Geschichtenheilkunst - Verbunden mit den Erdmüttern --- Märchenerzählerin, Märchentherapeutin, Entspannungspädagogin

Kategorie: Märchenfee Seite 1 von 5

Meditation in Wünsdorf

Wilde Zeiten brauchen ruhige Orte.

Einfach den Alltag still werden lassen. Loslassen, was uns umtreibt. Dem eigenen Atem lauschen.

Entspannung am Freitag – Meditationsgruppe

Ort: Atelier im Bürgerhaus Wünsdorf

Zeit: ab 13. August freitags, 11.00 Uhr und 19.00 Uhr

Kosten: 10,00 Euro pro Teilnahme

Sonstiges: Jeder ist willkommen im Vertrauen auf Eigenverantwortung. Jeder sorge für sich so gut, dass er oder sie sich sicher fühlt.

Teilnehmerzahl aufgrund der aktuellen Lage begrenzt – DAHER BITTE UNBEDINGT ANMELDEN !

kontakt@katipfau.de – 0171 950 89 20

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Dem Männlichen Raum geben

Wenn ich mir so die modernen Märchenverfilmungen anschaue, sticht eines immer unangenehmer hervor: Die Überbetonung der Frauen. Die Heldinnen sind viel intelligenter, mutiger, sinnerfüllter und weiser – auch in Märchen, die ursprünglich für Männer erzählt wurden.

Es ist unbestreitbar, dass über sehr lange Zeit Frauen herabgewürdigt, mißachtet, ignoriert und mundtot gemacht wurden. Aber niemals ALLE. Es gab immer Frauen zu jeder Zeit, die selbständig und selbstverwirklichend waren. Und es gab in allen Zeiten Frauen, die zerstörerisch, boshaft, neidisch, dumm und faul waren. Ganz genauso, wie es bei den Männern auch war. Die gesellschaftliche Gewichtung war aus unserer heutigen Sicht zuungunsten der Frauen – aber nur seit den letzten 5000 Jahren. Und in denen auch nur so verstärkt die letzten 500 Jahre, nämlich seit der Hexenverfolgung.

Tatsache ist doch auch, dass Frauen auf ganz natürliche Weise sehr anpassungsfähig sind. Wir fließen in das Verhalten hinein, das wir als überlebenssichernd erkennen. Ganz intuitiv erfassen wir, welche Position wir einnehmen müssen, um uns und unsere Sippe zu schützen. Das heißt für viele Frauen zum Beispiel, der Masse zu folgen. Gemeinschaftssinn wurde uns in die genetische Wiege gelegt.

Machthabende haben das schon immer ausgenutzt, in dem sie auf diese Sorge um die Familie abgezielt haben. In unserer Zeit sind die psychologischen Werkzeuge dafür derart ausgefeilt, dass das kaum noch jemandem auffällt. Es sind vor allem Frauen, die die gesellschaftlichen Strukturen am Leben erhalten, und zwar dort, wo sie am wirksamsten sind: im nicht sichtbaren Bereich des Alltäglichen.

Es ist so wichtig und notwendig, einen gesunden, natürlichen Gemeinschaftssinn zu pflegen. Frauen haben in vielen Jahrtausenden dafür gesorgt, dass der Laden läuft. Die innere Struktur, die Organisation, die Absprachen untereinander, das Haushalten fiel in ihren Bereich. Denn die Männer hatten in der Regel andere Aufgaben, auch in Matriarchaten.

Vorwärtsschauen, voranschreiten, neue Quellen, neue Wiesen und Siedlungsplätze entdecken oder die drohende Gefahr so früh wie möglich erkennen, dann sich diesen Aufgaben stellen und sie erledigen. Die Wege musste erforscht werden, um sie für die Sippe begehbar zu machen. Die Quellen mussten geprüft werden, ob das Wasser rein und genießbar war. Wiesen und Felder musste untersucht werden, ob dort Löcher im Boden oder unliebsame tierische oder menschliche Nachbarn lebten. Und die Gefahr musste mit Planung und Strategie abgewehrt werden. All das sind Eigenschaften, die der männlichen Energie zugeordnet sind. Aber auch das Hüten der Errungenschaften, das Schützen des Aufgebauten, das Bewahren des Wohlergehens der Sippe.

Schon seit Urzeiten wussten die Weisen, dass in jeder Frau ein männlicher Anteil und in jedem Mann ein weiblicher Anteil ist. Und sie wussten, dass jede Frau und jeder Mann diesen andersgeschlechtlichen Anteil zu integrieren hat.

Doch was ich zur Zeit beobachte, ist eine Überbetonung der andersgeschlechtlichen Verhaltensweisen. Frauen benehmen sich wie Männer. Männer benehmen sich wie Frauen. Nun gut, auch das ist eine gesellschaftliche Erfahrung, die offenbar die Menschheit machen will. Das Dumme daran ist nur, dass es auf diese Weise einer der wichtigsten und natürlichsten Kräfte der Mutter Erde unmöglich wird, zu wirken: FRUCHTBARKEIT. Geistige, emotionale, wirtschaftliche und körperliche Fruchtbarkeit. Mir scheint, alles zieht hin zu Tod und Krankheit, statt zu Leben, Liebe und Erblühen.

Vielleicht ist es an der Zeit, uns unseres ursprünglichen Seins wieder zu erinnern. Und deshalb bin ich ganz besonders dankbar für das Geschenk der uralten Weisheitsmärchen. Denn dort sind unsere Wurzeln bewahrt und überliefert. Sie reichen bis dorthin, wo noch der Boden gesund und nahrhaft war. Von dort strömen immer noch die Worte der alten Weisen. Damit wir nicht vergessen, wer wir wirklich sind: Geliebte Kinder der Mutter Erde.

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Der Kreis des heiligen Feuers

Eine magische Geschichte für die Gruppe Aufstellungen der neuen Zeit des SALIMUTRA-Netzwerkes von Madana Kati Pfau

Auf dem Hügel zwischen den uralten Steinen brannte ein Feuer. Einst war es groß und heilig gewesen und hatte viele Menschen genährt, getröstet und geheilt. Doch schon lange war es nur noch so klein, dass die meisten es für eine Sinnestäuschung hielten. Nur wenige hatten in all der Zeit gewagt, ihren Blick nicht abzuwenden. Nur wenige hatten die alten Geheimnisse gehütet.

Nun aber schien die Erinnerung zurückzukehren und der alte Segen wollte von neuem erblühen.

Die samtweiche Nacht hüllte den Hügel in den Sternenmantel der Göttin. Eine Priesterin stand am Feuer. Sie schützte die heiligen Flammen in der Stille ihrer Weisheit. In ihrer Hand hielt sie einen langen Stab, gleichzeitig Stütze und Zeichen ihrer Würde. Efeuranken umspannen ihn und kleine, glänzende Scheiben aus Silber und Gold hingen von ihm herab, die wie Sterne funkelten. Ein zartes Klingen tanzte zwischen den großen Steinen, wenn die kleinen Scheiben aneinanderstießen. Die Priesterin trug den alten, langen Hirtinnenstab, der schon vor Urzeiten das alte Wissen hütete, weitergegeben in der Obhut von Generationen weiser Frauen.

Langsam hob sie den Blick vom Feuer, als würde sie aus einer Versteinerung erwachen. Aufmerksam sah sie in die Dunkelheit.

Eine zweite Priesterin trat ans Feuer. Von ihrem starken Gürtel hingen über und über kleine Beutel herab, manche aus Leder, andere aus Stoff. Alle waren sie gefüllt und raschelten leise bei jeder Bewegung. Ein kleines Messer hing, geschützt von einer ledernen Scheide, um ihren Hals. Ein Duft von frischem Grün umspielte sie.

Die Frauen sahen sich an, lächelten und nickten.

Die heiligen Flammen wuchsen, genährt vom Lächeln der Frauen.

Eine dritte Priesterin erschien leise am Feuer. Auf ihrer Brust lag ein großer, vollkommen reiner Kristall, gehalten von einem weichen, starken Band um ihren Hals. Die Reinheit des Kristalls strahlte wie ein eigenes Licht und durchleuchtete seine Trägerin bis hin zu den Augen. Die Schönheit des reinen Kristalls ruhte still und ewig in der Priesterin.

Die Frauen sahen sich an, lächelten und nickten.

Und die heiligen Flammen wuchsen höher, genährt vom Lächeln der Frauen.

Kraftvoll trat eine vierte Priesterin in den Kreis. Eine rote Weste aus wärmender Wolle leuchtete unter ihrem Mantel. Die Weste war über und über bestickt mit den heiligen Symbolen aller Welten. Die bunten Fäden erzählten ihre eigenen Geschichten.

Die Priesterin war noch ganz außer Atem, ihr besorgter Blick suchte nach Zuflucht.

Doch die Frauen sahen sich an, lächelten und nickten.

Und die heiligen Flammen schlugen höher, genährt vom Lächeln der Frauen.

Die erste Priesterin hob sanft ihren Stab der Würde.

„Sprich, Wanderin, was sahst du auf deinen Wegen.“

Die vierte Priesterin seufzte. Ihr Blick glitt von einer zur anderen. Dann sprach sie:

„Ich sah zerstörte Rosentäler. Und ich sah verbrannte heilige Haine. Ich sah gefällte Kathedralen des Waldes. Und ich sah erblindete Seen und Teiche. Ich sah vergiftete Quellen der Heilung. Und ich sah einsame, blutende Herzen.“

Still rannen die Tränen über die Wangen der Kristallhüterin.

Die Finger der Heilerin suchten am Geräusch ihrer Medizinbeutel nach Linderung.

Die Wegweiserin aber sah ernst in die Flammen und nickte immerzu.

Doch dann hob sie entschlossen den Blick und sah ruhig und wissend von einer zur anderen. Ihre Hand umfasste würdevoll den Hirtinnenstab. Sie richtete voller Anmut ihren Körper neu aus. Dann sprach sie mit fester Stimme:

„Schwestern, es ist Zeit.“

Sie ließ den Stab vor sich im Erdboden Halt finden und streckte einladend ihre Hände den Schwestern entgegen. Die Wanderin nahm die eine, die Kristallhüterin nahm die andere Hand und die Heilerin zwischen ihnen schloß den Kreis. So standen die vier Priesterinnen um das heilige Feuer im Rund der uralten Steine auf dem Hügel, umhüllt von sternenklarer Nacht.

Eine Seele lag auf dem kühlen, dunklen Boden. Niemand hätte sagen können, ob sie eine Frau oder ein Mann war. Sie atmete gerade noch so viel, um nicht völlig von dieser Welt zu verschwinden. Hier unten, wo sie niemand sah, wo ihr niemand wehtun konnte, hier war es gut, hier war es sicher. Wenn sie sich nicht bewegte, würde ihr kein Leid mehr geschehen. Ihr narbiges, wundes Herz war von all der Lüge und dem Betrug, all dem Verlust und dem Irrtum, all dem Schmerz so erschöpft. Aber es schlug immer noch voller Hoffnung und weigerte sich, vollends auseinanderzufallen.

Ein Lichtschimmer erreichte die Seele. Ganz zart, ganz sanft tanzte er auf und ab. Er schien sie zu rufen. Eine uralte Freude, die schon ganz klein geworden war, erwachte in ihrem geschundenen Herzen. Mühsam hob die Seele ihren Kopf und öffnete die Augen. Oh, wie wunderschön dieser Lichtstrahl war! Klar und rein tanzte er in vielen Regenbogenfarben und flüsterte: „Komm, komm, folge mir.“

Vorsichtig erhob sich die Seele. Es fiel ihr nicht leicht, den sicheren, kühlen, dunklen Boden zu verlassen. Aber es war ja Nacht, so war sie geschützt und kein Schlächter konnte sie erkennen. Mühevoll erhob sie sich aus der Erstarrung des todesähnlichen Schlafes, der sie so lange umklammert hatte. Und jede Bewegung war ein Erfolg, jeder Atemzug ein Sieg. Ihr Herz zog sie hinauf, und nun gelang es ihr, den Blick wandern zu lassen. Sie suchte nach dem Weg des Lichtstrahles. Und sie sah.

Einen Fuß setzte sie vor den anderen, immer weiter, immer weiter. Denn sie wollte dorthin, dort zu dem Licht auf dem Hügel. Sie wusste nicht, was dort war. Sie spürte nur, dass dort etwas war, wonach sich ihr Herz sehnte.

Schritt für Schritt wurde es leichter, immer leichter. Die samtweiche Nacht umhüllte sie wie der Sternenmantel der Göttin.

Nun stand sie am Fuß des Hügels. Dort oben sah sie den uralten Steinkreis, der heilige Ort, der einmal vor langer Zeit von großer Bedeutung gewesen war. Doch jetzt war da noch etwas anderes, etwas, das sie nicht erkennen konnte.

Ihr Blick hielt wie gebannt den Tanz der Flammen zwischen den Steinen fest. Der Lichtstrahl flüsterte in ihrem Herzen: „Komm, komm hinauf. Es ist nur noch ein kleines Stück.“

Die Seele seufzte. Sie war so müde, so erschöpft. Würde sie diesen letzten Weg schaffen können?

Die Hände der vier Priesterinnen hielten sich und hielten den Kreis um das Feuer. Ihr Lächeln nährte die Flammen. Und Licht floß durch ihre Hände, durch ihre Arme von einer zur anderen. Und Licht wuchs in feinen, geraden Linien aus ihren Händen in den Boden und in den Himmel. Die Linien verbanden sich miteinander und bauten eine Kuppel aus leuchtendem Netzwerk. Und wie die Kuppel fertig war, so wuchsen aus den geraden Linien Ranken aus Licht, die sich wanden und tanzten wie strahlende Schlangen. Und immer stärker und stärker wurde der Tempel aus Licht.

Da hob die Wegweiserin aufmerksam ihren Blick. Sie sah von einer Schwester zur anderen. Ihr Gesicht erstrahlte in heiliger Freude. Sie nickte den anderen zu und sagte:

„Jetzt!“

Sanft ließen sich die Heilerin und die Wanderin los. Ein Raum entstand zwischen ihnen. Die Lichtbahnen floßen auseinander und gaben eine Öffnung frei in die Nacht.

Die Seele stand schwer atmend am Steinkreis. Heiliges Schweigen füllte den Raum. Ein ehrfürchtiges Zittern hatte sie befallen und sie wagte nicht, weiterzugehen. Noch stand sie außerhalb des Steinkreises und schaute fragend zu den Flammen in der Mitte.

„Was ist denn noch nötig?“ fragte sie verzagt in den Kreis hinein. Doch alles blieb still. Da atmete die Seele und atmete noch einmal. Und dann erinnerte sie sich an Kirchen und Kathedralen, Tempel und Plätze, an heilige Haine und gesegnete Rosentäler. Sie faltete ihre Hände vor dem Herzen und sagte deutlich und klar:

„Bitte.“

Eine Kuppel aus Lichtnetz erschien um die Steine und das Feuer. Sanft floßen die leuchtenden Bahnen auseinander und gaben eine Öffnung frei. Die Seele lächelte, nickte und hob den Fuß zum nächsten Schritt.

Und die vier Priesterinnen sprachen wie aus einem Munde: „Sei willkommen!“

Alle Rechte bei Madana Kati Pfau

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Alles sinnlos?

Das Gefühl, dass man mehr und mehr verliert, dass das, was sicher und vertraut war, aus den Händen gleitet, ist eine der größten Herausforderungen des Menschseins.

Vor allem heute, in dieser Gesellschaft und zu dieser aktuellen Corona-Zeit, die uns vor so viele neue Situationen stellt. Als erstes versucht man, die vertrauten Wege einzuschlagen und wählt Verhaltensweisen, die mit dem Vergangenen kongruent sind.

Doch Verlust bedeutet ja gerade, dass das Bisherige so nicht mehr geht.

Aus dem Hospiz-Bereich, der Begleitung von Sterbenden, kommt ein Impuls, den wir ins unserer Spaß-und-Komfortzonen-Selbstverständlichkeit meiden wie die Pest: Das Loslassen muss man ein ganzes Leben lang einüben. Am besten so bewusst wie möglich.

Das bedeutet, offenen Auges den Schmerz des Lebens zu akzeptieren. Und da sind wir bei dem größten Knackpunkt unserer dualistisch geprägten Wertegesellschaft. Wir meinen, dass es nur schwarz oder weiß, gut oder böse, richtig oder falsch gibt. Schon vor sehr langer Zeit haben wir die Selbstverständlichkeit des Grauzone, des Undefinierbaren, Unkontrollierbaren verlassen.

Verlieren ist äußerst unangenehm. Es wird etwas genommen, dessen wir uns so vollkommen sicher waren. Und dieser Verlust stellt mehr und mehr das ganze persönliche Leben infrage, lässt an den eigenen Entscheidungen zweifeln und das bisher sichere innere Haus bröckeln.

Und unweigerlich stellen wir uns die Fragen: War und ist denn alles sinnlos?

Verlusterfahrungen bringen uns in den Raum des Undefinierbaren, in die Wildnis der Seele. Und es wäre so schön, wenn man einfach irgendjemandem dafür die Schuld geben könnte. Manchmal, zeitweise ist das auch entlastend. Nur für die eigene innere Heilung kann von diesem Schuldkonzept keine Hilfe erwartet werden.

In vielen alten Geschichten wird uns Mut gemacht, mit Verlust bewusst umzugehen.

Nun ist „Hans im Glück“ eher eine Kunstgeschichte, ein Schwank aus einer zeitgenössischen Zeitschrift, die den Brüdern Grimm offenbar gut und richtig schien, sie in die Kinder- und Hausmärchen aufzunehmen. Und es liegt nahe, dass der Verfasser sich wohl eher über die Dummheit des Helden, der am Ende glücklich gar nichts mehr in der Hand hat, lustig macht, als dass er uns eine tiefgründigere Weisheit mitgeben wollte.

„Hans im Glück“ hat so viele Gesichter, so viele Perspektiven und Interpretationsmöglichkeiten, dass es einfach kein So-ist-es geben kann. Das macht diese Geschichte ganz unversehens zu einem kostbaren kleinen Stück Erzählpoesie.

Und siehe da! Die eine Weisheit zumindest liegt ganz offen da: Loslassen, loslassen, loslassen – bis man endlich vollkommen glücklich und frei ist.

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Du bist nicht allein

Die hohen Mauern der Isolation scheinen immer höher und höher zu wachsen. Wer schon früher nicht gut mit sich selbst allein sein konnte, spürt den Schmerz der Einsamkeit nun um so mehr.

Menschen, die darunter leiden, allein zu sein, und sich schon lange nach Gemeinschaft sehnen, werden nun noch stärker in ihren Kummer gestoßen.

Und Menschen, die früher stets vor dem Alleinsein in überlaute, übervolle Aktivitäten flohen, fürchten sich nun vor der ungefüllten Zeit.

Traditionstreffen, einfach weil man das doch schon immer so machte, finden nicht statt.

Zurück bleibt eine große Leere.

Und wenn man diesen Menschen sagt, diese Leere ist die ganz große Chance, sich selbst und den eigenen wahren Wünschen näher zu kommen, fühlen sie sich nicht nur unverstanden, sondern auch verspottet.

Die Angst vor dem Alleinsein ist real. Sie gehört zu den größten und ältesten Ängsten der Menschheit. Weil wir Gemeinschaftswesen sind.

Und genau deshalb sind wir nicht allein!!

So, wie die Bremer Stadtmusikanten, die für ihre schwere Arbeit nicht mehr gewertschätzt wurden. Sie fanden sich, weil sie alle etwas gemein hatten: Ihre Lebensumstände. Und weil jedes einzelne den Mut fand, sich den anderen zu öffnen und der Gemeinschaft zu vertrauen.

Denn Gemeinschaft ist überall. Es vielleicht nicht die Truppe um einen herum, die man sonst so gewöhnt ist, denen man sich bisher verbunden gefühlt hat und die zum eigenen Selbstverständnis dazu gehörten. Die Freunde, die Kollegen, vielleicht die weitverzweigte Familie.

Bei Ratlosigkeit ist immer und immer wieder die beste und erste Übung, sich zu fragen: Was ist der nächste Schritt? Im Hier und Heute anfangen, sich umschauen was jetzt gerade da ist. Der Blick für das Kleine, scheinbar Unscheinbare, das Gewöhnte, was wir nicht mehr wahrgenommen haben.

Manchmal ist das eine Nachbarin, die wir vielleicht früher merkwürdig fanden. Es reicht, sie einfach mal nett zu grüßen. Vielleicht ist es die Frau an der Kasse, die dir jedesmal beim Einkaufen begegnet und die du nie eines Wortes für nötig erachtet hast.

Schau dich um. Du bist nicht allein.

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Ungewollt sein

Kaum jemand kann sich diesem Gefühl entziehen. Wir alle sind auf die eine oder andere Weise nicht so gewünscht und gewollt, wie wir nun mal sind.

Zu dick, zu dünn, zu dumm, zu klug, zu arm, zu reich, zu viele Ideen, zu unbegabt, zu neugierig, zu faul, zu ratlos … – die Frage ist nur: Für wen? Wenn wir vollkommen frei wären von jeglichem Urteil außerhalb unseres Selbst, würden wir uns vollkommen fühlen. Wir würden uns vollkommen FÜHLEN.

Nun ist es aber so, dass der Mensch die Gemeinschaft braucht, um sich entwickeln und sein Leben kreieren zu können. Und die Gesellschaft, in der wir derzeit leben, ist durch eine jahrtausendelange Abwertung des Individuums geprägt.

In den meisten Märchen mit Heldenreise ist der Ausgangspunkt eine permanente Abwertung des Helden oder der Heldin. Sie werden verspottet.

Im Märchen „Zwölf Brüder und ihre Schwester“ aus der Sammlung der Brüder Grimm (Text siehe unten) kommt noch eine andere märchenbekannte Version des Ungewolltseins, die sich durch die ganze Geschichte zieht. Der König will seine zwölf Söhne nicht, die zwölf Brüder wollen keine Mädchen und die Mutter des jungen Königs will ihre Schwiegertochter nicht.

Warum der alte König seine eigenen zwölf Kinder töten lassen will, wenn er als dreizehntes ein Mädchen bekommt, wird nicht erklärt. Vielleicht war die Erklärung zu deutlich unsympatisch; immerhin steht der Alte König in der Symbolsprache mit seinem Schattenaspekt für den machtgierigen, zentralistischen Tyrannen, der nicht bereit ist, seinen Thron freiwillig dem Jüngeren zu übergeben – ein Kennzeichen des Patriarchats. Hätten das Erzähler über die vielen Jahrhunderte weitererzählen sollen? Erzähler, die von Ort zu Ort zogen, waren kostbare Propagandaträger der Herrschenden, die auch gern mal münzschwer beauftragt wurden.

Welches Motiv könnte also der König haben? Er fühlt sich in seiner Allmacht bedroht. Ein Mädchen macht ihm da wesentlich weniger Schwierigkeiten.

Die Brüder wollen keine Mädchen, sie wollen sie sogar töten, so groß ist ihr Schmerz. Das Ungewolltsein hat bei ihnen einen ebenso lebensvernichtenden Ausdruck gefunden, wie bei ihren Vater.

Die Schwiegermutter wiederum will die junge Königin nicht, weil sie sich – wie ein Spiegelbild für den alten König – in ihrer Macht über ihren Sohn bedroht fühlt. Vielleicht hat auch sie Angst, dann nicht mehr gewollt zu sein. Auch sie geht bis zum Äußersten und will den Tod ihrer Schwiegertochter.

Wenn wir uns ungewollt fühlen in unserem So-sein, fühlen wir uns in unserer Integrität bedroht. Fast alle Verlockung der Konsumgesellschaft dreht sich einzig und allein darum, endlich endlich gewollt, anerkannt, geliebt und geschätzt zu werden.

Vielleicht sollten wir anfangen, uns selbst mit unserem ganzen Willen so anzunehmen, zu lieben und zu schätzen, wie wir sind. Das ist keine leichte Aufgabe, denn die tiefgreifende Abwertung tragen wir seit Generationen in uns.

Fangen wir doch mit ganz kleinen Schritten an. Finden wir jeden Tag eine kleine Gelegenheit, uns ehrlichen Herzens zu wertschätzen und uns so zu nehmen, wie wir nun mal sind – mit unseren Marotten, unseren Eigenheiten, unserer Unperfektheit, unseren Zweifeln und Ängsten, unseren Pfunden, den unerfüllten Wünschen und unseren Mißerfolgen.

Einfach so, ganz menschlich, in unserer ureigenen, wunderschönen, unvollkommenen Wahrhaftigkeit.

***

Wenn du noch weitere Aspekte diese Märchens interessieren, dann komm in meine Telegram-Gruppe https://t.me/MaerchenzeitImmerSonntags und höre dort meine Deutung und abonniere meinen Youtube-Kanal Märchenzeit. Dort findest du die Audios der Telegram-Gruppe eine Woche später als Podcast.

Da der Text des Märchens „Zwölf Brüder und ihre Schwester“ von 1810 nicht im Internet zu finden ist, sondern nur die stark überarbeitete Version Letzter Hand, folgt nun hier das Märchen zum Nachlesen:

Zwölf Brüder und das Schwesterchen

Es war einmal ein König und eine Königin, die hatten zwölf Kinder zusammen, die waren alle Jungen. Und der König sprach, wenn das dreizehnte Kind ein Mädchen wäre, so wollte er alle seine 12 Söhne umbringen, wenn es aber wieder ein Sohn wäre, so sollten sie am Leben bleiben. Da wurde die Königin gar traurig und hatte ihre 12 Söhne von Herzen gar lieb und ging zu ihren 12 Söhnen und sprach zu ihnen: der König euer Vater hat gesagt, wenn ich ein Mädchen kriegte, so wolle er euch alle umbringen, wenn es aber noch ein Brüderchen wäre, so wolle er auch alle leben lassen. Und die Mutter riet ihnen und sprach: „Herzliebe Kinder, geht in den Wald, und wenn es ein Söhnchen ist, so will ich oben auf dem Turm eine weiße Fahne aufstecken, ist es aber ein Töchterchen, eine rote, so kann auch der Vater doch nicht töten.“ Also gingen die zwölf Kinder in den Wald und guckten alle Tage nach dem Schloss und sahen immer keine Fahne wehen. Eines Tages aber sahen sie eine rote Fahne wehen und wurden recht erzürnt, dass sie um eines Mädchens willen alle hätten sterben sollen. Sie schwuren, sie wollten im Wald leben und jedem Mädchen, das hinein käme, aufpassen und wollten es umbringen. Jeden Tag gingen elf von ihnen auf die Jagd, und einer musste abwechselnd immer zu Hause bleiben und kochen und den Haushalt führen.

Und das Schwesterchen war ganz allein zu Haus. Eines Tages wurde ihm die Zeit gar zu lang, da ging es aus und kam in den Wald und kam dahin, wo seine zwölf Brüder wohnten. Die waren aber alle ausgegangen, außer der eine, der kochen musste. Und wie er das Mädchen sah, so wollte er es umbringen, denn er hatte den Schwur also getan. Da flehte ihn das Mädchen um das Leben, und es wollte ihnen auch kochen und das Haus zurechthalten, wenn er es leben ließe. Zum Glück war es der jüngste Bruder, der wurde erbarmt und versprach ihm das Leben zu lassen. Als die anderen elf von der Jagd nach Hause kamen, so verwunderten sie sich, das lebendige Mädchen zu finden. Der jüngste Bruder sprach und sagte: „Liebe Brüder, da ist das junge Mädchen in den Wald hereingekommen und hat mich so sehr um ihr Leben gebeten, so habe ich gedacht, es könnte uns kochen und den Haushalt führen, so könnten wir auch alle zwölf zusammen auf die Jagd gehen.“ Und da ließen es die anderen Brüder zu. Nun gingen sie immer alle zwölf aus auf die Jagd und das Schwesterchen blieb allen zu Haus, machte die Betten und kochte das Essen.

Nun eines Tages, da die zwölf Brüder wieder aus waren, ging das Schwesterchen in den Wald spazieren und kam an einen Platz, da standen zwölf weiße Lilien, die waren so schön, und es brach sie alle miteinander ab. Da war eine alte Frau, die sprach: „Ach mein Töchterchen, warum hast die zwölf Studentenblumen (Lilien) nicht stehen gelassen. Das sind deine zwölf Brüder und die müssen nun alle in zwölf Raben verwandelt werden.“ Da fing das Schwesterchen an zu weinen vor großer Traurigkeit, dass es das getan hatte, und sagte, ob denn gar kein Mittel wäre, die zwölf Brüder zu erlösen. Die alte Frau sagte: „Es ist nur eines, das ist aber sehr schwer.“ Und das Kind sprach, sie möge es nur sagen. Da sagte sie: „Du musst zwölf ganze Jahre stumm sein und kein einziges Wort reden. Und wenn nur noch eine Stunde an den zwölf Jahren fehlte, und du hättest ein einziges Wort geredet, so ist alles verdorben und deine Brüder werden nimmermehr erlöst.“

Eines Tages geschah es, dass ein Königssohn in dem Wald jagte, der sah das Mädchen und fragte es, ob es mit in sein Königreich kommen und ihn heiraten wollte. Es war aber ganz still und antwortete keine Silbe. Da nahm er es mit sich und hielt Hochzeit mit ihm. Die Schwiegermutter konnte es aber nicht leiden und meinte, es sei ein gemeines Mädchen. Die böse Schwiegermutter fing nun an, es bei dem König zu verleumden und ihm die schändlichsten Dinge nachzusagen. Weil es sich mit keiner Silbe verteigte, so glaubte es zuletzt der König und verurteilte es zum Tode. Er befahl, ein großes Feuer anzumachen und es zu verbrennen. Und als es am Feuer stand, so war eben die letzte Stunde verflossen von den zwölf Jahren. Man hörte ein Geräusch in der Luft und zwölf Raben kamen geflogen. Als sie auf die Erde kamen, wurden sie zwölf Königssöhne und machten ihre Schwester los. Ihre Unschuld kam an den Tag. Die böse Schwiegermutter wurde aber in ein Fass siedenden Öl getan, worin giftige Schlagen waren.

Entnommen dem Buch: Die ursprünglichen Märchen der Brüder Grimm. Kurt Derungs. 2010. AMALIA Verlag

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Noch mehr?

Noch eine Verordnung, noch eine Beschränkung, noch eine Hürde, noch eine Bürde …

Man hat das Gefühl, es ist einfach nicht genug. Obwohl wir seit Monaten Masken tragen sollen, steigen die Zahlen. Obwohl wir seit Monaten nicht verreisen sollen, nicht gemeinsam essen und ausgehen sollen, verschärfen sich die Maßnahmen.

Wann ist es denn nun eigentlich genug? Das bleibt offen. Es ist wie ein nicht gehaltenes Versprechen.

Wie im Märchen der Brüder Grimm: „Die beiden Königskinder“ – hier könnt ihr es nachlesen – wird immer mehr und mehr verlangt.

Man hat das Gefühl, sich schon anzustrengen, gutwillig mitzumachen, Gesetze und Regeln zu respektieren, was gefordert wird zu erfüllen, Einschränkungen hinzunehmen – aber es ist einfach nicht genug.

So funktioniert übrigens auch emotionaler Missbrauch. Wie der Esel, der rennt, weil ihm der Reiter ein Bündel Möhren vor die Schnauze hält.

Doch das Schöne an Märchen ist, dass sie uns die Hoffnung lehren. Was also sagt das alte Märchen von den beiden Königskindern? Der Königssohn bekommt Hilfe. So muss es sein im Märchen.

Und ist das auch so im alltäglichen Leben?

Da möchte einer doch ein tiefer Seufzer gehen. Es ist nicht leicht, in diesen Zeiten den Blick zu weiten, um die märchenhafte Hilfe zu finden. Oft gelingt das, in dem wir über unsere wahren Gefühle reden, sie mitteilen, ehrlich und mit offenem Herzen. Mit vertrauten Menschen. Mit Menschen, denen wir vertrauen.

Manchmal reicht das aber nicht. Dann ist es Zeit, in der Stille ehrlich und offenen Herzens zu lauschen, was die Seele gerade braucht.

Im Märchen ist es ein langer Weg, bis sich der Königssohn und die Königstochter endlich finden. Die letzte Herausforderung ist das Erwachen und Erkennen des jungen Mannes, also der männlichen Energie. In der Symbolwelt steht der Königssohn für kraftvollen Aufbruch, für die Bereitschaft, den Weg zum Thron anzutreten und allen Gefahren zu trotzen, sie zu meistern und dadurch zum König zu werden.

In den Königskindern ist die letzte Herausforderung, sich von der Betäubung zu lösen, den Schlaftrunk zu verweigern und endlich der Stimme des Herzens zu folgen.

Vielleicht ist das ja auch für uns heute genau die Antwort, nach der wir suchen.

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Sich helfen lassen

So, jetzt haben wir den Salat. Wieder einschränkende Maßnahmen, wieder erzwungene Veränderung.

Zwang und Druck von außen ist eine der unangenehmsten Erfahrungen des Menschseins. Unser natürlicher Zustand ist Freiheit und freiwillige Verbundenheit. Wie herausfordernd die Herstellung dieser notwendigen Balance zur Zeit ist, erfahren wir gerade alle hautnah. Und dann ist da noch diese Ungewißheit, wie lange das dauern soll.

Alles in allem eine äußerst belastende Erfahrung, die von jeder und jedem unterschiedlich gemeistert wird.

Jede Krise hat auch Chancen. Ich weiß, dass dieser Satz auch wütend machen kann. Ich will weder relativieren noch beschönigen. Nur ist auch folgende Erkenntnis ein extrem nützlicher Stein auf dem Weg der Heilung: Alles, was wir von uns weisen, abspalten, bekämpfen, unterdrücken, verurteilen macht uns krank.

Ist es das wert?

Ok, was brauchen wir, um Unerträgliches zu integrieren?

Hilfe.

Wir können sehr viel allein erkennen, verwandeln und heilen. Aber nicht alles. Wir sind Gemeinschaftswesen. Und zwar nicht nur untereinander, sondern auch in der natürlich Gemeinschaft mit der Sphäre des Nicht-sichtbaren. Nenn es Engel, Götter, Ahnen, Geister … Ganz gleich.

Im Märchen: „Die Wichtelmänner“ tauchen sie auf, diese dienstbaren Geister. Sie brauchen Unsichtbarkeit, um wirken zu können. Wir müssen nicht immer wissen, woher Hilfe kommt.

Wir dürfen einfach darauf vertrauen.

Hier findest du das Märchen: https://www.grimmstories.com/de/grimm_maerchen/die_wichtelmaenner

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Würde

Vor kurzem war ich in Berlin und musste an der Frankfurter Allee umsteigen. Unter der S-Bahn-Brücke über die Frankfurter Allee liegen in Schlafsäcken Obdachlose. Es sind junge Leute, aneinander gekuschelt, mit abwesendem Blick. Tausende Menschen laufen täglich an ihnen vorbei, denn hier kreuzen sich U- und S-Bahn, zwei große Einkaufscentren dürfen natürlich nicht fehlen. Die Frankfurter Alle ist eine der stärksten Verkehrsschlagadern Berlins.

Die vorbeilaufenden Menschen sehen kaum hin. Es ist unangenehm. Es stinkt. Die apathischen jungen Leute demonstrieren auf ihre Weise das Scheitern gesellschaftlicher Strukturen.

Würde bedeutet, das Gegenüber als Subjekt wahrzunehmen, nicht als Objekt der eigenen Bedürfniserfüllung. So drückt es Prof. Gerald Hüther aus. Aus der von ihm initiierten Akademie für Potentialentfaltung kommt der Impuls für den Verein Würdekompass e.V.

Weil wir wieder lernen müssen, was Würde überhaupt ist und wie man eigentlich würdevoll miteinander umgeht.

Wenn Würde selbstverständlich wäre, würden diese jungen Leute vielleicht einen anderen, selbstbestimmteren Handlungsspielraum haben, ihr Leben zu gestalten. Unter einer Brücke zu landen und vor den Augen unzähliger Menschen dahinzuvegitieren ist ein Ausdruck für die Würde- und Respektlosigkeit unseres Miteinanders. Diese Menschen, die vielleicht hochgradig intelligent und kreativ sind, befinden sich im Zustand der Selbstverachtung – weil sie selbst verachtet worden sind.

Würde hat nichts mit dem Alter zu tun. Auch unseren Alten gegenüber mangelt es an Würde. Verachtung, Spott, Forderungen sind der Grundtenor in der Kommunikation mit der älteren Generation. Wir haben für ein würdevolles Miteinander keine Vorbilder mehr.

Und jetzt in Corona-Zeiten geht oft das bißchen Würde vollends verloren. Würdelos werden Menschen zum Objekt fremder Interessen gemacht. Die beiden Grundbedürfnisse des Menschen, Freiheit und Verbundenheit, können kaum noch erfüllt werden. Prof. Hüther sagt, dass das Gefühl, diesen Grundbedürfnissen nicht nachgehen zu können, in den gleichen Hirnarealen befeuert wird, wie das Schmerzerleben. Es tut uns weh, wenn wir uns nicht verbunden und frei fühlen dürfen.

Auch wenn dieses Thema recht modern erscheint: es ist ein älteres Problem. Die Frage danach, was ich bereit bin zu ertragen für die Gemeinschaft, für die Freiheit und Verbundenheit meiner selbst und der anderen, was ich bereit bin zu geben im Zusammenleben mit anderen Menschen, war stets wesentlich.

Wer bin ich, dass ich meine eigenen Bedürfnisse über die des anderen stellen darf? Wer bin ich, meine eigenen Bedürfnisse zugunsten anderer zu vernachlässigen? Es ist ein ständiges Wechselspiel, das Achtsamkeit erfordert, aber auch das Wissen darum, dass wir Fehler machen müssen, um überhaupt zu lernen und uns weiterzuentwickeln.

In der Geschichte der Brüder Grimm: „Der Großvater und Enkel“ wird auf drastische Weise der würdevolle, oder besser gesagt der würdelose Umgang miteinander thematisiert. Da ist nichts mehr von Zauber und Märchen. Es ist einfach eine Geschichte, die erschrecken und erinnern soll an das uralte Prinzip: „Tue anderen nichts an, was du selbst nicht erfahren willst.“

Hier kannst du die Geschichte nachlesen: https://www.grimmstories.com/de/grimm_maerchen/der_alte_grossvater_und_sein_enkel

Der vom Tisch verbannte Großvater wird derart würdelos behandelt, dass es schon wehtut. Die Eltern merken die Selbstgerechtigkeit ihres Handelns nicht, bis ihr eigenes Kind es ihnen auf seine Weise heftig spiegelt. Erst dann verstehen sie, was sie dem Großvater eigentlich angetan haben.

Brauchen wir solche drastischen Geschichten wirklich noch? Haben wir nicht längst gelernt durch so viel Leid in all den Generationen? Wo sind die Geschichten, die uns helfen, wahrhaftig zu erkennen was jetzt dran ist? Auf Netflix ganz sicher nicht. Schauen wir in alte Geschichten, finden wir diese Weisheit. Aber nicht in allen. Auch hier ist Achtsamkeit gefordert, womit wir unsere Seele füttern.

Zu lernen, in Würde mit der Krise umzugehen kann ein guter Weg sein, uns nicht so leicht in die Angst, Wut und Sorge hineinzufressen. Würde zu fokussieren, kann die Chance sein, eine tiefgreifende gesellschaftliche Gesundung zu bewirken.

Würde sollte nicht nur ein Konjunktiv sein.

Ich möchte mich in diesem Feld weiterbewegen und initiiere als Mitglied im Würdekompass e.V. eine Themengruppe: „Würde und Kunst. Der Weg der Herzenskunst“. Hier soll Raum sein, über die Aufgabe von Kunst, ein Bewusstsein von Würde zu schaffen, zu diskutieren, fantasieren, meditieren und natürlich auch auszuprobieren. Offen für alle Menschen auf dem Weg der Herzenskunst. Bei Interesse sehr gerne Austausch über kontakt@katipfau.de .

Buchempfehlung zum Weiterlesen: Gerald Hüther: Würde – Was uns stark macht als Einzelne und als Gesellschaft. ISBN 978-3813507836

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Lachen hilft!

Ja, diese Zeiten sind schlimm. Und anstrengend. Das waren sie auch schon vor Corona.

Angst, Unsicherheit, Einsamkeit, Aussichtslosigkeit, Zweifel – all das war da. Und wo es war, wurde es nun noch stärker.

Wir neigen dazu in Krisen das Schlimme noch schlimmer zu machen.

Und weil viele von uns unter keinen Umständen zugeben können, dass sie sich überwältigt und hilflos fühlen, konzentriert sich alles auf das sichtbare Handeln – anderer und sich selbst. Da wird immer noch mehr Anerkennung von Außen gebraucht, um die innere Verunsicherung zu verdecken. Es fühlt sich innen so matschig und wacklig an, dass das unter gar keinen Umständen nach außen gezeigt werden darf.

So geht es vielen und ist verständlich.

Es ist die tief gelernte Angst davor, verletzt zu werden, wenn wir uns schwach und überwältigt fühlen.

Nein, diese Verhaltensweise gibt es nicht erst seit Corona. Sie ist uralt. Sie ist die Wurzel für jegliche Moralapostelei, für Standesdünkel, Rassismus, Ausgrenzung, Vorurteile. Man sagt sich selbst, dass man zu den Guten und Richtigen gehört und das gibt Sicherheit.

Doch letztlich ist diese scheinbare Sicherheit nur oberflächlich.

Ein Ego-Spielchen, denn das Ego möchte immer, dass wir sicher sind. Nur speist es seine „Ratschläge“ aus längst vergangenen Erfahrungen und ignoriert die enorme Lernfähigkeit der menschlichen Psyche.

Das Dumme ist nur: Wir merken es nicht!

Da läuft was unbewusst ab, alte Muster, gelernt in der Zeit unserer Kindheit, in der Erfahrungen nicht mit dem Verstand verarbeitet, sondern nur gefühlt werden konnten.

Eine sehr heilsame Methode für diesen Ego-Blähbeutel ist Humor.

Das wussten auch schon die alten Geschichtenerzähler. Und so gibt es viele wunderbare Geschichten, die auch heute noch daran erinnern, uns nicht allzu ernst zu nehmen.

Da fällt mir bei den Brüdern Grimm als erstes „Vom klugen Gretel“ ein, eine Geschichte von der ganz alltäglichen Art, sich selbst den Kopf zu retten. Die Köchin Gretel trinkt gern ein Gläschen Wein aus dem Keller ihres Dienstherren. Und sie isst dabei die gebratenen Hühnchen auf, die eigentlich für den Gast ihres Brötchengebers gedacht waren. Dumm gelaufen! Aber gewitzt, wie sie ist, findet sie gewandt und blitzschnell die Lösung für ihr Dilemma. Dabei nutzt sie die Aufgeblasenheit ihres Dienstherren und die Dummheit des Gastes. Hier könnt ihr die Geschichte nachlesen: https://www.grimmstories.com/de/grimm_maerchen/das_kluge_grethel

In allen Kulturen gibt es solche Geschichten.

Wir nennen sie gern „Eulenspiegeleien“ nach dem wohl berühmtesten Schelm im deutschsprachigen Raum, Till Eulenspiegel. In alten keltischen Geschichten kommen solche Motive sehr häufig vor, aber auch in Erzählungen der amerikanischen Ureinwohner, in japanischen und indischen, russischen und chinesischen, arabischen und australischen und natürlich auch aus den vielen Völkern Afrikas.

Denn es ist ein zutiefst menschliches Bedürfnis, allzu eifrige „Aufbläser“, unter denen wir oft zu leiden haben durch den scheinbar übermächtigen Druck, den sie auf uns ausüben, ein wenig aus der tönernen Wichtigkeit nehmen, die sie um sich verbreiten.

Und am besten, wir greifen uns dabei selbst gleich mal an die eigene Nase.

Herzlichst, Madana Kati

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