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Das Schneemädchen

Das Schneemädchen heißt Snegorutschka und kommt aus einem sehr alten russischen Märchen. Es erzählt von Liebe und Verlust. Väterchen und Mütterchen wünschen sich so sehr ein Kind. Aus lauter Freude am Schnee bauen sie sich ein Mädchen statt eines Schneemannes. Und hauchen ihm mit ihrer großen Liebe Leben ein. Das Mädchen ist alles, was sie sich je wünschten. Sie ist liebevoll, klug, bescheiden, hilfsbereit – eben einfach eine Freude.

Doch das Frühjahr kommt und sie geht mit ihren Gespielinnen aus dem Dorf in den Wald. Dort springen sie über ein Feuer – und: zisch! Snegorutschka ist verschwunden. Nur noch ihr leises Klagen ist im Wald zu hören.

Diese Geschichte ist ein guter Begleiter in allen Loslass- und Sterbeprozessen. Denn so ist es nunmal mit allem Irdischen: Werden und Vergehen. Und trotzdem bleibt etwas vom Schneemädchen. Nicht nur die Erinnerung, sondern auch die Erfahrung zu lieben und geliebt zu werden. Ihr leises Klagen, das die Mutter noch im Wald hört, kündet davon. Es war nicht alles umsonst, nur weil das Mädchen wieder gegangen ist. Die Eltern durften lieben und geliebt werden.

Und geht es nicht immer und immer wieder nur darum: Der Augenblick des Erlebens ist das, was uns verändert, berührt, Spuren hinterläßt.

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Es sind doch bloß Märchen

Neulich schrieb ich einem Herren, den ich fälschlicherweise für kompetent gehalten hatte. Ich suchte nach einer kulturellen Hintergrundinformation für mein nächstes Theaterjugendprojekt. Obwohl nicht darum gebeten, teilte er mir seine Meinung zu meiner Arbeit mit: „Sicher trägst du Märchen ganz gut vor, aber nützen wird das niemandem. Es sind doch bloß Märchen.“

Das ist, als würde ich eiskalte Suppe vorgesetzt bekommen. Was soll ich damit anfangen? Ich bat um eine Gabe für meinen Kessel auf dem Feuer der Inspiration. In den Kessel hinein kommen Ideen, Informationen, Bilder, viel Liebe, Spiellust, gelerntes Wissen und gelebte Erfahrung. Dann kocht es gut durch, bis es meine magische Suppe wird. Aus diesem Kessel schöpfe ich für das Projekt, nein, besser gesagt: für die Menschen, die daran beteiligt sind.

Ich verstehe, wenn mein wahlloses Einsammeln nicht leicht verständlich ist, daher hatte ich es dem Herrn so gut wie möglich erklärt, das Warum und Wieso. Doch der Herr blieb bei seiner Abwertung meiner Arbeit und es endete damit, dass ich keinen Kontakt mehr mit ihm möchte.

Denn genau das ist mein Thema seit meiner Kindheit. Ich weiß, dass diese kurze Kommunikation mit diesem Herrn ein Test des Lebens war. „Na, weißt du jetzt wer du bist? Kann er dich verunsichern, erschüttern auf deinem Weg, kann er dich an dir selbst zweifeln lassen?“

Das Leben ist nicht boshaft. Diese pure, strahlende, behütende und herausfordernde Lebenskraft ist für mich die alte Göttin, die weibliche, schöpferische Urkraft der Erde. Sie liebt auf eine Weise, die mich wachsen läßt. Immer neue Türen öffnen sich, immer klarer und heller wird mein inneres Schloß. Es ist ein Märchenschloß, na und?!

Heute Nacht hatte ich dann wieder die Begegnung mit meinem tiefsten Seelenschmerz, gespeichert in meinen Körperzellen. Meine ganz persönliche Hölle kommt immer nachts. Lange Zeit war es ein schwarzer Mann, den es in meiner Kindheit tatsächlich gab. Inzwischen ist er verschwunden – die Arbeit vieler Jahre. Doch der Schmerz der Verachtung, der Entwürdigung, der Entwertung hat mich zu lange begleitet. Ich bilde mir nicht ein, diesen alten Lehrmeister in diesem Leben noch vertreiben zu können. Er ist mein Begleiter in den stillen, dunklen Stunden der Nacht, zwischen Schlaf und Traum. Und er hat immer eine Botschaft. Heute Nacht durfte ich sie erkennen, vollkommen erschöpft, wie stets nach solch einer Höllennacht, doch dadurch auch offen für meine tiefste Seelenwahrheit.

Wie ich es seit einigen Jahren tue, verbinde ich mich in solchen Schreckensnächten mit dem, was weit über meine kleines Menschen-Ich hinausweist. Die Göttin der Tiefe, dem lichtvollen Strom der Höhe, den geduldigen und unbeugsamen Gesetzen der allumfassenden Liebe – durch solche Nächte verstand ich die Paradoxie der Märchen und uralten Weisheitsgeschichten.

Wenn Frau Holle durch einen Brunnen zu finden ist, in einem Land, in dem aus der Höhe der Schnee auf die Menschenwelt fällt. Wenn Rhiannon, die Feenkönigin, aus der Anderwelt kommt, aus Liebe zu einem König ihre Unsterblichkeit aufgibt, sich viele Jahre ungerechtfertigt demütigt ohne zu klagen, weil die Menschen nichts verstehen – und am Ende voller Stolz und ohne jeden Vorwurf wieder ihren Thron als Königin einnimmt. Wenn das Mädchen im Papierkleid mitten im Winter hinter dem Haus der drei kleinen Männchen im Walde Erdbeeren findet …

Ich verband mich also mitten im Grauen mit der Kraft, die mich hält. Nein, das ist nicht leicht, es ist anstrengend. Die Aufgabe ist, nicht aufzugeben. Die Prinzessin auf der Suche nach ihrem verwunschenen Liebsten muß in eisernen Pantoffeln so lange laufen, bis sie ihn findet. Sie geht zum Mond, zur Sonne, zu den Sternen. Und selbst, als sie ihn endlich findet, muß sie weiter und weiter kämpfen. Denn auf ihm liegt der böse Zauber einer Anderen, die ihn für sich will. Mit Klugheit, Geduld und den Geschenken der Himmelsmächte erlöst die Prinzessin den Prinzen.

In der Dämmerung stieß mein Geist plötzlich ein Tor auf und Licht überflutete meine Seele. Ich bitte immer um die Wahrheit, wenn ich etwas nicht verstehe. Und ich verstehe oft nicht, warum etwas in meinem Leben geschieht. Ich verstehe die Menschen oft nicht, warum sie sich verhalten, wie sie sich verhalten, und was das alles mit mir zu tun hat. Ich suche immer nach der Bedeutung.

Meine Töchter, meine eigenen Kinder und inzwischen junge Frauen am Anfang ihres Erwachsenenlebens, brauchen zur Zeit den Abstand. Sie holen sich was sie brauchen auf eine Weise, die mich zutiefst verletzt und erschüttert. Ihre Worte und Taten widersprechen meinen eigenen Werten, die ich mir hart erkämpft und verteidigt habe. Sie rütteln an meiner Selbstliebe.

Und ganz besonders Weihnachten ist für familiäre Schmerzen prädestiniert. Dass meine Söhne heute wieder für einen Monat zu ihrem Vater – und damit auch zu ihren Schwestern – gehen, war der Auslöser für meine nächtliche Traumreise zum Grund des bitteren Kelches.

Abwertung, Verachtung, Entwertung. Dass die Menschen, die ich am meisten liebe, sich dieser Mittel bedienen, kenne ich gut. Wie vertraut ist mir da Aschenputtel, der immer wieder auftauchende Dummling oder Wassilissa, die Weise. Dieses Motiv gibt es in so vielen europäischen Märchen. Am Ende gewinnen sie etwas, das sie nicht nur von allem erlöst, sondern sie weit über alles Vorherige erhebt.

Als sich in der Dämmerung das innere Tor öffnete, erkannte ich eine Wahrheit, die alles, alles erklärte: in mir ist ein Seelenkern, etwas vollkommen Unverletzbares, Unerschütterliches. Keine Demütigung, keine Ausgrenzung, keine Herabwürdigung kann diesem inneren Seelenkern, diesem Licht, diesem ewigen Sein auch nur das Geringste antun. All das ist real gefühlter Schmerz und möchte gesehen und respektiert werden. Aber es zerstört nicht das, was ich in Wirklichkeit bin. All diese Ereignisse, mein ganzer Weg hat nur diese eine Botschaft: nicht einmal das Schrecklichste, das du dir vorstellen kannst, hat die Macht, deine innere Wahrheit zu zerstören.

Ich nehme als Weise Wassilissa das Feuer der Baba Yaga und verbrenne alle Verachtung. Ich gehe unter das Bäumchen in Aschenputtels Garten, lasse mich mit dem Kleid aus Samt und Seide beschenken und zeige mich. Ich erzähle dem schlafenden Prinzen Geschichten, bis der Zauber gebrochen ist.

Es sind ja bloß Märchen.

Sei herzlich eingeladen, jeden Monat meinen neuen Blog zu lesen. Ganz nebenbei gibt es Termine und Neuigkeiten von der Märchenfee:

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24. Dezember – HEILIGABEND: Aschenputtel – Wunder

„Aschenputtel, sollen wir dir helfen Linsen lesen?“ „Ja“, antwortete Aschenputtel: „Die schlechten ins Kröpfchen, die guten ins Töpfchen.“

Wunder: Es ist das allererste Wunder im Märchen. Die Tauben kommen herbei und helfen Aschenputtel, die viel zu große Aufgabe zu erfüllen. Das Aschenputtel-Motiv gibt es in vielen europäischen Versionen. Die Errettung aus einer unwürdigen, demütigenden Lage, aus der man sich selbst scheinbar nicht befreien kann. Dafür sind Märchen da: Glaube an das Wunder.

Nun ist es also soweit. Weihnachten ist da. Ich wünsche Dir eine Zeit voller kleiner und großer Wunder. Die Märchen zeigen Dir den Weg.

Das ganze Märchen findest Du hier: Aschenputtel

Dir kleine Reise durch die Weisheit der Märchen endet hier. Vielen Dank, dass Du dabei warst. Ich freue mich über Deinen Kommentar, Deine Anregung, einfach Deine Meinung, denn ich möchte mich immer weiter entwickeln, um Dir und all den anderen Märchenfreunden Freude zu bereiten. Hier im Gästebuch kannst Du das gern tun: Gästebuch.

Im nächsten Jahr wird es ein ganz besonderes Seminar geben, auf das ich mich schon sehr freue: Märchen – Urwissen der Göttin. Darin begeben wir uns mit Geschichten, Theater, Spaß und Spiel auf die Spuren der Großen Mutter und ihrer Weisheit in den Märchen. Informationen dazu findest Du hier.

Ich wünsche Dir eine wahrhaft märchenhafte Weihnachtszeit und ein zauberhaftes Neues Jahr. Bis zum nächsten Mal. Ich freue mich auf Dich.

Deine Märchenfee Pfauenfeder

 

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23. Dezember – Die Sterntaler – Loslassen

Da sammelte es sich die Taler hinein und war reich für sein Lebtag.

Loslassen: Alles, alles hat das Mädchen hergegeben. Es tut richtig weh, das mitzuverfolgen. Vollkommen schutzlos, ohne jede Sicherheit, bleibt nur noch ihr pures Leben zurück – bedroht von Kälte und Hunger. Und immer wieder berührt mich ihr tiefes Vertrauen, wenn sie noch ein Stück von sich hergibt. Es ist kein leichtes, fröhliches Hergeben, denn sie friert und hungert selbst. Für mich geht es in diesem Märchen nicht darum, die Selbstverleugnung zu feiern, sondern vielmehr um das unerschütterliche Wissen, dass auch für sie selbst gesorgt sein wird.

Ist es jetzt schon Zeit, loszulassen? Inmitten der Vorbereitungen, der abzuarbeitenden Zettel, der zu erwartenden Begegnungen? Ich finde: ja. Gerade jetzt. Vielleicht muß nicht alles so sein, wie wir uns es vorstellen. Vielleicht reicht auch, hinaufzuschauen zu den Sternen und an das kleine Mädchen aus dem Märchen zu denken. Es ist für alles gesorgt.

Hier geht es zum ganzen Märchen: Die Sterntaler

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22. Dezember – Die goldene Gans – Lachen

Der Dummling, als er das hörte, ging er mit seiner Gans und ihrem Anhang vor die Königstochter; wie diese den Aufzug sah, fing sie laut an zu lachen und wollte gar nicht wieder aufhören.

Lachen: Wie heilsam und schön dieses Bild ist! In der Mitte des Märchens darf endlich gelacht werden. Dieser Zug unfreiwillig Klebender, die aus reiner Gier in diese mißliche Lage gekommen sind, ist einfach komisch. Das Märchen ist an dieser Stelle noch nicht beendet, aber das Wichtigste ist getan: Das Eis ist gebrochen. Nun kann den Helden wirklich nichts mehr aufhalten.

Das Licht ist schon geboren, doch die traditionellen Feiertage stehen uns noch bevor. Vielleicht ist inmitten der Arbeit und der Vorbereitungen und der Aktivitäten und der Erwartungen – dir ein wenig das Lachen abhanden gekommen. Lachen entspannt und befreit. Auch in der besinnlichen Vorweihnachtszeit darf gelacht werden. Nicht umsonst war es von je her eine schamanische Tradition, durch albernes und paradoxes Verhalten die Menschen zum Lachen zu bringen. (Ah, da fällt mir eine herrlich verrückte Geschichte von Rübezahl ein: er springt unvermittelt auf den Tisch einer sehr ernsten Familie und tanzt dort wild herum, just zu Weihnachten, und bringt sie alle damit zum Lachen.) Daraus ist übrigens der Narr, Berater und Spaßmacher des Königs, entstanden. Aber das ist eine andere Geschichte …

Wer das ganze Märchen lesen möchte, folgt diesem Pfad: Die goldene Gans

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21. Dezember – Brüderchen und Schwesterchen – Fürsorge

An dem königlichen Hofe war ihr alle Ehre zuteil, schöne Jungfrauen mußten sie bedienen, doch war sie selber schöner, als alle anderen. Das Rehkälbchen ließ sie niemals von ihrer Seite und tat ihm alles Gute.

Fürsorge: Eine der grundsätzlichen Aussagen dieses Märchens ist das fürsorgliche Handeln der Heldin. Ob im Versuch, ihren Bruder vor der Verwandlung zu bewahren, in seiner Betreuung nach der Verwandlung oder später in den Nächten nach ihrem eigenen Tod, als sie nach ihrem Kind schaut. Dass diese Haltung das Schwesterchen auch schwer belastet und fast bis zur Vernichtung bringt, soll für heute nicht betrachtet werden. Denn an allererster Stelle wurde am königlichen Hofe IHR alle Ehre zuteil. Und darum geht es.

Wintersonnenwende. Einer der wichtigsten vorchristlichen Feiertage, weil entsprechend dem natürlichen Zyklus das gefeiert wurde, was die Menschen sahen und beobachten konnten. Die dunkelste Zeit ist vorbei, das Licht kehrt zurück. Und genau jetzt ist Fürsorglichkeit so wichtig, für andere, aber auch für uns selbst. Es wird noch eine Weile dunkel bleiben, auch die Kälte wird zunehmen. Und so kurz vor den Feiertagen macht sich einfach auch eine Erschöpfung breit, die gehört und gesehen werden möchte. Sei heute ganz besonders fürsorglich zu dir selbst, tue dir Gutes und genieße, dass die Sonne ihren Wendepunkt überschreitet und das Licht auch für dich wieder zurückkehrt.

Hier geht es zum ganzen Märchen: Brüderchen und Schwesterchen

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20. Dezember – Der Teufel mit den drei goldenen Haaren – Einladung

Da sah die Prinzessin, daß der Holzhacker sehr schön war und verliebte sich in ihn und ließ ihn zu sich rufen.

Einladung: Faszinierend, wie selbstbewußt die Prinzessin handelt. Und das in einem Grimm’schen Märchen!

Der Advent ist die große Zeit der Einladungen. Eingeladen zu werden, ist eine Anerkennung. Da möchte jemand mit uns seine Zeit verbringen. Oder wir laden ein und teilen unsere kostbaren Stunden. Gemeinsame Erlebnisse sind für jede Art Verbindung immens wichtig. Und diese Verbindungen müssen nicht unbedingt zwischenmenschlich sein. Wir können auch Glück, Harmonie, Liebe, Wohlstand und Erfolg zu uns einladen. Oder einfach Frieden.

Das ganze Märchen findest Du hier: Der Teufel mit den drei goldenen Haaren

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19. Dezember – Die Bremer Stadtmusikanten – Mut

„Ei was, Rotschopf“, sprach der Esel (zum Hahn). „Zieh lieber mit uns fort, wir gehen nach Bremen. Etwas Besseres als den Tod findest du überall.“

Mut: Bewundernswert, wie diese Tiere einfach ihr Schicksal selbst in die Hand nehmen. Sie wandeln es vom Opferdasein ins Schöpferdasein. Für die Menschen, denen sie bisher dienten, sind sie zu alt und darum zu nichts zu gebrauchen. Aber das stimmt nicht, die Tiere sind lebendig und so lange sie das sind, haben sie auch einen Platz unter den Lebenden.

Mut ist der kleine Bruder der Entschlossenheit. Und wenn wir schon entschlossen sind, brauchen wir diesen kleinen Bruder, um unseren Weg zu gehen. Vielleicht klopft uns das Herz bis zum Halse , tausend Zweifel rütteln an uns und der Magen dreht sich um. Ohne Angst kein Mut. Niemand ist ohne die Erfahrung der Furcht mutig. Es ist nur ein Schritt über eine Schwelle. Aber dann öffnen sich ungeahnte Weiten.

Hier geht es zum ganzen Märchen: Die Bremer Stadtmusikanten

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18. Dezember – Das tapfere Schneiderlein – Entschlossenheit

Der Schneider band sich den Gürtel um den Leib und wollte in die Welt hinaus, weil er meinte, die Werkstätte sei zu klein für seine Tapferkeit.

Entschlossenheit: Aus irgendeinem nicht nachvollziehbaren Grund – die erschlagenen Fliegen scheinen doch wirklich zu lächerlich dafür – ist für den Schneider die Zeit gekommen, sein Leben zu ändern. Vielleicht war der Kampf mit den  Mus-Fliegen nur noch das letzte I-Tüpfelchen und er hatte sich schon lange in seiner einsamen Schneiderwerkstatt überlegt, fortzuziehen. Jetzt ist es also soweit. Auf geht’s!

Entschlossenheit erfordert Mut und Energie und scheint heutzutage eine seltene Eigenschaft geworden zu sein. Alles laufen lassen, wie es ist, mutet oft bequemer und sinnvoller an. Leider wird dabei leicht übersehen, dass das Leben Bewegung IST. Je mehr wir uns weigern, den Bewegungen des Lebens zu folgen, um so heftiger wird der Sturm, der über uns kommt, damit wir uns endlich bewegen. Entschlossen zu sein bedeutet auch, zu vertrauen. Und am besten, wir vertrauen optimistisch auf einen glücklichen Ausgang der Geschichte. Auch wenn es – wie beim Schneiderlein – ungewöhnliche Taten erfordert. Entschlossenheit paßt vielleicht auf den ersten Blick nicht so ganz in das Bedürfnis nach Ruhe und Gemütlichkeit im Advent. Aber möglicherweise erfordert gerade dieses Bedürfnis entschlossenes Handeln: vielleicht eine Einladung auszusprechen; sich entschieden zurückzuziehen; ein klares „Nein“ zur richtigen Zeit an die richtige Person; auf bestimmte Geschenke zu verzichten, auch wenn man weiß, dass sie erwartet werden …

Hier geht es zum ganzen Märchen: Das tapfere Schneiderlein

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17. Dezember – Schneeweißchen und Rosenrot – Schutz

Die Mutter aber sagte ihnen, das müßte der Engel gewesen sein, der gute Kinder bewache.

Schutz: Für mich ist eine der stärksten Aussagen in diesem Märchen, dass die beiden Schwestern, ganz gleich, was ihnen begegnet, beschützt sind. Nichts kann ihnen etwas anhaben, nicht mal der übel gesinnte Zwerg, wie wir aus der weiteren Geschichte wissen. Dieses Zitat steht noch am Anfang des Abenteuers. Die Grimm’s mußten diese Aussage natürlich moralisieren und meinten, nur gute Kinder hätten Schutz verdient. Aus heutiger Sicht würde ich sagen: Jeder Mensch hat Schutz verdient.

Vielleicht ist die Adventszeit so sehr mit Märchen verbunden, weil wir uns gerade jetzt nach Geborgenheit, Wärme und Schutz sehnen. Dieses tiefe, innere Sehnen – manchmal vielleicht leise wie kleines Glöckchen – hat nichts mit dem Kaminfeuer oder der warmen Heizung zu tun, dem voll gedeckten Tisch oder den überbordenden Glitzer-Geschenken. Der Mensch braucht für seine Entwicklung etwas Höheres, einen „Überbau“, wie Prof. Gerald Hüther sagt. Wir brauchen das Nicht-Irdische, um zu wachsen – aber auch, um uns beschützt und geborgen zu fühlen. In der Adventszeit kommt uns dieses Nicht-Irdische besonders nah. Es ist spürbar hinter all dem Rauschen und Glitzern. Und es beschützt uns.

Folge diesem Link, wenn Du das ganze Märchen lesen möchtest: Schneeweißchen und Rosenrot.

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