Das Schneemädchen

Das Schneemädchen heißt Snegorutschka und kommt aus einem sehr alten russischen Märchen. Es erzählt von Liebe und Verlust. Väterchen und Mütterchen wünschen sich so sehr ein Kind. Aus lauter Freude am Schnee bauen sie sich ein Mädchen statt eines Schneemannes. Und hauchen ihm mit ihrer großen Liebe Leben ein. Das Mädchen ist alles, was sie sich je wünschten. Sie ist liebevoll, klug, bescheiden, hilfsbereit – eben einfach eine Freude.

Doch das Frühjahr kommt und sie geht mit ihren Gespielinnen aus dem Dorf in den Wald. Dort springen sie über ein Feuer – und: zisch! Snegorutschka ist verschwunden. Nur noch ihr leises Klagen ist im Wald zu hören.

Diese Geschichte ist ein guter Begleiter in allen Loslass- und Sterbeprozessen. Denn so ist es nunmal mit allem Irdischen: Werden und Vergehen. Und trotzdem bleibt etwas vom Schneemädchen. Nicht nur die Erinnerung, sondern auch die Erfahrung zu lieben und geliebt zu werden. Ihr leises Klagen, das die Mutter noch im Wald hört, kündet davon. Es war nicht alles umsonst, nur weil das Mädchen wieder gegangen ist. Die Eltern durften lieben und geliebt werden.

Und geht es nicht immer und immer wieder nur darum: Der Augenblick des Erlebens ist das, was uns verändert, berührt, Spuren hinterläßt.

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