6. Dezember – NIKOLAUS – Dornröschen – Mut

„Das soll mich nicht schrecken“, sprach der Königssohn. „Ich will durch die Hecke dringen und das schöne Dornröschen befreien.“

Mut: Obwohl er die Geschichte von der schlafenden Prinzessin kennt und weiß, dass er ein sehr hohes Risiko auf sich nimmt, wird er alles daran setzen, sein Ziel zu erreichen. Trotz der schrecklichen Tode seiner Vorgänger, die vielleicht auch für den Prinzen beängstigend waren, spürt er, dass er der Richtige ist. Nichts soll ihn aufhalten.

Auch in der Vorweihnachtszeit kann es manchmal Tage geben, die beängstigend sind. Vielleicht, weil so viel zu tun ist. Vielleicht, weil so viele Menschen so viele Erwartungen an uns haben und wir fürchten, sie nicht erfüllen zu können. Vielleicht, weil es uns wichtig ist, dass bestimmte Dinge in einer bestimmten Weise geschehen. Und wir fühlen uns vielleicht machtlos angesichts dieser Dornenhecke. Der Prinz lädt uns ein, mutig unseren Weg weiterzugehen. Frag Dein Herz, was es WIRKLICH möchte. Und dann tu es.

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5. Dezember – Das blaue Licht – Hilfe

Da sprach das Männchen: „Wenn du mich brauchst, so zünde deine Pfeife an dem blauen Licht an.“

Hilfe: In der höchsten Not, als der Soldat tief im Brunnen der Hexe gefangen ist, kommt ganz unerwartete Hilfe. Und wie im Märchen üblich, ist sie nicht von dieser Welt.

Geschenke suchen, finden, einpacken, vielleicht sogar verschicken – das sind nicht die einzigen zusätzlichen Aufgaben im Advent. Da soll es besonders schön sein, besondere Dinge sollen gegessen werden und besondere Treffen soll es geben. Es scheint, als wollte jeder Verein, jede Gruppe, jede Firma irgendetwas besonderes veranstalten. Andere wieder müssen es aushalten, allein zu sein und nicht zu diesen besonderen Treffen eingeladen zu werden. Der Advent scheint eine Zeit zu sein, in der Hilfe ganz besonders nötig ist. Schließ die Augen, atme tief ein und lade Dir die Hilfe in Dein Leben ein, die Du jetzt benötigst.

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4. Dezember – Der Froschkönig – Freude

Wie die Königstochter ihre Kugel wieder erblickte, lief sie geschwind darauf zu, hob sie auf und war so froh, sie wieder in ihrer Hand zu halten, daß sie an nichts weiter gedachte, sondern damit nach Hause eilte.

Freude: Es ist förmlich zu spüren, wie die Königstochter aufspringt, sprühend vor Freude. Sie ist vollkommen erfüllt von ihrem Glück. Allzugern möchten wir jetzt hinzufügen: „Aber sie ist ganz schön undankbar.“ Ja, das wissen wir, weil wir die Geschichte kennen. Vielleicht bleiben wir einen Augenblick ganz bei der Königstochter. In diesem Moment ist sie vollkommen sie selbst, sie hat alles, was sie braucht und sie ist voller Freude.

Der Advent stellt sich oft auch als eine sehr anstrengende Zeit heraus. So viele Dinge wollen getan werden. Wie gut, einen Augenblick innezuhalten, vielleicht mit der fröhlichen Königstochter vor Augen, und diese Freude genießen. Sie ist da. Ganz bestimmt. Schau Dich nur um.

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3. Dezember – Hänsel und Gretel – Fülle

„Da wollen wir uns niedersetzen und uns satt essen“, sagte Hänsel. „Ich will vom Dach essen, iß du vom Fenster, das ist fein süß für dich.“

Fülle: Alles ist da. Die ganze Herrlichkeit des Essens steht plötzlich mitten im Bild. Das Häuschen besteht aus allem, was Hänsel und Gretel jetzt ersehnen. Es spielt keine Rolle, wofür es da steht. In diesem einen Augenblick ist es die Fülle, die jedem zur Verfügung steht.

Besonders im Advent zeigt sich Fülle. Es duftet, schmeckt und klingt anders, als sonst. Genieße die Fülle. Sie ist da.

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2. Dezember – Rapunzel – Überraschung

Rapunzel erschrak nun anfangs, bald aber gefiel ihr der junge König so gut, dass sie mit ihm verabredete, er solle alle Tage kommen und hinaufgezogen werden.

Überraschung: Was für eine Überraschung! Sie ist lebensverändernd für Rapunzel. Sie weiß es nur noch nicht. Das ist der Moment, auf den es ankommt, nicht die Überlegung aus dem Verstand, nicht Skepsis und Zweifel. Rapunzel nimmt diese Überraschung an, läßt sich darauf ein und erfreut sich daran.

Der Advent atmet Vorfreude auf schöne Überraschungen, ob Du sie nun Deinen Lieben bereitest oder selbst welche erwartest. In dieser Zeit können wir dieses ganz besondere Glück fühlen. Öffne Dich, atme tief und laß Dich überraschen.

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1. Dezember – Die drei Federn – Zuversicht

Und damit sie wüßten, wo hinaus sie zögen, stellte er sich vor sein Schloß und blies drei Federn in die Luft, nach deren Flug sollten sie sich richten.

Zuversicht: Zuversichtlich ziehen die drei Brüder in die Welt, um die Aufgabe des Königs, ihres Vaters, zu erfüllen. Sie folgen einfach den Federn.

Zuversicht bedeutet zu vertrauen. Der Advent wird schön. Laß diese verzauberte Zeit auf Dich wirken. Alles wird gut.

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Seminar: Märchen – Urwissen der Göttin

Es war einmal …

So fangen fast alle Märchen an. Magische Worte, die uns signalisieren, dass wir jetzt ein anderes Land betreten und dort auf eine Reise gehen. Die Faszination der Märchen hat sich von Generation zu Generation erhalten. Warum? Was berührt uns so sehr, läßt uns weich und offen werden, wenn wir Märchen hören oder sehen (oder verschämt die aufwallenden Gefühle abwehren und abwerten)? Was ist es, was der Seele bis heute so gut tut in diesen alten Geschichten?

Dieses Seminar möchte dazu einladen, spielerisch diese Fragen zu ergründen und sich von den Antworten berühren zu lassen. Es möchte inspirieren, alte Symbole neu zu deuten und eigene Geschichten zu finden. Es möchte aber vor allem eines: Ein Fenster öffnen tief hinab in die uralten Wurzeln des Menschseins. Denn dort liegt das, was uns alle verbindet.

Im zauberhaften, gemütlichen Zilles Stubentheater in Berlin-Köpenick ist Raum und Zeit dafür. Wir werden mit Mitteln des Theaterspiels, des Erzählens und der Gemeinschaft an diesem Wochenende November eine Reise zum Urwissen der Göttin unternehmen.

Wann: 10. November 2018, 10.00 bis 18.00 Uhr und 11. November 2018, 10.00 bis 17.00 Uhr

Wo: Zilles Stubentheater, Jägerstr. 44, 12555 Berlin

Kosten: 277,00 Euro – im Preis inbegriffen sind 2x Mittagessen, Seminargetränke und Snacks, Kaffee und Kuchen – zahlbar bei Buchung.

Buchung ab sofort bis spätestens 26.10.2017. Stornierung bis 26.10.2017 möglich, danach 80 % Stornokosten.

Buchung unter:    kontakt@katipfau.de oder über das Kontaktformular

oder: Zilles Stubentheater, 030 – 6630 9318, mobil: 0160 – 95 68 47 23 – info@heinrich-zille-darsteller.de – www.heinrich-zille-darsteller.de

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Meine Vision – feme fatale-Interview mit Gwynnefer Sylvia Kinne

Das Interview mit Gwynnefer von Kraftvolle Weiblichkeit, in dem sie mich zu meiner Vision, zu Selbstliebe und den Stolpersteinen im Glück fragt. Es geht auch um die immer noch tabuisierte Frage des weiblichen Zyklus, ich habe mir da ganz offen ein Beispiel an Madonna genommen. Es wird Zeit, klar über Tatsachen zu sprechen, was übrigens immer auch ein Thema in Märchen ist. Dort wird nichts verschwiegen, alle Themen des Lebens kommen vor.

Ich wünsche Euch auf jeden Fall märchenhafte Inspiration!

Für den Adventskalender von Kraftvolle Weiblichkeit können drei Gewinnerinen bei mir je eine ganz persönliche Geschichte gewinnen, die ich für Euch schreibe. Wie das aussehen kann, findet Ihr auf Gwynnefer’s Seite: Gwynnefer’s Geschichte 

Die Geschichte entsteht nach einem persönlichen Gespräch mit den Gewinnerinnen und wird immer mit märchenhaften Elementen sein, sie wird den Lesern Eure Essenz übermitteln und den Zugang zu Eurer Persönlichkeit erleichtern.

Wie könnte Ihr gewinnen? Schreibt einen Kommentar zum Interview oder zu Eurem ganz persönlichen Märchen!

Auslosung erfolgt am 24.12.2016. Rechtsweg ist ausgeschlossen.

Märchenhafte Grüße! Eure Kati

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Spirituell mit Märchen und Mythen – Beitrag zur Blogparade: „Du und Deine Spiritualität“

Hier geht es zur Blogparade der Bergzauberin: http://bergzauberin.de/blogparade-spiritualitaet/

Kinderkram

Märchen werden oft als Kinderkram abgetan, als etwas, das absolut nichts mit dem realen Alltag zu tun hat. Und was soll diese Einschlafgeschichten schon mit Spiritualität verbinden?!

Alltagstauglich

Meine Spiritualität findet im Alltag statt, sie muß lebenstauglich sein. Nach jahrelangen Erfahrungen mit Kirchenchristentum ist mir religiöse und spirituelle Heuchelei und Oberflächlichkeit zuwider. Es ist eben nicht damit getan, zu beten, zu hoffen und zu glauben. Es müssen Entscheidungen getroffen, konkrete Handlungen getan und Strukturen akzeptiert werden. In esoterischen Kreisen ist da manchmal kaum ein Unterschied. Wie einfach und schnuckelig wäre es, einfach auf der Regenbogen-Wolke meditativ Erzengelspray um sich sprühend den Sonnengruß zu zelebrieren. Das macht alles ein angenehmes Gefühl und schenkt der Seele Erholung, keine Frage. Und auch ich bin nicht ganz frei davon, warum auch. Liebevoll gestaltete Kartendecks gehören ebenso zu meinem Inventar wie Räucherstäbchen, Aura Soma und Ätherische Öle.

Magie der Erde

Aber die Magie der Erde ist dreckig, blutig und schmerzhaft. Die Schönheit einer Blumenwiese, einer alten Eiche, eines Feldhasen, der aufmerksam am Wegrand sitzt, eines kreisenden Bussards – all das gehört natürlich auch dazu, aber es ist ungefährlich. Die tiefe Weisheit der Mutter Erde habe ich erst begriffen, als ich ihre ureigenste Magie akzeptierten konnte. Etwas, das ich von einer alten keltischen Göttin lernen durfte, Morrigan, der Schicksalsgöttin.

Die Gretchenfrage

Wie also ist meine Antwort auf die Gretchenfrage? Ich glaube, wir Menschen sind hier, um Himmel und Erde zu verbinden. Jede Frau hat bei der Geburt eines Kindes die Gelegenheit, das zu erfahren, diese unfaßbare Nähe von Irdischem und Göttlichem. Wir sind die Schöpfer und wenn wir nicht den Finger danach ausstrecken, wie es Michelangelo so weise in der Sixtinischen Kapelle verewigte, dann wird uns kein Leben eingehaucht.

Die Botschaften der Märchen

Märchen sind uralte Weisheitsgeschichten, uns bewahrt und überliefert durch viele Generationen von Geschichtenerzählern, Barden und Skalden. Wer Mut hat, läßt sie auf sich wirken.

Eine der wichtigsten Botschaften ist zum Beispiel, dass zu einem gelingenden Leben das Bewußtsein von Nehmen und Geben gehört. Das Wissen um das rechte Opfer. Oh, was für ein Wort! Und schon schrecken wir zurück. Opfer? Das ist doch was ganz Archaisches, Heidnisches. Na klar, es kommt ja auch aus der uralten Erfahrung einer Zeit, als der Mensch noch eingebunden war in die natürlichen Rhythmen der Erden. Später wurde das Opfer allein auf Jesus konzentriert und fertig. Jedem einzelnen Menschen wurde das Bewußtsein genommen, dass er selbst zu geben hat, bevor er bekommen kann. Bewußte Opfer haben eine enorme Kraft. Die Erfahrung des willentlichen Verzichtes ist eine der stärksten Antriebsfedern für persönliches Wachstum. Aber wer ist dazu schon noch bereit? Nur wenige Menschen verstehen die Tiefe und Weisheit einer solchen Erfahrung. Im Märchen „Die sieben Raben“ gibt die Schwester ihren kleinen Finger, um ein Tor aufzuschließen. Dies ist nötig, um ihre verzauberten Brüder zu befreien. Da schüttelt es eine doch! Ein sehr krasses Bild für ein Opfer.

Und damit sollte ich im modernen Zeitalter nichts anfangen können?!

Oh, doch. Das ständige Konsumieren, das uns als notwendig eingeredet wird, funktioniert nicht. Natur, Gesellschaft, Gemeinschaft, Werte – alles zerfällt. Irgendetwas ist vollkommen aus den Fugen geraten. Es muß und kann also anders funktionieren, erzählt dieses und viele andere Märchen. Vielleicht ein neues altes Bewußtsein von Nehmen und Geben??

Aschenputtel und die Schönheit

Echte, lebbare Spiritualität, mit der ich etwas anfangen, fand ich auch in „Aschenputtel“. Ein Mädchen auf der Suche nach ihrem Frausein. Die schönen Kleider, die für sie aus dem Baum auf dem Grab ihrer Mutter herausfallen, stehen genau für diesen Aspekt. Wenn die Welt in Ordnung sein soll, müssen wir Frauen uns schön fühlen. Ich sehe das immer wieder, wenn ich in der Boutique, für die ich hin und wider Modenschauen moderiere, die Kundinnen beobachte. Und mich selbst natürlich auch. Wie sagt die Geschäftsführerin so treffend: „Schöne Kleidung ist wie eine Droge. Es macht einfach glücklich.“

Aschenputtel erzählt uns Frauen, wie das geht. Nämlich nicht nur in eine Boutique zu gehen und Geld auszugeben. Sie erzählt davon, dass sich das Mädchen mit der Kraft ihrer Ahninnen verbindet und von dort alles bekommt, was sie braucht. Ja, wir brauchen die schönen Kleider, aber auch das Bewußtsein dafür, dass wir es uns wert sind. Und das kommt nur von dem Wissen um unsere weibliche Urkraft.

Von Göttern und Heldinnen

Aber Mythologien und alte Sagen haben es ebenso in sich, wie Märchen, die ja oft aus alten Mythen abgeleitet sind. Wenn Siegfried trotz Drachenblutbad zu Tode verwundet wird, können wir etwas über Kontrolle und Kontrollverlust lernen oder über falsches Vertrauen. Wenn die keltische Königin Rhiannon nach jahrelanger, schuldloser Demütigung ohne ein Wort der Klage wieder ihren Thron einnimmt, etwas über Tapferkeit. Und wenn Prometheus an den Fels gekettet jeden Tag durch den Adler des Zeus seine Leber verliert, weil er den Menschen das Feuer gebracht hatte, lernen wir etwas über Hoffnung. Und ganz nebenbei über die medizinische Tatsache, dass die Leber sich selbst regenerieren kann.

Für mich haben die Götter schon immer durch Geschichten, Märchen und Mythen gesprochen. Diese universellen Wahrheiten lehrten mich mehr über die Göttlichkeit auf Erden, als alle esoterischen Kurse, spirituellen Seminare und kirchlichen Predigten zusammen. Obwohl ich Jesus, den Geschichtenerzähler, immer noch mag. Er hatte den Trick verstanden, den unsere neue Religion, die Wissenschaft, erst beweisen mußte: Alles, was in irgendeiner Weise emotional verbunden ist, wird dauerhaft im Gehirn gespeichert. Am besten natürlich in Verbindung mit angenehmen Gefühlen. Wir lernen über Geschichten.

Spirituell im Alltag

Echte Spiritualität ist nicht anderes als Lernen, stets den Horizont erweitern und in das Göttliche hineinfühlen und -denken, immer tiefer und weiter hineingehen in das Geheimnis des Glücks auf Erden, den Rhythmus spüren von Erde und Himmel, die schrecklichsten und schönsten Gefühle durchreisen, um wieder in die dunkle Kühle der absoluten Leere zu gleiten. Es gibt viele Märchen, die genau davon erzählen. Durchschreite Berg und Tal, sei tapfer und mutig und lass los zum richtigen Zeitpunkt.

Ich muß oft still vor mich hinlächeln, wenn wieder einmal jemand meint, Märchenerzählen ist nur was für Kinder und nicht ernstzunehmen oder eine Flucht vor der Realität des Alltags.

Tja, wenn der wüßte …

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Was noch übrig ist von der keltischen Kultur. Teil 2 – Bils, der schlaue Dieb.

Für die meisten Menschen ist keltische Kultur in Schottland, Irland, eventuell noch Walesireland-845388_960_720 und Südengland verortet. Dabei sind das nur noch die Reste, wenn nicht sogar eher eine Marketing-Strategie der Tourismus-Branche.

Doch es gibt einen Unterschied zwischen den Inselkelten und der festlandkeltischen Kultur, und das nicht nur sprachlich.

Die Bretagne, aus der meine heutige Geschichte stammt, ist vielleicht die treueste Hüterin der alten festlandkeltischen Kultur. Ich habe gelesen, dass es in Frankreich ein Bewußtsein für diese europäischen Wurzeln gibt. Dort wird seit langer Zeit gezielt archäologisch nach keltischen Funden gesucht, sicher auch aus Identitätsgründen. Es heißt sogar, dass die besondere Eigenart der französischen Sprache vom direkten Einfluß der alten keltischen Sprache kommt.

In der Bretagne finden wir dann auch eine interessante Persönlichkeit, die noch die alte keltische Kunst des Wissenbewahrens kannte. Die Kelten waren nämlich sehr geschickt darin, ihre Werte für die Nachwelt zu erhalten. Die Lehrgeschichten, die Wissen mit emotionaler Wirkung verknüpften, sind in Märchen und Mythen eingeflossen. Ein Vorgehen, das heute als sehr effektiv von der Hirnforschung bestätigt wird. Gelerntes wird am besten gespeichert, wenn es eine emotionale Verknüpfung zum Inhalt gibt. (Jesus von Nazareth hatte mit dieser Strategie sehr großen Erfolg.)

Anne de Bretagne war die letzte Herzogin der freien Bretagne. Sie mußte zwei französische Könige heiraten und ihr Land wurde vom großen Reich geschluckt. Ihre Politik ist umstritten, doch ihr heute noch erhaltenes Stundenbuch ist faszinierend. Als Ausmalung um die christlichen Gebete herum finden sind Bilder von Tierkreiszeichen, aber auch Pflanzen und Insekten. Die Pflanzen haben Heilkraft und es sind jeweils der Nützling und der Schädling dazu gemalt. Jedes Bild hat eine tieferen, durchaus nicht biblische Bedeutung und paßt nur wenig zum Text.

Die Herzogin übermittelt auf geschickte, versteckte Art das uralte druidische Heilwissen. Sie ließ all das ganz bewußt in das Stundenbuch malen und hat damit dieses Wissen bewahrt.

Genau auf diese Art und Weise wurde gerade auf französischem Boden, dem alten, von den Römern früh eroberten Gallien, die keltische Kultur erhalten. Sie assimilierte sich, paßte sich an, ohne unterzugehen. Versteckt in Geschichten und Bildern und Mythologien erhielten sich Werte, die uns heute nur zugänglich sind, wenn wir uns auf dieses völlig andere Denken einlassen.

Für die alten Kelten war der Tod zum Beispiel keine Katastrophe, sondern nur der sunbeam-540589_960_720Übergang in die Anderwelt. Er hatte nichts beängstigendes, deswegen können die von den Römern so bedrohlich beschriebenen Menschenopfer gar nicht das grausame Ritual gewesen sein, als das sie auch heute noch gern gesehen werden. Der Tod war nicht schrecklich, warum hätten die Kelten dann Freude daran haben sollen, an ihren Gefangenen den Tod so barbarisch zu zelebrieren?

Ein andere Bewertung fand auch bei menschlichen Bindungen statt, das Zusammenleben von Mann und Frau hatte eine vollkommen anderen Bedeutung als bei den Römern. Das römische Denken war der Grundstein für die spätere christliche Kirche. Bei den naturverbundenen Kelten waren viele Lebensentwürfe möglich. Die rätselhafte Weisung der Götter war bindend, nicht das von Priestern verordnete Regelwerk.

Und so kann es auch eine Geschichte geben, in der ein Dieb die positive Hauptrolle spielt. Interessanterweise hat dieses Thema mit dem „Meisterdieb“ bei den Grimm’s Eingang gefunden. Bis heute sind die schlauen, smarten Gauner faszinierende Figuren. Sie stellen die Ordnung in Frage, in dem sie die Herrschenden, die Reichen, die Mächtigen zum Wanken bringen. Und das muß auch sein. Jede gesunde Ordnung muß es aushalten können, in Frage gestellt zu werden.

Es ist schlau, über Grenzen zu gehen und mit Regeln eher spielerisch umzugehen, wenn es darum geht, seine Werte zu erhalten und sein Leben zu schützen. Das können wir von den alten Kelten lernen. Das ist die ganz natürliche, lebenserhaltende Kreativität, die jedem Menschen innewohnt. Wenn ein System zerstörerisch ist, muß es andere Wege geben, das Leben zu erhalten.

Wasser umfließt den Felsen. Da die Kelten sehr gute Naturbeobachter waren, wußten sie das.

Und das ist etwas, das heute noch übrig ist von ihrer Kultur. Vielleicht ist es verunsichernd, da wir ja so gern etwas zum Festhalten wollen. Natürlich sind Regeln wichtig, Verläßlichkeit, Vertrauen, Sicherheit, all das ist notwendig. Aber Bils, der schlaue Dieb, möchte uns Mut machen, alles mal aus einer anderen Perspektive zu betrachten. Von einer gestohlenen Pastete wird der Schloßherr nicht arm. Und auch nicht von einem gestohlenen Pferd. Aber das stiehlt Bils nur, weil der Schloßherr es ihm geradezu auf die Nase bindet. Er hätte lieber über die gestohlene Pastete lachen sollen. So verlor er nicht nur sein Pferd.

Die alten Kelten waren gut darin, im Hier und Jetzt zu sein und die Entscheidungen zu treffen, die im Moment notwendig waren, unabhängig von Regeln und Gesetzen. Natürlich hatte das auch zur Folge, dass die Truppen des Vercingetorix gegen Cäsar verloren, denn hätten sich ein paar mehr Stämme dort auf dem Schlachtfeld zusammengefunden, hätten sie gewonnen. Jeder Stamm entschied für sich, was richtig und was falsch war. Sie taten das, was sie für lebenserhaltend hielten. Und lebten mit den Konsequenzen.

Vercingetorix starb in Rom für seine Entscheidung. Andere Stämme gingen in der römischen Kultur auf. Das war ihre Entscheidung.

Und die Druiden, die nicht Priester, sondern Rechtsgelehrte waren, fanden Wege und Mittel, ihr kostbares Wissen auf schlaue, geschickte Art zu erhalten.

Wer mehr darüber wissen möchte, dem seien die Bücher von Jean Markale („Die Druiden“ und „Die keltische Frau“, viele andere Bücher sind leider nicht ins Deutsche übersetzt worden.) ans Herz gelegt, ebenso wie „Der Garten der Druiden“ von Claudia Urbanovsky.

Die Legende von Robin Hood, der ein schlauer Dieb war, geht übrigens auch auf alte keltische Vorstellungen zurück. Die wilden Männer, die im Wald lebten, abgeschieden von den Siedlungen der Stämme, waren vermutlich die Grundlage.

Aber das ist eine andere Geschichte.

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