Noch eine Verordnung, noch eine Beschränkung, noch eine Hürde, noch eine Bürde …

Man hat das Gefühl, es ist einfach nicht genug. Obwohl wir seit Monaten Masken tragen sollen, steigen die Zahlen. Obwohl wir seit Monaten nicht verreisen sollen, nicht gemeinsam essen und ausgehen sollen, verschärfen sich die Maßnahmen.

Wann ist es denn nun eigentlich genug? Das bleibt offen. Es ist wie ein nicht gehaltenes Versprechen.

Wie im Märchen der Brüder Grimm: „Die beiden Königskinder“ – hier könnt ihr es nachlesen – wird immer mehr und mehr verlangt.

Man hat das Gefühl, sich schon anzustrengen, gutwillig mitzumachen, Gesetze und Regeln zu respektieren, was gefordert wird zu erfüllen, Einschränkungen hinzunehmen – aber es ist einfach nicht genug.

So funktioniert übrigens auch emotionaler Missbrauch. Wie der Esel, der rennt, weil ihm der Reiter ein Bündel Möhren vor die Schnauze hält.

Doch das Schöne an Märchen ist, dass sie uns die Hoffnung lehren. Was also sagt das alte Märchen von den beiden Königskindern? Der Königssohn bekommt Hilfe. So muss es sein im Märchen.

Und ist das auch so im alltäglichen Leben?

Da möchte einer doch ein tiefer Seufzer gehen. Es ist nicht leicht, in diesen Zeiten den Blick zu weiten, um die märchenhafte Hilfe zu finden. Oft gelingt das, in dem wir über unsere wahren Gefühle reden, sie mitteilen, ehrlich und mit offenem Herzen. Mit vertrauten Menschen. Mit Menschen, denen wir vertrauen.

Manchmal reicht das aber nicht. Dann ist es Zeit, in der Stille ehrlich und offenen Herzens zu lauschen, was die Seele gerade braucht.

Im Märchen ist es ein langer Weg, bis sich der Königssohn und die Königstochter endlich finden. Die letzte Herausforderung ist das Erwachen und Erkennen des jungen Mannes, also der männlichen Energie. In der Symbolwelt steht der Königssohn für kraftvollen Aufbruch, für die Bereitschaft, den Weg zum Thron anzutreten und allen Gefahren zu trotzen, sie zu meistern und dadurch zum König zu werden.

In den Königskindern ist die letzte Herausforderung, sich von der Betäubung zu lösen, den Schlaftrunk zu verweigern und endlich der Stimme des Herzens zu folgen.

Vielleicht ist das ja auch für uns heute genau die Antwort, nach der wir suchen.

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