin aufgewachsen. Als ich 7 war, zogen wir in die DDR-Hauptstadt. Und erst als ich 27 war, zog ich von dort weg, ca. 50 km südlich. Eine Kindheit, auch wenn sie mit vielen unglücklichen Erlebnissen verbunden ist, prägt immer das gesamte Leben. Ich habe mich als Kind sehr unwohl in Berlin gefühlt, war immer glücklich, wenn ich nach Eisenach zu meiner Großmutter konnte, die Mitte der 80er dann aber auch nach Berlin zog.

Dennoch gab es schöne Ereignisse, besondere Erinnerungen und Erlebnisse, die eben nur in der Hauptstadt möglich waren. Und an diese knüpfte ich an, als ich mich nach etlichen Jahren wieder mit dieser, nun sehr veränderten, Stadt anfreundete.

Es ist ein Stück meines gelebten Lebens. Nun habe ich es in das verwandelt, was ich schon immer am besten konnte: Geschichten erzählen.

Ich freue mich sehr und fühle mich zutiefst geehrt, dass sie als Buch den Weg zu all denen finden, die dafür offen sind.

Buchbestellungen mit Signierung, Anfragen und Buchung für Lesungen bitte hier.

www.erzaehlverlag.de

Meine Facebookseite: Nebel überm Müggelsee

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Es war einmal – die Poesie der Märchen

Dieser Artikel von mir erschien in der Zeitschrift SEIN am 28.11.2018:

Es war einmal – Die Poesie der Märchen

Ganz besonders in der Zeit ab November öffnet sich ein uraltes geheimes Tor in unseren Herzen. Im postmodernen Zeitalter, in dem uns mehr und mehr bewusst wird, wie schmerzlich wir uns von so vielem abgespalten haben, strecken wir noch zaghaft, aber sehnsuchtsvoll unsere Fühler nach anderen Wirklichkeiten aus. Und nichts anderes sind Märchen seit alters her. In Geschichten und Märchen machen wir Weltenreisen, Zeitsprünge, tauschen die Rollen und verwandeln uns unentwegt mit Leichtigkeit. Wir verlassen unsere alltägliche Jetzt-Ebene. Nicht umsonst verwenden verschiedene psychotherapeutische und spirituelle Praktiken das erzählerische Element. Im Kopf werden Bilder erzeugt, um die Beteiligten auf eine andere Bewusstseinsebene zu führen. Die uralte Technik der Geschichtenerzähler.

Wer sich auf Märchen einlässt, betritt die älteste Bibliothek der Menschheit. Seit Urzeiten werden Geschichten erzählt, und es zeigt sich, dass von dorther ein uraltes Wissen weitergegeben wird: das Wissen vom gelingenden Leben. Auch wenn sich Kulturen und Werte über die vielen tausend Jahre geändert haben, scheinen sich doch einige Weisheiten über die Zeit zu Sternen am Nachthimmel verdichtet zu haben.

Märchenhaft vielfältig

Märchen sind herrlich vielfältig interpretierbar. Sie geben Raum für verschiedene Verstehensweisen und tagesabhängige Stimmungen. So kann „Aschenputtel“ in jungen Jahren zu Träumen von Kleidern aus Gold und Silber inspirieren, in mittleren Jahren kann es an die Geringschätzung und Missachtung anderer für die eigene Arbeit erinnern und im Alter an die unerschütterlich gerechten Gesetze des Lebens gemahnen. Tausende von Jahren menschlicher Entwicklung haben Schicht um Schicht neue Kulturen und andere Werte hervorgebracht.

Doch bei aller Veränderlichkeit bleiben ein paar Eckpunkte: Geburt, Erwachsenwerden, sich und den oder die andere finden, Geben und Nehmen, den eigenen Weg finden, Wissen weitergeben, Tod. Dies sind die Bedingungen, mit denen wir uns mit unserer Entscheidung zur Inkarnation als Mensch einverstanden erklärt haben. Aber wie halten wir das aus? Wie gehen wir unseren Weg? Was brauchen wir, damit unsere jetzige Inkarnation gelingt? Und da ist die Spiritualität im Märchen zu finden, denn genau darauf gibt es hier Antworten. Die Märchen erzählen von Mut, Aufrichtigkeit, Durchhaltevermögen, Treue, Klugheit, ja auch Schläue, Vertrauen, Arglosigkeit. Viele sagen dazu: „Ja, das sind ja nur Märchen.“ Vielleicht tun wir das viel zu schnell ab. Viele Menschen nutzen lieber Fantasy (die Märchen der Erwachsenen) und märchenhafte Bilder aus überdimensionierten Hollywood-Filmen zur Flucht aus dem Hier und Jetzt. Auch das kann durchaus guttun. Wäre es aber nicht auch eine sinnvolle Entlastung für die Seele, den alten, verzauberten Märchenpfaden zu folgen?

Der lebenspraktische Wert

Manchmal sehe ich das kaum unterdrückte, abschätzige Lächeln, wenn ich erzähle, dass ich eine Märchenfee bin. „Ach so, für Kinder“, wird das ganz schnell abgetan. Inzwischen lächle ich zurück. Aber über diese Reaktion. Denn ich habe oft sehr konkret in meinem Leben erfahren, wie hilfreich die Weisheit aus den alten Geschichten ist. „Schneewittchen“ half mir, meine Mutter zu verstehen.

„Allerleirauh“ zeigte mir den Ausweg aus dem Dunstkreis eines viel zu dominanten Vaters. „Das Mädchen ohne Hände“ brachte mir ein tiefes Verständnis meines künstlerischen Weges, „Sterntaler“ lehrte mich die Weisheit des Gebens. Und „Der Meisterdieb“ brachte mir augenzwinkernd bei, dass keine irdische Macht Anspruch auf die Alleinseligmachung hat. Und das sind nur die Grimm’schen Märchen. Auf der ganzen Erde gibt es zauberschöne und tiefweise Märchen und Geschichten. Dort finden wir uns alle wieder, ganz gleich, wer wir sind. Es lohnt sich, ein Märchen nicht einfach runterzulesen, sondern sich ihm mit meditativer Absicht zu nähern. Wenn wir unser Herz öffnen, werden wir beschenkt mit uraltem Wissen aus der Tiefe der Zeit, das oft die Kraft der Heilung in sich trägt.

„Erhabener König“, spricht die Amme Südlimene in der Rahmenhandlung der Märchensammlung „Märchen für Tausendundeinen Tag“, „lasst mich meine Kunst versuchen, die Prinzessin fröhlich zu stimmen.“ Der König fragte: „Worin besteht denn deine Kunst?“ Die Amme erwiderte: „Ich kann Märchen erzählen. Viele schöne und interessante Geschichten von Zauberern, Feen, guten und bösen Geistern, von Armut und Reichtum, von Liebe und Hass und von vielen anderen Dingen.“ „Wie viele Märchen kennst du denn?“, wollte der König wissen. „So viele, dass es genau für tausendundeinen Tag reicht“, erklärte die Amme. „Und meinst du, dass du mit deinen Märchen meine Tochter wieder gesund machen wirst?“, fragte ungläubig der König.

Die Amme erwiderte: „Du musst wissen, Märchen vertreiben die Langeweile, die Unlust und die Verzagtheit, sie besänftigen die Ruhelosen, ermuntern die Kraftlosen und außerdem sind tausendundein Tag eine lange Zeit. Unterdessen kann die Prinzessin ihren Kummer vergessen oder, wer kann es wissen, ein wunderbar lächelnder Jüngling eine Botschaft senden…“

Der Spielmann

Es war einmal vor langer Zeit ein Spielmann, der zog mit seiner Geige von Ort zu Ort und erfreute die Menschen auf den Plätzen und Straßen mit seiner Musik. In seinem Hut landeten genug Münzen, dass er nicht hungern und frieren musste. Doch einmal war eine fürchterliche Dürre und Teuerung gewesen, so dass die Leute selbst kaum genug zu essen hatten. Sie hörten zwar immer noch gern dem Spielmann zu, hatten aber keine Münzen mehr für ihn übrig. Im Winter, es war gerade Heiligabend, da zog er auf der Straße dahin, fror und hungerte entsetzlich und wusste nicht ein noch aus. Es dämmerte schon und der Spielmann betete, er möge wenigsten ein trockenes Dach für die Nacht finden. Da sah er am Waldrand ein einsames Haus, groß und schön, und aus allen Fenstern leuchtete es warm. Voller Freude lief er dorthin, um ein Nachtlager zu erbitten.

Da öffnete sich die Tür von ganz allein und er hörte liebliche Frauenstimmen sagen: „Tritt nur ein, Spielmann, wir haben dich schon erwartet.“ Der Spielmann trat ein und Wärme und Licht umfing ihn. Es duftete herrlich nach Lebkuchen, Zimt und Braten. In einer großen Stube standen drei Frauen um eine reichlich gedeckte Tafel, wie sie der Spielmann sein Lebtag nicht gesehen hatte. Da gab es alles, was das Herz nur begehrte: Schinken und gebratene Hähnchen, feinen Käse und frische Äpfel, Kuchen, Gebäck und Wein. Kerzen leuchteten an den Wänden und auf dem festlichen Tisch. Die drei Frauen aber, hochgewachsen und wunderschön, sahen alle gleich aus. Freundlich luden sie ihn ein, Platz zu nehmen. Sie speisten zusammen, lachten und erzählten sich Geschichten. Als der Spielmann satt war, begann eine der Frauen, mit hoher, klarer Stimme zu singen.

Bald stimmten die beiden anderen Frauen mit ein und es war ein so süßer, himmlischer Gesang, dass das Herz des Spielmanns vor lauter Seligkeit zu strahlen begann. Da griff er nach seiner Geige und begleitete die herrlichen Stimmen. Eine wundersame Macht ergriff ihn und er spielte so schön wie noch nie. Seltsam anmutige Melodien glitten von seinen Saiten und lichtvoll durchflutete ihn seine eigene verzauberte Musik. Am nächsten Morgen erwachte er in einem weichen, großen Bett. Die drei Frauen waren nicht zu finden, aber auf dem großen Tisch in der Stube war ein reichliches Frühstück für ihn gedeckt. Der Spielmann setzte sich und aß. Dann nahm er seine Geige, bedankte sich laut und ging seiner Wege. Das Weihnachtswunder Nach einer Weile kam er zu einer kleinen Stadt. Der Torwächter begrüßte ihn und fragte, wohin er wolle.

Der Spielmann zeigte auf seine Geige und meinte, er wolle den Menschen ein wenig Musik machen. „Nun ja, es ist Weihnachtsmorgen“, antwortete der Wächter. „Da wird wohl keiner auf der Straße stehen und dir zuhören. Eben sind alle zur Weihnachtsmesse in der Kirche. Aber versuch nur dein Glück.“ Der Spielmann dankte und begab sich zum Marktplatz. In diesem Moment traten die Leute aus der Kirche. Es juckte den Spielmann seltsam in den Fingern. Auch wenn er wusste, dass es sich nicht gehörte, konnte er einfach nicht anders, holte seine Geige heraus und begann zu spielen. Doch was war das? Aus seiner Geige kam nicht die Musik, die er sonst gespielt hatte. Nein, es waren die zauberhaft schönen Klänge der Nacht. Er brauchte nur die Augen zu schließen und seine Finger fließen zu lassen. Es war, als würde es von ganz allein geschehen. Und sein Herz jauchzte und strahlte, dass es ihm die Tränen in die Augen trieb vor lauter Glück. Als die Musik verklang, bemerkte er, dass die Leute nicht nach Hause gegangen, sondern alle bei ihm stehen geblieben waren.

Mit offenen Mündern und staunenden Blicken sahen sie ihn an. Dann griffen sie in ihre Geldbörsen und warfen Münzen in seinen Hut, dass es nur so rasselte. Und der Bürgermeister lud den Spielmann zum Weihnachtsessen zu sich ein. Beim Herrn Bürgermeister ließ es sich der Spielmann gut schmecken. Dann aber wollte er wieder seines Weges ziehen. „Ich danke Euch, Herr Bürgermeister“, sprach der Spielmann. „Doch eine Frage hätte ich noch.“ „Was ist es denn?“, fragte der Bürgermeister. „Sagt mir doch bitte, wem gehört das große schöne Haus dort am Waldrand, keine drei Meilen vor der Stadt?“

Der Bürgermeister kratzte sich nachdenklich am Kinn. „Drei Meilen vor der Stadt? Da steht kein Haus. Da gibt es nur eine verfallene Scheune“, antwortete er. Und weil der Spielmann klug war, schwieg er dazu. Doch die Neugier trieb ihn noch einmal zurück. Und siehe da, tatsächlich standen dort am Waldrand nur die Reste einer uralten Scheune. Da kniete der Spielmann nieder und dankte aus ganzem Herzen für dieses Weihnachts – wunder der drei Feen. Der Spielmann zog weiter. Die himmlische Musik aber blieb bei ihm sein Leben lang und seine Mütze blieb nie leer. Und so lebte er glücklich und zufrieden bis an sein Ende.

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Die graue Königin

Die Sonne reckt sich langsam über frühneblige Felder.

Eine Wanderin auf einem Stock gestützt geht dem Sonnenaufgang entgegen. Der alte Lumpen, der ihren Kopf bedeckt, fällt lang bis zu den Knien und bedeckt ihre Schultern. Darunter spielt ein grauer Rock um ihre sehnigen Beine. Die Füße stecken in Sandalen. Graue, zerschlissene Ärmel umhüllen schlanke Arme. Diese Frau scheint kaum mehr zu haben als das, was sie am Leibe trägt. Doch an ihren Handgelenken klirren Reihen von silbernen Armreifen, manche schmal und zierlich, andere breit und prächtig verziert mit leuchtend bunten Steinen. Es scheint fast, als wären es echte Edelsteine, so wie sie im frühen Sonnenlicht glitzern. Bei jedem Schritt, bei jeder Bewegung klingen und singen die Silberreifen.

In der kühle Morgenluft dieses Spätsommertages singen muntere Vögel ihre letzten Liebeslieder, das Klingen der Silberreifen begleitet sie. Dieser Klang, fröhlich und leicht, ist wie die Wanderin. Mit jedem Schritt fällt Schwere und Traurigkeit von ihr ab. Sie fühlt die Freiheit der Ferne, die Schritt um Schritt wächst. Sie geht fort. Fort von Kummer, Verlust und Verrat. Und auch wenn ihre Lumpen armselig sind, unter dem grauen Gewand ist sie eine Königin.

Die Straße knirscht unter den Sohlen. Feuchte Morgenluft beißt in die nackten Zehen, doch die graue Königin lächelt. Es ist der Biß der Freiheit und Weite. Und so weitet sich alles, bis ihr Panzer, ihr Schmerz von ihrer Seele bröckelt wie trockener Lehm von einer Hauswand.

Diese neue Straße, von römischen Soldaten erbaut, ist wenigstens etwas Gutes, was die Erorberer gebracht haben. Der Fuß tritt sicher auf, unbeirrbaren Schrittes, denn die Frau kennt ihren Weg. Immer nach Nordosten, an das Meer. Es ist die letzte Hürde, die sie noch von einem neuen Leben trennt. Auch das wird sie überwinden, wie alle Schwierigkeiten vorher. Sie wird ein Schiff finden, das sie zur Bernsteinküste bringt, weit über das graue Meer. Und auch dort wird sie die Höhlen der Mutter finden, die Eingeweihten der Göttin, die Schwestern im Geiste, so wie überall auf der Welt.

In ihrer alten Heimat ist alles zerstört, dort braucht sie nicht bleiben. Mögen andere, jüngere Frauen die Ehre der Göttin hochhalten, ihr Leben riskieren, sich ihren Platz in dieser neuen, römischen Welt erobern, sicher unter dem Deckmantel einer treuen, stummen, dummen und lebenslangen Gemahlin dieser römischen Blinden. Sie brachten nicht nur unsäglich erbarmungslose Vernichtungswut, sondern auch erschreckend wirkungsvolle Neuordnung. Sie drehten alles, was einst natürlich und heilig war, vollkommen um.

Die graue Königin hat in ihrem Brunnen der Zukunft gesehen, welche tiefen Veränderungen die Römische Ordnung in den kommenden Zeiten bringen würde. Vieles war gut, noch mehr war furchtbar. Das Schlimmste aber waren ihre Überzeugungen und Werte, ihr anderes Denken über Mensch und Natur, Gott und Göttin. Die alte Mutter war nichts mehr in ihren Augen. Die Frauen würden dafür sorgen müssen, dass die große Göttin nicht in Vergessenheit geriet.

Die graue Königin hielt einen Moment inne, schloß die Augen und folgte dem Klang ihrer inneren Stimme. Nein, die Göttin selbst ist das Leben, sie wird niemals untergehen. So wie Frauen niemals aufhören werden, zu gebären. Jeder würde seinen Platz finden. Zwischen dem Glauben der gewalttätigen Herrschergötter erschien sie, die frische Junge, die fürsorgliche Mutter, die weise Alte in den neuen Göttinnen. Und wer sehen konnte, der erkannte auch.

Dies war ein großes neues Spiel, die meisten Menschen würden es unwissentlich mitspielen. Mit Blut und Schmerz und Verlust, aber auch mit Gewinn, Lust und Befriedigung. Denn das Leben selbst will tanzen in allen Farben und allen Klängen, auch wenn es ein Tanz auf Totenköpfen ist.

So geht denn die graue Königin, sie weiß, wann ihr eigenes Spiel endet, wann es begonnen hat und wie der nächste Spielzug ist. Sie ist eine der alten Weisen, sie blickt mit anderen Augen auf die Welt. Sie verdammt die Männer nicht, so wie viele ihre Schwestern es tun. Männer sind gut und wertvoll und wichtig. Sie sind genauso erschaffen wie die Frauen, von der Großen Göttin mit Liebe und Fürsorge und vollster Absicht. Nur gibt es jetzt eine andere Ordnung. Sie folgt den Spielregeln der Macht. In dieser Ordnung, die sehr lange anhalten wird, werden sich alle Arten von Macht in alle Richtungen zeigen. So wird für eine lange Zeit die Menschheit auf der ganzen Erde erfahren, was es bedeutet, hemmungslos Macht auszuspielen und welchen Preis jede und jeder dafür zahlen muß.

Dieses Spiel begann schon vor so langem, nun breitet es sich aus. Es gibt kein Entrinnen. Den Weg in diesem großen Spiel muß jeder selbst finden.

Die graue Königin hat sich entschieden, in diesem Leben diesem Spiel zu entgehen. Ein letztes Mal. Sie will es nicht spielen, schon hat sie zu viel verloren und alles hat doch erst begonnen. Ihr Sohn ist römischer Offizier geworden. Ihre Töchter ließen sich nach dem neuen römischen Recht heiraten und begriffen nicht, dass sie ihre Eigenständigkeit damit aufgaben. Enttäuschung schüttelt die alte Frau. Haben sie denn gar nichts von mir gelernt? Oder wollen sie erst recht alles anders machen als ich? Sie hat ihren Töchtern Zeichen hinterlassen. Vielleicht, eines Tages, werden sie ihr folgen. Oder die Enkelinnen.

Alles wird anders. Die graue Königin aber will ausruhen, will nur Frieden. Noch nicht alles, noch nicht den ganzen Schmerz, betet sie. Oh, große Göttin, laß das erst in anderen Leben kommen. Ich bin noch nicht bereit.

Die Erinnung an den Geruch von Feuer und Rauch stieg in der alten Frau auf. Ihr Tempel, ihr heiliger Hain, brannte ab. Ihre geweihten Orte wurde geschändet. Die Druiden konnten nicht helfen, vielzählig wurden sie erschlagen. Auf Iona floß genug Blut, um die Köpfe der einfachen Menschen durchzuspülen. Auch im alten Land, das die Römer nun Gallien nennen, traf diese Nachricht tief in die Herzen der Menschen. Mit der wilden Angst vor der völligen Vernichtung schauen sie nun auf die römischen Götter. Obwohl die Römer geschickt die Götter der Eroberten in ihren eigenen Tempeldienst aufnehmen, ist doch eines vollkommen klar: die Überlegenen sind die Besseren.

Die Druiden strotzten nur so vor Wissen über die Natur und die Menschen und platzten fast vor Selbstgerechtigkeit, hüteten eifersüchtig ihren Schatz, als würde er nur ihnen allein gehören. Auch sie hatten nur widerwillig anerkennen müssen, dass alles Wissen nichts nützt, betrachtet man es ohne das pulsierenden, wilde, unberechenbare Leben, ohne die Große Göttin. Und so ließen sie sich ein auf die Hüterinnen der uralten Wege, nannten sie Priesterinnen und gaben sich Mühe, den Schein zu wahren. Manche von ihnen begriffen tatsächlich, doch teilen wollten sie ihr Wissen nie mit den Frauen.

Die graue Königin lachte dunkel. Als wenn das nötig gewesen wäre. Wer den tiefen Strom der Göttin berührt, der muß kein Wissen anhäufen. Sicher kann das Wissen von Struktur und Logik ungeheuer hilfreich sein. Alles zu ordnen, zu klassifizieren, zu sortieren, das verschafft ganz neue Einblicke in die Gesetze der Schöpfung. Leider aber vermittelt es auch die Illusion der Kontrolle. Und dieses maßten sich die Druiden mehr und mehr an. Dabei lockten sie die Schackale. Denn gesammeltes Wissen ist auch abrufbar. Man kann es weitergeben, doch niemand kann auf ewig kontrollieren, wie dieses Wissen verwendet wird. Eine Technik ist eine Technik, erst die Absicht macht daraus eine lebensfördernde oder zerstörerische Tat.

Aber auch das gehört zum großen neuen Spiel, das diese Menschheit nun spielen möchte. Zwar verloren die Druiden auf ganzer Linie, doch ihr Geist wird bestehen bleiben, fließend und sich erneuernd zwischen allen geschriebenen Seiten, die sie oder andere hinterlassen. Und der Wunsch, Kontrolle über die Gesetze des Lebens, ja, über das Leben selbst zu erlangen, vollkommene Kontrolle. Dies wird der Antrieb des neuen Spieles sein..

Die Frau zieht sich behutsam den alten Lumpen von Kopf und hält mit einer stolzen Geste ihren silbrig leuchtenden Haarschopf in der wärmenden Sonne. Sie atmet tief. Ihr Lächeln wird breiter. Ein tiefer Seufzer entringt sich ihrer Brust. Sie hört die Möwen schreien. Das Meer steigt glitzernd über den Horizont. Der kiesige Römerweg führt direkt zu einem gut befestigten Hafen mit einer wachsenden Anzahl von Häusern. Viele Menschen sind schon auf den Beinen und eilen geschäftig hin und her. Viele Schiffe schaukeln an den Stegen. Die Frau greift in eine Tasche ihres Rockes und läßt ein paar schwere Münzen klimpern. Sie hat alles, was sie braucht. Entschlossen umgreift sie ihren langen Wanderstab. Der salzige Duft umweht ihre Stirn.

Es gibt kein Ende. Immer nur ein Weiter Ein neues Kapitel beginnt.

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Elendsranken

Dieses wüste Durcheinandersein, lauter lose Fäden, die im nebligen Wind des Schicksals flattern. Lauter Anfänge, kein Fertigwerden, kein Vollständigsein, kein „So, jetzt ist es in der Bahn“. Wenn ein, zwei Aspekte des Lebens offen durch die Luft flattern, das ist Lebendigkeit und Freude des Entdeckens. Aber so vieles? So sehr schmerzt diese Unpassenheit, diese Fehlstellung, dieses verkrümmte Sein. In diese Schablone nicht zu passen und durch die Doktrin eines Konzerns hineingequetscht zu werden, ist wie das Laufen in viel zu engen Schuhen. Oder in den Eisenpantoffeln der Märchengeschichten. Die Seele hat Blasen und Schürfwunden, ist aufgescheuert und schmerzt. Und das Weh ist, nichts zu finden oder von nichts gefunden zu werden.

Diese elende Ratlosigkeit. Nebel, Nebel, Nebel. Nichts zu sehen, nur ein flüsternder Lichtschimmer: „Es ist nicht deine Schuld, daß du nicht hineinpaßt. Die Schablone ist einfach zu klein.“ Der künstliche Druck, der durch die bewußt eng gehaltene Schablone erzeugt wird, soll zu mehr Leistung anstacheln, soll alles herausquetschen an kreativer Lebenskraft. Nicht für sich selbst soll sie da sein, sondern für eine ferne Hierarchie.

Immer, immer, immer nur im Kreis herum, damit das Nötigste laufen kann. Ist es Ungeduld? Aber wie kann man nicht ungeduldig sein, wenn da so vieles fehlt und die Erschöpfung kaum noch Raum läßt? Das Ende aller Ideen, denn keine Idee brachte Erleichterung, nur die Angst, daran zu zubrechen.

Und die Vögel zwitschern, singen ewig und immer gleich. Die Schönheit ihres Gesangs ändert sich nicht. Sie erzählen, dass es eine andere Wirklichkeit gibt, eine ewige Wahrheit, die vollkommen unberührt von menschlichen Verwirbelungen ist.

Im tiefsten Keller der Seele wird aufgeräumt. Uralte Gefühle von Versagen und Unfähigkeit, von Hilflosigkeit und Verlassenheit, von vollkommener, total überfordernder Verlassenheit.

Mitgefühl ist die Lösung, nicht die Sucht nach neuen Lösungen. Mitgefühl.

Doch diese inneren Vorgänge, die die Energien verändern, brauchen ihre Zeit, ihre Heilung. Und die ganz konkrete Sichtbarkeit im Außen, das Kommen in die Materie, braucht Zeit. Und diese Zeit auszuhalten, nicht zu verzweifeln, kurzfristige Lösungen, sofortige Erleichterungen zu finden, ist die ganz große Herausforderung. Überbrückungen. Es ist doch zuerst die eigene Klarheit erforderlich, bevor der Fluß der eigenen Gaben auch anderen zur Verfügung stehen kann. Diese ständig von außen geforderte Verschiebung ist nicht göttlich, sie ist ausbeuterisch.

Die Queste ist, in dieses mörderische Dickicht der wehen Gefühle zu gehen, sich zerkratzen und zerstechen zu lassen, bis zur Mitte vorzudringen und den goldenen Kessel zu finden, der dort versteckt ist. Daraus zu schöpfen und die dornigen Wucherranken zu begießen mit dem Wasser des Lebens. Es ist pure Liebe, reines Mitgefühl, kristallklare Schöpfungskraft. Und die Ranken senken sich, die Dornen verschwinden, die düstere Unwirtlichkeit wird zu sanft wogendem, saftigem Grün. Hier wird alles empfangen, hier kann alles entstehen. Noch ist der Schmerz des Vergangenen spürbar, noch schimmern die Elendsranken in der Luft. Aber es duftet nach frischem Gras und Frühsommerwind.

Ein neues Bild ist entstanden.

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Das Schneemädchen heißt Snegorutschka und kommt aus einem sehr alten russischen Märchen. Es erzählt von Liebe und Verlust. Väterchen und Mütterchen wünschen sich so sehr ein Kind. Aus lauter Freude am Schnee bauen sie sich ein Mädchen statt eines Schneemannes. Und hauchen ihm mit ihrer großen Liebe Leben ein. Das Mädchen ist alles, was sie sich je wünschten. Sie ist liebevoll, klug, bescheiden, hilfsbereit – eben einfach eine Freude.

Doch das Frühjahr kommt und sie geht mit ihren Gespielinnen aus dem Dorf in den Wald. Dort springen sie über ein Feuer – und: zisch! Snegorutschka ist verschwunden. Nur noch ihr leises Klagen ist im Wald zu hören.

Diese Geschichte ist ein guter Begleiter in allen Loslass- und Sterbeprozessen. Denn so ist es nunmal mit allem Irdischen: Werden und Vergehen. Und trotzdem bleibt etwas vom Schneemädchen. Nicht nur die Erinnerung, sondern auch die Erfahrung zu lieben und geliebt zu werden. Ihr leises Klagen, das die Mutter noch im Wald hört, kündet davon. Es war nicht alles umsonst, nur weil das Mädchen wieder gegangen ist. Die Eltern durften lieben und geliebt werden.

Und geht es nicht immer und immer wieder nur darum: Der Augenblick des Erlebens ist das, was uns verändert, berührt, Spuren hinterläßt.

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Es sind doch bloß Märchen

Neulich schrieb ich einem Herren, den ich fälschlicherweise für kompetent gehalten hatte. Ich suchte nach einer kulturellen Hintergrundinformation für mein nächstes Theaterjugendprojekt. Obwohl nicht darum gebeten, teilte er mir seine Meinung zu meiner Arbeit mit: „Sicher trägst du Märchen ganz gut vor, aber nützen wird das niemandem. Es sind doch bloß Märchen.“

Das ist, als würde ich eiskalte Suppe vorgesetzt bekommen. Was soll ich damit anfangen? Ich bat um eine Gabe für meinen Kessel auf dem Feuer der Inspiration. In den Kessel hinein kommen Ideen, Informationen, Bilder, viel Liebe, Spiellust, gelerntes Wissen und gelebte Erfahrung. Dann kocht es gut durch, bis es meine magische Suppe wird. Aus diesem Kessel schöpfe ich für das Projekt, nein, besser gesagt: für die Menschen, die daran beteiligt sind.

Ich verstehe, wenn mein wahlloses Einsammeln nicht leicht verständlich ist, daher hatte ich es dem Herrn so gut wie möglich erklärt, das Warum und Wieso. Doch der Herr blieb bei seiner Abwertung meiner Arbeit und es endete damit, dass ich keinen Kontakt mehr mit ihm möchte.

Denn genau das ist mein Thema seit meiner Kindheit. Ich weiß, dass diese kurze Kommunikation mit diesem Herrn ein Test des Lebens war. „Na, weißt du jetzt wer du bist? Kann er dich verunsichern, erschüttern auf deinem Weg, kann er dich an dir selbst zweifeln lassen?“

Das Leben ist nicht boshaft. Diese pure, strahlende, behütende und herausfordernde Lebenskraft ist für mich die alte Göttin, die weibliche, schöpferische Urkraft der Erde. Sie liebt auf eine Weise, die mich wachsen läßt. Immer neue Türen öffnen sich, immer klarer und heller wird mein inneres Schloß. Es ist ein Märchenschloß, na und?!

Heute Nacht hatte ich dann wieder die Begegnung mit meinem tiefsten Seelenschmerz, gespeichert in meinen Körperzellen. Meine ganz persönliche Hölle kommt immer nachts. Lange Zeit war es ein schwarzer Mann, den es in meiner Kindheit tatsächlich gab. Inzwischen ist er verschwunden – die Arbeit vieler Jahre. Doch der Schmerz der Verachtung, der Entwürdigung, der Entwertung hat mich zu lange begleitet. Ich bilde mir nicht ein, diesen alten Lehrmeister in diesem Leben noch vertreiben zu können. Er ist mein Begleiter in den stillen, dunklen Stunden der Nacht, zwischen Schlaf und Traum. Und er hat immer eine Botschaft. Heute Nacht durfte ich sie erkennen, vollkommen erschöpft, wie stets nach solch einer Höllennacht, doch dadurch auch offen für meine tiefste Seelenwahrheit.

Wie ich es seit einigen Jahren tue, verbinde ich mich in solchen Schreckensnächten mit dem, was weit über meine kleines Menschen-Ich hinausweist. Die Göttin der Tiefe, dem lichtvollen Strom der Höhe, den geduldigen und unbeugsamen Gesetzen der allumfassenden Liebe – durch solche Nächte verstand ich die Paradoxie der Märchen und uralten Weisheitsgeschichten.

Wenn Frau Holle durch einen Brunnen zu finden ist, in einem Land, in dem aus der Höhe der Schnee auf die Menschenwelt fällt. Wenn Rhiannon, die Feenkönigin, aus der Anderwelt kommt, aus Liebe zu einem König ihre Unsterblichkeit aufgibt, sich viele Jahre ungerechtfertigt demütigt ohne zu klagen, weil die Menschen nichts verstehen – und am Ende voller Stolz und ohne jeden Vorwurf wieder ihren Thron als Königin einnimmt. Wenn das Mädchen im Papierkleid mitten im Winter hinter dem Haus der drei kleinen Männchen im Walde Erdbeeren findet …

Ich verband mich also mitten im Grauen mit der Kraft, die mich hält. Nein, das ist nicht leicht, es ist anstrengend. Die Aufgabe ist, nicht aufzugeben. Die Prinzessin auf der Suche nach ihrem verwunschenen Liebsten muß in eisernen Pantoffeln so lange laufen, bis sie ihn findet. Sie geht zum Mond, zur Sonne, zu den Sternen. Und selbst, als sie ihn endlich findet, muß sie weiter und weiter kämpfen. Denn auf ihm liegt der böse Zauber einer Anderen, die ihn für sich will. Mit Klugheit, Geduld und den Geschenken der Himmelsmächte erlöst die Prinzessin den Prinzen.

In der Dämmerung stieß mein Geist plötzlich ein Tor auf und Licht überflutete meine Seele. Ich bitte immer um die Wahrheit, wenn ich etwas nicht verstehe. Und ich verstehe oft nicht, warum etwas in meinem Leben geschieht. Ich verstehe die Menschen oft nicht, warum sie sich verhalten, wie sie sich verhalten, und was das alles mit mir zu tun hat. Ich suche immer nach der Bedeutung.

Meine Töchter, meine eigenen Kinder und inzwischen junge Frauen am Anfang ihres Erwachsenenlebens, brauchen zur Zeit den Abstand. Sie holen sich was sie brauchen auf eine Weise, die mich zutiefst verletzt und erschüttert. Ihre Worte und Taten widersprechen meinen eigenen Werten, die ich mir hart erkämpft und verteidigt habe. Sie rütteln an meiner Selbstliebe.

Und ganz besonders Weihnachten ist für familiäre Schmerzen prädestiniert. Dass meine Söhne heute wieder für einen Monat zu ihrem Vater – und damit auch zu ihren Schwestern – gehen, war der Auslöser für meine nächtliche Traumreise zum Grund des bitteren Kelches.

Abwertung, Verachtung, Entwertung. Dass die Menschen, die ich am meisten liebe, sich dieser Mittel bedienen, kenne ich gut. Wie vertraut ist mir da Aschenputtel, der immer wieder auftauchende Dummling oder Wassilissa, die Weise. Dieses Motiv gibt es in so vielen europäischen Märchen. Am Ende gewinnen sie etwas, das sie nicht nur von allem erlöst, sondern sie weit über alles Vorherige erhebt.

Als sich in der Dämmerung das innere Tor öffnete, erkannte ich eine Wahrheit, die alles, alles erklärte: in mir ist ein Seelenkern, etwas vollkommen Unverletzbares, Unerschütterliches. Keine Demütigung, keine Ausgrenzung, keine Herabwürdigung kann diesem inneren Seelenkern, diesem Licht, diesem ewigen Sein auch nur das Geringste antun. All das ist real gefühlter Schmerz und möchte gesehen und respektiert werden. Aber es zerstört nicht das, was ich in Wirklichkeit bin. All diese Ereignisse, mein ganzer Weg hat nur diese eine Botschaft: nicht einmal das Schrecklichste, das du dir vorstellen kannst, hat die Macht, deine innere Wahrheit zu zerstören.

Ich nehme als Weise Wassilissa das Feuer der Baba Yaga und verbrenne alle Verachtung. Ich gehe unter das Bäumchen in Aschenputtels Garten, lasse mich mit dem Kleid aus Samt und Seide beschenken und zeige mich. Ich erzähle dem schlafenden Prinzen Geschichten, bis der Zauber gebrochen ist.

Es sind ja bloß Märchen.

Sei herzlich eingeladen in die Welt der Märchen.

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24. Dezember – HEILIGABEND: Aschenputtel – Wunder

„Aschenputtel, sollen wir dir helfen Linsen lesen?“ „Ja“, antwortete Aschenputtel: „Die schlechten ins Kröpfchen, die guten ins Töpfchen.“

Wunder: Es ist das allererste Wunder im Märchen. Die Tauben kommen herbei und helfen Aschenputtel, die viel zu große Aufgabe zu erfüllen. Das Aschenputtel-Motiv gibt es in vielen europäischen Versionen. Die Errettung aus einer unwürdigen, demütigenden Lage, aus der man sich selbst scheinbar nicht befreien kann. Dafür sind Märchen da: Glaube an das Wunder.

Nun ist es also soweit. Weihnachten ist da. Ich wünsche Dir eine Zeit voller kleiner und großer Wunder. Die Märchen zeigen Dir den Weg.

Das ganze Märchen findest Du hier: Aschenputtel

Die kleine Reise durch die Weisheit der Märchen endet hier. Vielen Dank, dass Du dabei warst.

Ich wünsche Dir eine wahrhaft märchenhafte Weihnachtszeit und ein zauberhaftes Neues Jahr. Bis zum nächsten Mal. Ich freue mich auf Dich.

Deine Märchenfee Pfauenfeder

 

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23. Dezember – Die Sterntaler – Loslassen

Da sammelte es sich die Taler hinein und war reich für sein Lebtag.

Loslassen: Alles, alles hat das Mädchen hergegeben. Es tut richtig weh, das mitzuverfolgen. Vollkommen schutzlos, ohne jede Sicherheit, bleibt nur noch ihr pures Leben zurück – bedroht von Kälte und Hunger. Und immer wieder berührt mich ihr tiefes Vertrauen, wenn sie noch ein Stück von sich hergibt. Es ist kein leichtes, fröhliches Hergeben, denn sie friert und hungert selbst. Für mich geht es in diesem Märchen nicht darum, die Selbstverleugnung zu feiern, sondern vielmehr um das unerschütterliche Wissen, dass auch für sie selbst gesorgt sein wird.

Ist es jetzt schon Zeit, loszulassen? Inmitten der Vorbereitungen, der abzuarbeitenden Zettel, der zu erwartenden Begegnungen? Ich finde: ja. Gerade jetzt. Vielleicht muß nicht alles so sein, wie wir uns es vorstellen. Vielleicht reicht auch, hinaufzuschauen zu den Sternen und an das kleine Mädchen aus dem Märchen zu denken. Es ist für alles gesorgt.

Hier geht es zum ganzen Märchen: Die Sterntaler

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22. Dezember – Die goldene Gans – Lachen

Der Dummling, als er das hörte, ging er mit seiner Gans und ihrem Anhang vor die Königstochter; wie diese den Aufzug sah, fing sie laut an zu lachen und wollte gar nicht wieder aufhören.

Lachen: Wie heilsam und schön dieses Bild ist! In der Mitte des Märchens darf endlich gelacht werden. Dieser Zug unfreiwillig Klebender, die aus reiner Gier in diese mißliche Lage gekommen sind, ist einfach komisch. Das Märchen ist an dieser Stelle noch nicht beendet, aber das Wichtigste ist getan: Das Eis ist gebrochen. Nun kann den Helden wirklich nichts mehr aufhalten.

Das Licht ist schon geboren, doch die traditionellen Feiertage stehen uns noch bevor. Vielleicht ist inmitten der Arbeit und der Vorbereitungen und der Aktivitäten und der Erwartungen – dir ein wenig das Lachen abhanden gekommen. Lachen entspannt und befreit. Auch in der besinnlichen Vorweihnachtszeit darf gelacht werden. Nicht umsonst war es von je her eine schamanische Tradition, durch albernes und paradoxes Verhalten die Menschen zum Lachen zu bringen. (Ah, da fällt mir eine herrlich verrückte Geschichte von Rübezahl ein: er springt unvermittelt auf den Tisch einer sehr ernsten Familie und tanzt dort wild herum, just zu Weihnachten, und bringt sie alle damit zum Lachen.) Daraus ist übrigens der Narr, Berater und Spaßmacher des Königs, entstanden. Aber das ist eine andere Geschichte …

Wer das ganze Märchen lesen möchte, folgt diesem Pfad: Die goldene Gans

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