Ja, diese Zeiten sind schlimm. Und anstrengend. Das waren sie auch schon vor Corona.

Angst, Unsicherheit, Einsamkeit, Aussichtslosigkeit, Zweifel – all das war da. Und wo es war, wurde es nun noch stärker.

Wir neigen dazu in Krisen das Schlimme noch schlimmer zu machen.

Und weil viele von uns unter keinen Umständen zugeben können, dass sie sich überwältigt und hilflos fühlen, konzentriert sich alles auf das sichtbare Handeln – anderer und sich selbst. Da wird immer noch mehr Anerkennung von Außen gebraucht, um die innere Verunsicherung zu verdecken. Es fühlt sich innen so matschig und wacklig an, dass das unter gar keinen Umständen nach außen gezeigt werden darf.

So geht es vielen und ist verständlich.

Es ist die tief gelernte Angst davor, verletzt zu werden, wenn wir uns schwach und überwältigt fühlen.

Nein, diese Verhaltensweise gibt es nicht erst seit Corona. Sie ist uralt. Sie ist die Wurzel für jegliche Moralapostelei, für Standesdünkel, Rassismus, Ausgrenzung, Vorurteile. Man sagt sich selbst, dass man zu den Guten und Richtigen gehört und das gibt Sicherheit.

Doch letztlich ist diese scheinbare Sicherheit nur oberflächlich.

Ein Ego-Spielchen, denn das Ego möchte immer, dass wir sicher sind. Nur speist es seine „Ratschläge“ aus längst vergangenen Erfahrungen und ignoriert die enorme Lernfähigkeit der menschlichen Psyche.

Das Dumme ist nur: Wir merken es nicht!

Da läuft was unbewusst ab, alte Muster, gelernt in der Zeit unserer Kindheit, in der Erfahrungen nicht mit dem Verstand verarbeitet, sondern nur gefühlt werden konnten.

Eine sehr heilsame Methode für diesen Ego-Blähbeutel ist Humor.

Das wussten auch schon die alten Geschichtenerzähler. Und so gibt es viele wunderbare Geschichten, die auch heute noch daran erinnern, uns nicht allzu ernst zu nehmen.

Da fällt mir bei den Brüdern Grimm als erstes „Vom klugen Gretel“ ein, eine Geschichte von der ganz alltäglichen Art, sich selbst den Kopf zu retten. Die Köchin Gretel trinkt gern ein Gläschen Wein aus dem Keller ihres Dienstherren. Und sie isst dabei die gebratenen Hühnchen auf, die eigentlich für den Gast ihres Brötchengebers gedacht waren. Dumm gelaufen! Aber gewitzt, wie sie ist, findet sie gewandt und blitzschnell die Lösung für ihr Dilemma. Dabei nutzt sie die Aufgeblasenheit ihres Dienstherren und die Dummheit des Gastes. Hier könnt ihr die Geschichte nachlesen: https://www.grimmstories.com/de/grimm_maerchen/das_kluge_grethel

In allen Kulturen gibt es solche Geschichten.

Wir nennen sie gern „Eulenspiegeleien“ nach dem wohl berühmtesten Schelm im deutschsprachigen Raum, Till Eulenspiegel. In alten keltischen Geschichten kommen solche Motive sehr häufig vor, aber auch in Erzählungen der amerikanischen Ureinwohner, in japanischen und indischen, russischen und chinesischen, arabischen und australischen und natürlich auch aus den vielen Völkern Afrikas.

Denn es ist ein zutiefst menschliches Bedürfnis, allzu eifrige „Aufbläser“, unter denen wir oft zu leiden haben durch den scheinbar übermächtigen Druck, den sie auf uns ausüben, ein wenig aus der tönernen Wichtigkeit nehmen, die sie um sich verbreiten.

Und am besten, wir greifen uns dabei selbst gleich mal an die eigene Nase.

Herzlichst, Madana Kati

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