Spirituell mit Märchen und Mythen – Beitrag zur Blogparade: „Du und Deine Spiritualität“

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Kinderkram

Märchen werden oft als Kinderkram abgetan, als etwas, das absolut nichts mit dem realen Alltag zu tun hat. Und was soll diese Einschlafgeschichten schon mit Spiritualität verbinden?!

Alltagstauglich

Meine Spiritualität findet im Alltag statt, sie muß lebenstauglich sein. Nach jahrelangen Erfahrungen mit Kirchenchristentum ist mir religiöse und spirituelle Heuchelei und Oberflächlichkeit zuwider. Es ist eben nicht damit getan, zu beten, zu hoffen und zu glauben. Es müssen Entscheidungen getroffen, konkrete Handlungen getan und Strukturen akzeptiert werden. In esoterischen Kreisen ist da manchmal kaum ein Unterschied. Wie einfach und schnuckelig wäre es, einfach auf der Regenbogen-Wolke meditativ Erzengelspray um sich sprühend den Sonnengruß zu zelebrieren. Das macht alles ein angenehmes Gefühl und schenkt der Seele Erholung, keine Frage. Und auch ich bin nicht ganz frei davon, warum auch. Liebevoll gestaltete Kartendecks gehören ebenso zu meinem Inventar wie Räucherstäbchen, Aura Soma und Ätherische Öle.

Magie der Erde

Aber die Magie der Erde ist dreckig, blutig und schmerzhaft. Die Schönheit einer Blumenwiese, einer alten Eiche, eines Feldhasen, der aufmerksam am Wegrand sitzt, eines kreisenden Bussards – all das gehört natürlich auch dazu, aber es ist ungefährlich. Die tiefe Weisheit der Mutter Erde habe ich erst begriffen, als ich ihre ureigenste Magie akzeptierten konnte. Etwas, das ich von einer alten keltischen Göttin lernen durfte, Morrigan, der Schicksalsgöttin.

Die Gretchenfrage

Wie also ist meine Antwort auf die Gretchenfrage? Ich glaube, wir Menschen sind hier, um Himmel und Erde zu verbinden. Jede Frau hat bei der Geburt eines Kindes die Gelegenheit, das zu erfahren, diese unfaßbare Nähe von Irdischem und Göttlichem. Wir sind die Schöpfer und wenn wir nicht den Finger danach ausstrecken, wie es Michelangelo so weise in der Sixtinischen Kapelle verewigte, dann wird uns kein Leben eingehaucht.

Die Botschaften der Märchen

Märchen sind uralte Weisheitsgeschichten, uns bewahrt und überliefert durch viele Generationen von Geschichtenerzählern, Barden und Skalden. Wer Mut hat, läßt sie auf sich wirken.

Eine der wichtigsten Botschaften ist zum Beispiel, dass zu einem gelingenden Leben das Bewußtsein von Nehmen und Geben gehört. Das Wissen um das rechte Opfer. Oh, was für ein Wort! Und schon schrecken wir zurück. Opfer? Das ist doch was ganz Archaisches, Heidnisches. Na klar, es kommt ja auch aus der uralten Erfahrung einer Zeit, als der Mensch noch eingebunden war in die natürlichen Rhythmen der Erden. Später wurde das Opfer allein auf Jesus konzentriert und fertig. Jedem einzelnen Menschen wurde das Bewußtsein genommen, dass er selbst zu geben hat, bevor er bekommen kann. Bewußte Opfer haben eine enorme Kraft. Die Erfahrung des willentlichen Verzichtes ist eine der stärksten Antriebsfedern für persönliches Wachstum. Aber wer ist dazu schon noch bereit? Nur wenige Menschen verstehen die Tiefe und Weisheit einer solchen Erfahrung. Im Märchen „Die sieben Raben“ gibt die Schwester ihren kleinen Finger, um ein Tor aufzuschließen. Dies ist nötig, um ihre verzauberten Brüder zu befreien. Da schüttelt es eine doch! Ein sehr krasses Bild für ein Opfer.

Und damit sollte ich im modernen Zeitalter nichts anfangen können?!

Oh, doch. Das ständige Konsumieren, das uns als notwendig eingeredet wird, funktioniert nicht. Natur, Gesellschaft, Gemeinschaft, Werte – alles zerfällt. Irgendetwas ist vollkommen aus den Fugen geraten. Es muß und kann also anders funktionieren, erzählt dieses und viele andere Märchen. Vielleicht ein neues altes Bewußtsein von Nehmen und Geben??

Aschenputtel und die Schönheit

Echte, lebbare Spiritualität, mit der ich etwas anfangen, fand ich auch in „Aschenputtel“. Ein Mädchen auf der Suche nach ihrem Frausein. Die schönen Kleider, die für sie aus dem Baum auf dem Grab ihrer Mutter herausfallen, stehen genau für diesen Aspekt. Wenn die Welt in Ordnung sein soll, müssen wir Frauen uns schön fühlen. Ich sehe das immer wieder, wenn ich in der Boutique, für die ich hin und wider Modenschauen moderiere, die Kundinnen beobachte. Und mich selbst natürlich auch. Wie sagt die Geschäftsführerin so treffend: „Schöne Kleidung ist wie eine Droge. Es macht einfach glücklich.“

Aschenputtel erzählt uns Frauen, wie das geht. Nämlich nicht nur in eine Boutique zu gehen und Geld auszugeben. Sie erzählt davon, dass sich das Mädchen mit der Kraft ihrer Ahninnen verbindet und von dort alles bekommt, was sie braucht. Ja, wir brauchen die schönen Kleider, aber auch das Bewußtsein dafür, dass wir es uns wert sind. Und das kommt nur von dem Wissen um unsere weibliche Urkraft.

Von Göttern und Heldinnen

Aber Mythologien und alte Sagen haben es ebenso in sich, wie Märchen, die ja oft aus alten Mythen abgeleitet sind. Wenn Siegfried trotz Drachenblutbad zu Tode verwundet wird, können wir etwas über Kontrolle und Kontrollverlust lernen oder über falsches Vertrauen. Wenn die keltische Königin Rhiannon nach jahrelanger, schuldloser Demütigung ohne ein Wort der Klage wieder ihren Thron einnimmt, etwas über Tapferkeit. Und wenn Prometheus an den Fels gekettet jeden Tag durch den Adler des Zeus seine Leber verliert, weil er den Menschen das Feuer gebracht hatte, lernen wir etwas über Hoffnung. Und ganz nebenbei über die medizinische Tatsache, dass die Leber sich selbst regenerieren kann.

Für mich haben die Götter schon immer durch Geschichten, Märchen und Mythen gesprochen. Diese universellen Wahrheiten lehrten mich mehr über die Göttlichkeit auf Erden, als alle esoterischen Kurse, spirituellen Seminare und kirchlichen Predigten zusammen. Obwohl ich Jesus, den Geschichtenerzähler, immer noch mag. Er hatte den Trick verstanden, den unsere neue Religion, die Wissenschaft, erst beweisen mußte: Alles, was in irgendeiner Weise emotional verbunden ist, wird dauerhaft im Gehirn gespeichert. Am besten natürlich in Verbindung mit angenehmen Gefühlen. Wir lernen über Geschichten.

Spirituell im Alltag

Echte Spiritualität ist nicht anderes als Lernen, stets den Horizont erweitern und in das Göttliche hineinfühlen und -denken, immer tiefer und weiter hineingehen in das Geheimnis des Glücks auf Erden, den Rhythmus spüren von Erde und Himmel, die schrecklichsten und schönsten Gefühle durchreisen, um wieder in die dunkle Kühle der absoluten Leere zu gleiten. Es gibt viele Märchen, die genau davon erzählen. Durchschreite Berg und Tal, sei tapfer und mutig und lass los zum richtigen Zeitpunkt.

Ich muß oft still vor mich hinlächeln, wenn wieder einmal jemand meint, Märchenerzählen ist nur was für Kinder und nicht ernstzunehmen oder eine Flucht vor der Realität des Alltags.

Tja, wenn der wüßte …

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7 Gedanken zu „Spirituell mit Märchen und Mythen – Beitrag zur Blogparade: „Du und Deine Spiritualität““

  1. Vielen lieben Dank für Deinen tollen Beitrag. Ich fand gerade den Aspekt mit Märchen und Mythen spannend. Eine Anmerkung habe ich aber dennoch: nicht nur Frauen, die gebären, haben die Gelegenheit, die Nähe von Göttlichem und Irdischen zu erfahren, sondern jeder Mensch, der schöpferisch tätig ist. Nur eine Reduktion darauf empfinde ich als einschränkend und damit nimmst Du allen Menschen, die nicht Mütter sind, die Möglichkeit dieser Erfahrung, auch mir…

    Liebe Grüße,
    Ivana

  2. Hallo Kati,
    ich bin gerade auf den Spruen dieser Blogparade unterwegs weil mich das Them fasziniert und interessiert, was Menschen dazu schreiben. Dein anstzpunkt mit den Märchen fand ich großartig. Erst als erwachsener habe ich unglaublich tiefe Botschaft und Heilkraft von Märchen erkannt und an mir selbst beobachten können. Sie haben mich dabei begelitet, verschiedenste eigenen Themen zu erkennen und zu heilen. Alles Liebe udn viele Grüße!

  3. Lieber Andy,
    vielen Dank. Märchen sind für mich Botschafter uralter Weisheit, sich mit ihr zu verbinden bedeutet für mich Heilung. Es freut mich sehr, dass Du als spiritueller Mensch die Kraft der Märchen zu schätzen weißt. Vielleicht interessiert Dich ja auch mein erster virtueller Märchenfee-Adventskalender, der in diesem Jahr Premiere hat. Schau doch mal vorbei, wenn die Adventszeit losgeht: https://katipfau.de/maerchenfee-adventskalender/. Er ist vollkommen kostenfrei und möchte dazu einladen, einen Blick auf meine Art der Märchendeutung zu werfen.
    Ganz herzliche Grüße.
    Kati

  4. Liebe Gitti,
    erst jetzt entdecke ich Deinen Kommentar vom letzten Jahr. Vielen Dank für die wunderbaren Worte Charly Chaplins.
    Ja, ich liebe meinen Beruf, meine Berufung. Und ich darf immer weiter da hineinreifen und immer neue Facetten entdecken.
    Vielleicht magst Du ja in meinen allerersten virtuellen Märchenfee-Adventskalender schauen, um Deine Liebe zu Märchen zu nähren. Hier findest Du schon mal eine Beschreibung: https://katipfau.de/maerchenfee-adventskalender/
    Ganz herzliche Grüße und alles Liebe.
    Kati

  5. Liebe Ivana,
    erst jetzt habe ich entdeckt, dass Du meinen Beitrag zu Deiner Blogparade hinzugefügt hast. Vielen, herzlichen Dank, ich fühle mich geehrt.
    Ganz liebe Grüße
    Kati

  6. Liebe Ivana,
    vielen Dank für Deinen Kommentar. Nun endlich möchte ich darauf antworten. Ich habe ihn jetzt erst entdeckt.
    Ich glaube nicht, dass ich irgendjemandem irgendetwas nehmen kann und es tut mir leid, wenn Dir meine Aussage zu absolut scheint. Meiner Ansicht nach sind die Wege, spirituelle Weisheit zu erfahren, sehr vielfältig und sehr individuell. Selbstverständlich haben alle Menschen die Möglichkeit, das Göttliche zu berühren und zu erfahren. Wie wir aus der Hirnforschung wissen, bewertet unser Gehirn alles als real, das sinnlich Erlebte und das Imaginierte. So kann auch ein Mensch, der nicht gebärt, ähnliches imaginieren und tief berührende Erfahrungen machen.
    Was ich meinte ist ein ganz besonderer Zustand, der im realen Erleben einer Geburt eintritt. Und so sehr ich auch für die gleichen Chancen für alle bin, ist es mir doch auch wichtig, die Unterschiede anzuerkennen. Ich werde als Mutter niemals Erfahrungen machen, die Nicht-Müttern vorbehalten sind und umgekehrt. Ich vertrete den Standpunkt, dass es unterschiedliche, nicht-teilbare Erfahrungen gibt. Und das macht uns doch auch als menschliche Gemeinschaft aus. Wir sind alle unterschiedlich mit unterschiedlichen Gaben, Erfahrungen, Fertigkeiten. Und der Fähigkeit, uns durch ganzheitliche Erkenntnis mittels Gefühl und Verstand weiterzuentwickeln. Dazu gehört auch, Schmerz zu fühlen, etwas nicht so erleben zu können wie andere. Und daran zu wachsen.
    Das bedeutet nicht, ohne Mitgefühl zu sein. Ganz im Gegenteil. Es bedeutet, uns liebevoll als die akzeptieren, die wir sind. Im Märchen wird uns oft gezeigt, welche fatalen Folgen es hat, wenn wir uns gegenseitig nicht akzeptieren. Ich denke da an die Schwestern von Aschenputtel. Sie verlieren Zehen, Haken und Augenlicht, weil sie nicht bereit sind, ihre Schwester als die zu akzeptieren, die sie ist.
    Ich grüße Dich in Respekt, Liebe und Dankbarkeit.
    Kati

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