Die hohen Mauern der Isolation scheinen immer höher und höher zu wachsen. Wer schon früher nicht gut mit sich selbst allein sein konnte, spürt den Schmerz der Einsamkeit nun um so mehr.

Menschen, die darunter leiden, allein zu sein, und sich schon lange nach Gemeinschaft sehnen, werden nun noch stärker in ihren Kummer gestoßen.

Und Menschen, die früher stets vor dem Alleinsein in überlaute, übervolle Aktivitäten flohen, fürchten sich nun vor der ungefüllten Zeit.

Traditionstreffen, einfach weil man das doch schon immer so machte, finden nicht statt.

Zurück bleibt eine große Leere.

Und wenn man diesen Menschen sagt, diese Leere ist die ganz große Chance, sich selbst und den eigenen wahren Wünschen näher zu kommen, fühlen sie sich nicht nur unverstanden, sondern auch verspottet.

Die Angst vor dem Alleinsein ist real. Sie gehört zu den größten und ältesten Ängsten der Menschheit. Weil wir Gemeinschaftswesen sind.

Und genau deshalb sind wir nicht allein!!

So, wie die Bremer Stadtmusikanten, die für ihre schwere Arbeit nicht mehr gewertschätzt wurden. Sie fanden sich, weil sie alle etwas gemein hatten: Ihre Lebensumstände. Und weil jedes einzelne den Mut fand, sich den anderen zu öffnen und der Gemeinschaft zu vertrauen.

Denn Gemeinschaft ist überall. Es vielleicht nicht die Truppe um einen herum, die man sonst so gewöhnt ist, denen man sich bisher verbunden gefühlt hat und die zum eigenen Selbstverständnis dazu gehörten. Die Freunde, die Kollegen, vielleicht die weitverzweigte Familie.

Bei Ratlosigkeit ist immer und immer wieder die beste und erste Übung, sich zu fragen: Was ist der nächste Schritt? Im Hier und Heute anfangen, sich umschauen was jetzt gerade da ist. Der Blick für das Kleine, scheinbar Unscheinbare, das Gewöhnte, was wir nicht mehr wahrgenommen haben.

Manchmal ist das eine Nachbarin, die wir vielleicht früher merkwürdig fanden. Es reicht, sie einfach mal nett zu grüßen. Vielleicht ist es die Frau an der Kasse, die dir jedesmal beim Einkaufen begegnet und die du nie eines Wortes für nötig erachtet hast.

Schau dich um. Du bist nicht allein.

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