Geschichtenheilkunst - Verbunden mit den Erdmüttern --- Märchenerzählerin, Märchentherapeutin, Entspannungspädagogin

Schlagwort: Märchen Seite 1 von 2

Der Kreis des heiligen Feuers

Eine magische Geschichte für die Gruppe Aufstellungen der neuen Zeit des SALIMUTRA-Netzwerkes von Madana Kati Pfau

Auf dem Hügel zwischen den uralten Steinen brannte ein Feuer. Einst war es groß und heilig gewesen und hatte viele Menschen genährt, getröstet und geheilt. Doch schon lange war es nur noch so klein, dass die meisten es für eine Sinnestäuschung hielten. Nur wenige hatten in all der Zeit gewagt, ihren Blick nicht abzuwenden. Nur wenige hatten die alten Geheimnisse gehütet.

Nun aber schien die Erinnerung zurückzukehren und der alte Segen wollte von neuem erblühen.

Die samtweiche Nacht hüllte den Hügel in den Sternenmantel der Göttin. Eine Priesterin stand am Feuer. Sie schützte die heiligen Flammen in der Stille ihrer Weisheit. In ihrer Hand hielt sie einen langen Stab, gleichzeitig Stütze und Zeichen ihrer Würde. Efeuranken umspannen ihn und kleine, glänzende Scheiben aus Silber und Gold hingen von ihm herab, die wie Sterne funkelten. Ein zartes Klingen tanzte zwischen den großen Steinen, wenn die kleinen Scheiben aneinanderstießen. Die Priesterin trug den alten, langen Hirtinnenstab, der schon vor Urzeiten das alte Wissen hütete, weitergegeben in der Obhut von Generationen weiser Frauen.

Langsam hob sie den Blick vom Feuer, als würde sie aus einer Versteinerung erwachen. Aufmerksam sah sie in die Dunkelheit.

Eine zweite Priesterin trat ans Feuer. Von ihrem starken Gürtel hingen über und über kleine Beutel herab, manche aus Leder, andere aus Stoff. Alle waren sie gefüllt und raschelten leise bei jeder Bewegung. Ein kleines Messer hing, geschützt von einer ledernen Scheide, um ihren Hals. Ein Duft von frischem Grün umspielte sie.

Die Frauen sahen sich an, lächelten und nickten.

Die heiligen Flammen wuchsen, genährt vom Lächeln der Frauen.

Eine dritte Priesterin erschien leise am Feuer. Auf ihrer Brust lag ein großer, vollkommen reiner Kristall, gehalten von einem weichen, starken Band um ihren Hals. Die Reinheit des Kristalls strahlte wie ein eigenes Licht und durchleuchtete seine Trägerin bis hin zu den Augen. Die Schönheit des reinen Kristalls ruhte still und ewig in der Priesterin.

Die Frauen sahen sich an, lächelten und nickten.

Und die heiligen Flammen wuchsen höher, genährt vom Lächeln der Frauen.

Kraftvoll trat eine vierte Priesterin in den Kreis. Eine rote Weste aus wärmender Wolle leuchtete unter ihrem Mantel. Die Weste war über und über bestickt mit den heiligen Symbolen aller Welten. Die bunten Fäden erzählten ihre eigenen Geschichten.

Die Priesterin war noch ganz außer Atem, ihr besorgter Blick suchte nach Zuflucht.

Doch die Frauen sahen sich an, lächelten und nickten.

Und die heiligen Flammen schlugen höher, genährt vom Lächeln der Frauen.

Die erste Priesterin hob sanft ihren Stab der Würde.

„Sprich, Wanderin, was sahst du auf deinen Wegen.“

Die vierte Priesterin seufzte. Ihr Blick glitt von einer zur anderen. Dann sprach sie:

„Ich sah zerstörte Rosentäler. Und ich sah verbrannte heilige Haine. Ich sah gefällte Kathedralen des Waldes. Und ich sah erblindete Seen und Teiche. Ich sah vergiftete Quellen der Heilung. Und ich sah einsame, blutende Herzen.“

Still rannen die Tränen über die Wangen der Kristallhüterin.

Die Finger der Heilerin suchten am Geräusch ihrer Medizinbeutel nach Linderung.

Die Wegweiserin aber sah ernst in die Flammen und nickte immerzu.

Doch dann hob sie entschlossen den Blick und sah ruhig und wissend von einer zur anderen. Ihre Hand umfasste würdevoll den Hirtinnenstab. Sie richtete voller Anmut ihren Körper neu aus. Dann sprach sie mit fester Stimme:

„Schwestern, es ist Zeit.“

Sie ließ den Stab vor sich im Erdboden Halt finden und streckte einladend ihre Hände den Schwestern entgegen. Die Wanderin nahm die eine, die Kristallhüterin nahm die andere Hand und die Heilerin zwischen ihnen schloß den Kreis. So standen die vier Priesterinnen um das heilige Feuer im Rund der uralten Steine auf dem Hügel, umhüllt von sternenklarer Nacht.

Eine Seele lag auf dem kühlen, dunklen Boden. Niemand hätte sagen können, ob sie eine Frau oder ein Mann war. Sie atmete gerade noch so viel, um nicht völlig von dieser Welt zu verschwinden. Hier unten, wo sie niemand sah, wo ihr niemand wehtun konnte, hier war es gut, hier war es sicher. Wenn sie sich nicht bewegte, würde ihr kein Leid mehr geschehen. Ihr narbiges, wundes Herz war von all der Lüge und dem Betrug, all dem Verlust und dem Irrtum, all dem Schmerz so erschöpft. Aber es schlug immer noch voller Hoffnung und weigerte sich, vollends auseinanderzufallen.

Ein Lichtschimmer erreichte die Seele. Ganz zart, ganz sanft tanzte er auf und ab. Er schien sie zu rufen. Eine uralte Freude, die schon ganz klein geworden war, erwachte in ihrem geschundenen Herzen. Mühsam hob die Seele ihren Kopf und öffnete die Augen. Oh, wie wunderschön dieser Lichtstrahl war! Klar und rein tanzte er in vielen Regenbogenfarben und flüsterte: „Komm, komm, folge mir.“

Vorsichtig erhob sich die Seele. Es fiel ihr nicht leicht, den sicheren, kühlen, dunklen Boden zu verlassen. Aber es war ja Nacht, so war sie geschützt und kein Schlächter konnte sie erkennen. Mühevoll erhob sie sich aus der Erstarrung des todesähnlichen Schlafes, der sie so lange umklammert hatte. Und jede Bewegung war ein Erfolg, jeder Atemzug ein Sieg. Ihr Herz zog sie hinauf, und nun gelang es ihr, den Blick wandern zu lassen. Sie suchte nach dem Weg des Lichtstrahles. Und sie sah.

Einen Fuß setzte sie vor den anderen, immer weiter, immer weiter. Denn sie wollte dorthin, dort zu dem Licht auf dem Hügel. Sie wusste nicht, was dort war. Sie spürte nur, dass dort etwas war, wonach sich ihr Herz sehnte.

Schritt für Schritt wurde es leichter, immer leichter. Die samtweiche Nacht umhüllte sie wie der Sternenmantel der Göttin.

Nun stand sie am Fuß des Hügels. Dort oben sah sie den uralten Steinkreis, der heilige Ort, der einmal vor langer Zeit von großer Bedeutung gewesen war. Doch jetzt war da noch etwas anderes, etwas, das sie nicht erkennen konnte.

Ihr Blick hielt wie gebannt den Tanz der Flammen zwischen den Steinen fest. Der Lichtstrahl flüsterte in ihrem Herzen: „Komm, komm hinauf. Es ist nur noch ein kleines Stück.“

Die Seele seufzte. Sie war so müde, so erschöpft. Würde sie diesen letzten Weg schaffen können?

Die Hände der vier Priesterinnen hielten sich und hielten den Kreis um das Feuer. Ihr Lächeln nährte die Flammen. Und Licht floß durch ihre Hände, durch ihre Arme von einer zur anderen. Und Licht wuchs in feinen, geraden Linien aus ihren Händen in den Boden und in den Himmel. Die Linien verbanden sich miteinander und bauten eine Kuppel aus leuchtendem Netzwerk. Und wie die Kuppel fertig war, so wuchsen aus den geraden Linien Ranken aus Licht, die sich wanden und tanzten wie strahlende Schlangen. Und immer stärker und stärker wurde der Tempel aus Licht.

Da hob die Wegweiserin aufmerksam ihren Blick. Sie sah von einer Schwester zur anderen. Ihr Gesicht erstrahlte in heiliger Freude. Sie nickte den anderen zu und sagte:

„Jetzt!“

Sanft ließen sich die Heilerin und die Wanderin los. Ein Raum entstand zwischen ihnen. Die Lichtbahnen floßen auseinander und gaben eine Öffnung frei in die Nacht.

Die Seele stand schwer atmend am Steinkreis. Heiliges Schweigen füllte den Raum. Ein ehrfürchtiges Zittern hatte sie befallen und sie wagte nicht, weiterzugehen. Noch stand sie außerhalb des Steinkreises und schaute fragend zu den Flammen in der Mitte.

„Was ist denn noch nötig?“ fragte sie verzagt in den Kreis hinein. Doch alles blieb still. Da atmete die Seele und atmete noch einmal. Und dann erinnerte sie sich an Kirchen und Kathedralen, Tempel und Plätze, an heilige Haine und gesegnete Rosentäler. Sie faltete ihre Hände vor dem Herzen und sagte deutlich und klar:

„Bitte.“

Eine Kuppel aus Lichtnetz erschien um die Steine und das Feuer. Sanft floßen die leuchtenden Bahnen auseinander und gaben eine Öffnung frei. Die Seele lächelte, nickte und hob den Fuß zum nächsten Schritt.

Und die vier Priesterinnen sprachen wie aus einem Munde: „Sei willkommen!“

Alle Rechte bei Madana Kati Pfau

Share Button

Du bist nicht allein

Die hohen Mauern der Isolation scheinen immer höher und höher zu wachsen. Wer schon früher nicht gut mit sich selbst allein sein konnte, spürt den Schmerz der Einsamkeit nun um so mehr.

Menschen, die darunter leiden, allein zu sein, und sich schon lange nach Gemeinschaft sehnen, werden nun noch stärker in ihren Kummer gestoßen.

Und Menschen, die früher stets vor dem Alleinsein in überlaute, übervolle Aktivitäten flohen, fürchten sich nun vor der ungefüllten Zeit.

Traditionstreffen, einfach weil man das doch schon immer so machte, finden nicht statt.

Zurück bleibt eine große Leere.

Und wenn man diesen Menschen sagt, diese Leere ist die ganz große Chance, sich selbst und den eigenen wahren Wünschen näher zu kommen, fühlen sie sich nicht nur unverstanden, sondern auch verspottet.

Die Angst vor dem Alleinsein ist real. Sie gehört zu den größten und ältesten Ängsten der Menschheit. Weil wir Gemeinschaftswesen sind.

Und genau deshalb sind wir nicht allein!!

So, wie die Bremer Stadtmusikanten, die für ihre schwere Arbeit nicht mehr gewertschätzt wurden. Sie fanden sich, weil sie alle etwas gemein hatten: Ihre Lebensumstände. Und weil jedes einzelne den Mut fand, sich den anderen zu öffnen und der Gemeinschaft zu vertrauen.

Denn Gemeinschaft ist überall. Es vielleicht nicht die Truppe um einen herum, die man sonst so gewöhnt ist, denen man sich bisher verbunden gefühlt hat und die zum eigenen Selbstverständnis dazu gehörten. Die Freunde, die Kollegen, vielleicht die weitverzweigte Familie.

Bei Ratlosigkeit ist immer und immer wieder die beste und erste Übung, sich zu fragen: Was ist der nächste Schritt? Im Hier und Heute anfangen, sich umschauen was jetzt gerade da ist. Der Blick für das Kleine, scheinbar Unscheinbare, das Gewöhnte, was wir nicht mehr wahrgenommen haben.

Manchmal ist das eine Nachbarin, die wir vielleicht früher merkwürdig fanden. Es reicht, sie einfach mal nett zu grüßen. Vielleicht ist es die Frau an der Kasse, die dir jedesmal beim Einkaufen begegnet und die du nie eines Wortes für nötig erachtet hast.

Schau dich um. Du bist nicht allein.

Share Button

Ungewollt sein

Kaum jemand kann sich diesem Gefühl entziehen. Wir alle sind auf die eine oder andere Weise nicht so gewünscht und gewollt, wie wir nun mal sind.

Zu dick, zu dünn, zu dumm, zu klug, zu arm, zu reich, zu viele Ideen, zu unbegabt, zu neugierig, zu faul, zu ratlos … – die Frage ist nur: Für wen? Wenn wir vollkommen frei wären von jeglichem Urteil außerhalb unseres Selbst, würden wir uns vollkommen fühlen. Wir würden uns vollkommen FÜHLEN.

Nun ist es aber so, dass der Mensch die Gemeinschaft braucht, um sich entwickeln und sein Leben kreieren zu können. Und die Gesellschaft, in der wir derzeit leben, ist durch eine jahrtausendelange Abwertung des Individuums geprägt.

In den meisten Märchen mit Heldenreise ist der Ausgangspunkt eine permanente Abwertung des Helden oder der Heldin. Sie werden verspottet.

Im Märchen „Zwölf Brüder und ihre Schwester“ aus der Sammlung der Brüder Grimm (Text siehe unten) kommt noch eine andere märchenbekannte Version des Ungewolltseins, die sich durch die ganze Geschichte zieht. Der König will seine zwölf Söhne nicht, die zwölf Brüder wollen keine Mädchen und die Mutter des jungen Königs will ihre Schwiegertochter nicht.

Warum der alte König seine eigenen zwölf Kinder töten lassen will, wenn er als dreizehntes ein Mädchen bekommt, wird nicht erklärt. Vielleicht war die Erklärung zu deutlich unsympatisch; immerhin steht der Alte König in der Symbolsprache mit seinem Schattenaspekt für den machtgierigen, zentralistischen Tyrannen, der nicht bereit ist, seinen Thron freiwillig dem Jüngeren zu übergeben – ein Kennzeichen des Patriarchats. Hätten das Erzähler über die vielen Jahrhunderte weitererzählen sollen? Erzähler, die von Ort zu Ort zogen, waren kostbare Propagandaträger der Herrschenden, die auch gern mal münzschwer beauftragt wurden.

Welches Motiv könnte also der König haben? Er fühlt sich in seiner Allmacht bedroht. Ein Mädchen macht ihm da wesentlich weniger Schwierigkeiten.

Die Brüder wollen keine Mädchen, sie wollen sie sogar töten, so groß ist ihr Schmerz. Das Ungewolltsein hat bei ihnen einen ebenso lebensvernichtenden Ausdruck gefunden, wie bei ihren Vater.

Die Schwiegermutter wiederum will die junge Königin nicht, weil sie sich – wie ein Spiegelbild für den alten König – in ihrer Macht über ihren Sohn bedroht fühlt. Vielleicht hat auch sie Angst, dann nicht mehr gewollt zu sein. Auch sie geht bis zum Äußersten und will den Tod ihrer Schwiegertochter.

Wenn wir uns ungewollt fühlen in unserem So-sein, fühlen wir uns in unserer Integrität bedroht. Fast alle Verlockung der Konsumgesellschaft dreht sich einzig und allein darum, endlich endlich gewollt, anerkannt, geliebt und geschätzt zu werden.

Vielleicht sollten wir anfangen, uns selbst mit unserem ganzen Willen so anzunehmen, zu lieben und zu schätzen, wie wir sind. Das ist keine leichte Aufgabe, denn die tiefgreifende Abwertung tragen wir seit Generationen in uns.

Fangen wir doch mit ganz kleinen Schritten an. Finden wir jeden Tag eine kleine Gelegenheit, uns ehrlichen Herzens zu wertschätzen und uns so zu nehmen, wie wir nun mal sind – mit unseren Marotten, unseren Eigenheiten, unserer Unperfektheit, unseren Zweifeln und Ängsten, unseren Pfunden, den unerfüllten Wünschen und unseren Mißerfolgen.

Einfach so, ganz menschlich, in unserer ureigenen, wunderschönen, unvollkommenen Wahrhaftigkeit.

***

Wenn du noch weitere Aspekte diese Märchens interessieren, dann komm in meine Telegram-Gruppe https://t.me/MaerchenzeitImmerSonntags und höre dort meine Deutung und abonniere meinen Youtube-Kanal Märchenzeit. Dort findest du die Audios der Telegram-Gruppe eine Woche später als Podcast.

Da der Text des Märchens „Zwölf Brüder und ihre Schwester“ von 1810 nicht im Internet zu finden ist, sondern nur die stark überarbeitete Version Letzter Hand, folgt nun hier das Märchen zum Nachlesen:

Zwölf Brüder und das Schwesterchen

Es war einmal ein König und eine Königin, die hatten zwölf Kinder zusammen, die waren alle Jungen. Und der König sprach, wenn das dreizehnte Kind ein Mädchen wäre, so wollte er alle seine 12 Söhne umbringen, wenn es aber wieder ein Sohn wäre, so sollten sie am Leben bleiben. Da wurde die Königin gar traurig und hatte ihre 12 Söhne von Herzen gar lieb und ging zu ihren 12 Söhnen und sprach zu ihnen: der König euer Vater hat gesagt, wenn ich ein Mädchen kriegte, so wolle er euch alle umbringen, wenn es aber noch ein Brüderchen wäre, so wolle er auch alle leben lassen. Und die Mutter riet ihnen und sprach: „Herzliebe Kinder, geht in den Wald, und wenn es ein Söhnchen ist, so will ich oben auf dem Turm eine weiße Fahne aufstecken, ist es aber ein Töchterchen, eine rote, so kann auch der Vater doch nicht töten.“ Also gingen die zwölf Kinder in den Wald und guckten alle Tage nach dem Schloss und sahen immer keine Fahne wehen. Eines Tages aber sahen sie eine rote Fahne wehen und wurden recht erzürnt, dass sie um eines Mädchens willen alle hätten sterben sollen. Sie schwuren, sie wollten im Wald leben und jedem Mädchen, das hinein käme, aufpassen und wollten es umbringen. Jeden Tag gingen elf von ihnen auf die Jagd, und einer musste abwechselnd immer zu Hause bleiben und kochen und den Haushalt führen.

Und das Schwesterchen war ganz allein zu Haus. Eines Tages wurde ihm die Zeit gar zu lang, da ging es aus und kam in den Wald und kam dahin, wo seine zwölf Brüder wohnten. Die waren aber alle ausgegangen, außer der eine, der kochen musste. Und wie er das Mädchen sah, so wollte er es umbringen, denn er hatte den Schwur also getan. Da flehte ihn das Mädchen um das Leben, und es wollte ihnen auch kochen und das Haus zurechthalten, wenn er es leben ließe. Zum Glück war es der jüngste Bruder, der wurde erbarmt und versprach ihm das Leben zu lassen. Als die anderen elf von der Jagd nach Hause kamen, so verwunderten sie sich, das lebendige Mädchen zu finden. Der jüngste Bruder sprach und sagte: „Liebe Brüder, da ist das junge Mädchen in den Wald hereingekommen und hat mich so sehr um ihr Leben gebeten, so habe ich gedacht, es könnte uns kochen und den Haushalt führen, so könnten wir auch alle zwölf zusammen auf die Jagd gehen.“ Und da ließen es die anderen Brüder zu. Nun gingen sie immer alle zwölf aus auf die Jagd und das Schwesterchen blieb allen zu Haus, machte die Betten und kochte das Essen.

Nun eines Tages, da die zwölf Brüder wieder aus waren, ging das Schwesterchen in den Wald spazieren und kam an einen Platz, da standen zwölf weiße Lilien, die waren so schön, und es brach sie alle miteinander ab. Da war eine alte Frau, die sprach: „Ach mein Töchterchen, warum hast die zwölf Studentenblumen (Lilien) nicht stehen gelassen. Das sind deine zwölf Brüder und die müssen nun alle in zwölf Raben verwandelt werden.“ Da fing das Schwesterchen an zu weinen vor großer Traurigkeit, dass es das getan hatte, und sagte, ob denn gar kein Mittel wäre, die zwölf Brüder zu erlösen. Die alte Frau sagte: „Es ist nur eines, das ist aber sehr schwer.“ Und das Kind sprach, sie möge es nur sagen. Da sagte sie: „Du musst zwölf ganze Jahre stumm sein und kein einziges Wort reden. Und wenn nur noch eine Stunde an den zwölf Jahren fehlte, und du hättest ein einziges Wort geredet, so ist alles verdorben und deine Brüder werden nimmermehr erlöst.“

Eines Tages geschah es, dass ein Königssohn in dem Wald jagte, der sah das Mädchen und fragte es, ob es mit in sein Königreich kommen und ihn heiraten wollte. Es war aber ganz still und antwortete keine Silbe. Da nahm er es mit sich und hielt Hochzeit mit ihm. Die Schwiegermutter konnte es aber nicht leiden und meinte, es sei ein gemeines Mädchen. Die böse Schwiegermutter fing nun an, es bei dem König zu verleumden und ihm die schändlichsten Dinge nachzusagen. Weil es sich mit keiner Silbe verteigte, so glaubte es zuletzt der König und verurteilte es zum Tode. Er befahl, ein großes Feuer anzumachen und es zu verbrennen. Und als es am Feuer stand, so war eben die letzte Stunde verflossen von den zwölf Jahren. Man hörte ein Geräusch in der Luft und zwölf Raben kamen geflogen. Als sie auf die Erde kamen, wurden sie zwölf Königssöhne und machten ihre Schwester los. Ihre Unschuld kam an den Tag. Die böse Schwiegermutter wurde aber in ein Fass siedenden Öl getan, worin giftige Schlagen waren.

Entnommen dem Buch: Die ursprünglichen Märchen der Brüder Grimm. Kurt Derungs. 2010. AMALIA Verlag

Share Button

Noch mehr?

Noch eine Verordnung, noch eine Beschränkung, noch eine Hürde, noch eine Bürde …

Man hat das Gefühl, es ist einfach nicht genug. Obwohl wir seit Monaten Masken tragen sollen, steigen die Zahlen. Obwohl wir seit Monaten nicht verreisen sollen, nicht gemeinsam essen und ausgehen sollen, verschärfen sich die Maßnahmen.

Wann ist es denn nun eigentlich genug? Das bleibt offen. Es ist wie ein nicht gehaltenes Versprechen.

Wie im Märchen der Brüder Grimm: „Die beiden Königskinder“ – hier könnt ihr es nachlesen – wird immer mehr und mehr verlangt.

Man hat das Gefühl, sich schon anzustrengen, gutwillig mitzumachen, Gesetze und Regeln zu respektieren, was gefordert wird zu erfüllen, Einschränkungen hinzunehmen – aber es ist einfach nicht genug.

So funktioniert übrigens auch emotionaler Missbrauch. Wie der Esel, der rennt, weil ihm der Reiter ein Bündel Möhren vor die Schnauze hält.

Doch das Schöne an Märchen ist, dass sie uns die Hoffnung lehren. Was also sagt das alte Märchen von den beiden Königskindern? Der Königssohn bekommt Hilfe. So muss es sein im Märchen.

Und ist das auch so im alltäglichen Leben?

Da möchte einer doch ein tiefer Seufzer gehen. Es ist nicht leicht, in diesen Zeiten den Blick zu weiten, um die märchenhafte Hilfe zu finden. Oft gelingt das, in dem wir über unsere wahren Gefühle reden, sie mitteilen, ehrlich und mit offenem Herzen. Mit vertrauten Menschen. Mit Menschen, denen wir vertrauen.

Manchmal reicht das aber nicht. Dann ist es Zeit, in der Stille ehrlich und offenen Herzens zu lauschen, was die Seele gerade braucht.

Im Märchen ist es ein langer Weg, bis sich der Königssohn und die Königstochter endlich finden. Die letzte Herausforderung ist das Erwachen und Erkennen des jungen Mannes, also der männlichen Energie. In der Symbolwelt steht der Königssohn für kraftvollen Aufbruch, für die Bereitschaft, den Weg zum Thron anzutreten und allen Gefahren zu trotzen, sie zu meistern und dadurch zum König zu werden.

In den Königskindern ist die letzte Herausforderung, sich von der Betäubung zu lösen, den Schlaftrunk zu verweigern und endlich der Stimme des Herzens zu folgen.

Vielleicht ist das ja auch für uns heute genau die Antwort, nach der wir suchen.

Share Button

Sich helfen lassen

So, jetzt haben wir den Salat. Wieder einschränkende Maßnahmen, wieder erzwungene Veränderung.

Zwang und Druck von außen ist eine der unangenehmsten Erfahrungen des Menschseins. Unser natürlicher Zustand ist Freiheit und freiwillige Verbundenheit. Wie herausfordernd die Herstellung dieser notwendigen Balance zur Zeit ist, erfahren wir gerade alle hautnah. Und dann ist da noch diese Ungewißheit, wie lange das dauern soll.

Alles in allem eine äußerst belastende Erfahrung, die von jeder und jedem unterschiedlich gemeistert wird.

Jede Krise hat auch Chancen. Ich weiß, dass dieser Satz auch wütend machen kann. Ich will weder relativieren noch beschönigen. Nur ist auch folgende Erkenntnis ein extrem nützlicher Stein auf dem Weg der Heilung: Alles, was wir von uns weisen, abspalten, bekämpfen, unterdrücken, verurteilen macht uns krank.

Ist es das wert?

Ok, was brauchen wir, um Unerträgliches zu integrieren?

Hilfe.

Wir können sehr viel allein erkennen, verwandeln und heilen. Aber nicht alles. Wir sind Gemeinschaftswesen. Und zwar nicht nur untereinander, sondern auch in der natürlich Gemeinschaft mit der Sphäre des Nicht-sichtbaren. Nenn es Engel, Götter, Ahnen, Geister … Ganz gleich.

Im Märchen: „Die Wichtelmänner“ tauchen sie auf, diese dienstbaren Geister. Sie brauchen Unsichtbarkeit, um wirken zu können. Wir müssen nicht immer wissen, woher Hilfe kommt.

Wir dürfen einfach darauf vertrauen.

Hier findest du das Märchen: https://www.grimmstories.com/de/grimm_maerchen/die_wichtelmaenner

Share Button

Es sind doch bloß Märchen

Neulich schrieb ich einem Herren, den ich fälschlicherweise für kompetent gehalten hatte. Ich suchte nach einer kulturellen Hintergrundinformation für mein nächstes Theaterjugendprojekt. Obwohl nicht darum gebeten, teilte er mir seine Meinung zu meiner Arbeit mit: „Sicher trägst du Märchen ganz gut vor, aber nützen wird das niemandem. Es sind doch bloß Märchen.“

Das ist, als würde ich eiskalte Suppe vorgesetzt bekommen. Was soll ich damit anfangen? Ich bat um eine Gabe für meinen Kessel auf dem Feuer der Inspiration. In den Kessel hinein kommen Ideen, Informationen, Bilder, viel Liebe, Spiellust, gelerntes Wissen und gelebte Erfahrung. Dann kocht es gut durch, bis es meine magische Suppe wird. Aus diesem Kessel schöpfe ich für das Projekt, nein, besser gesagt: für die Menschen, die daran beteiligt sind.

Ich verstehe, wenn mein wahlloses Einsammeln nicht leicht verständlich ist, daher hatte ich es dem Herrn so gut wie möglich erklärt, das Warum und Wieso. Doch der Herr blieb bei seiner Abwertung meiner Arbeit und es endete damit, dass ich keinen Kontakt mehr mit ihm möchte.

Denn genau das ist mein Thema seit meiner Kindheit. Ich weiß, dass diese kurze Kommunikation mit diesem Herrn ein Test des Lebens war. „Na, weißt du jetzt wer du bist? Kann er dich verunsichern, erschüttern auf deinem Weg, kann er dich an dir selbst zweifeln lassen?“

Das Leben ist nicht boshaft. Diese pure, strahlende, behütende und herausfordernde Lebenskraft ist für mich die alte Göttin, die weibliche, schöpferische Urkraft der Erde. Sie liebt auf eine Weise, die mich wachsen läßt. Immer neue Türen öffnen sich, immer klarer und heller wird mein inneres Schloß. Es ist ein Märchenschloß, na und?!

Heute Nacht hatte ich dann wieder die Begegnung mit meinem tiefsten Seelenschmerz, gespeichert in meinen Körperzellen. Meine ganz persönliche Hölle kommt immer nachts. Lange Zeit war es ein schwarzer Mann, den es in meiner Kindheit tatsächlich gab. Inzwischen ist er verschwunden – die Arbeit vieler Jahre. Doch der Schmerz der Verachtung, der Entwürdigung, der Entwertung hat mich zu lange begleitet. Ich bilde mir nicht ein, diesen alten Lehrmeister in diesem Leben noch vertreiben zu können. Er ist mein Begleiter in den stillen, dunklen Stunden der Nacht, zwischen Schlaf und Traum. Und er hat immer eine Botschaft. Heute Nacht durfte ich sie erkennen, vollkommen erschöpft, wie stets nach solch einer Höllennacht, doch dadurch auch offen für meine tiefste Seelenwahrheit.

Wie ich es seit einigen Jahren tue, verbinde ich mich in solchen Schreckensnächten mit dem, was weit über meine kleines Menschen-Ich hinausweist. Die Göttin der Tiefe, dem lichtvollen Strom der Höhe, den geduldigen und unbeugsamen Gesetzen der allumfassenden Liebe – durch solche Nächte verstand ich die Paradoxie der Märchen und uralten Weisheitsgeschichten.

Wenn Frau Holle durch einen Brunnen zu finden ist, in einem Land, in dem aus der Höhe der Schnee auf die Menschenwelt fällt. Wenn Rhiannon, die Feenkönigin, aus der Anderwelt kommt, aus Liebe zu einem König ihre Unsterblichkeit aufgibt, sich viele Jahre ungerechtfertigt demütigt ohne zu klagen, weil die Menschen nichts verstehen – und am Ende voller Stolz und ohne jeden Vorwurf wieder ihren Thron als Königin einnimmt. Wenn das Mädchen im Papierkleid mitten im Winter hinter dem Haus der drei kleinen Männchen im Walde Erdbeeren findet …

Ich verband mich also mitten im Grauen mit der Kraft, die mich hält. Nein, das ist nicht leicht, es ist anstrengend. Die Aufgabe ist, nicht aufzugeben. Die Prinzessin auf der Suche nach ihrem verwunschenen Liebsten muß in eisernen Pantoffeln so lange laufen, bis sie ihn findet. Sie geht zum Mond, zur Sonne, zu den Sternen. Und selbst, als sie ihn endlich findet, muß sie weiter und weiter kämpfen. Denn auf ihm liegt der böse Zauber einer Anderen, die ihn für sich will. Mit Klugheit, Geduld und den Geschenken der Himmelsmächte erlöst die Prinzessin den Prinzen.

In der Dämmerung stieß mein Geist plötzlich ein Tor auf und Licht überflutete meine Seele. Ich bitte immer um die Wahrheit, wenn ich etwas nicht verstehe. Und ich verstehe oft nicht, warum etwas in meinem Leben geschieht. Ich verstehe die Menschen oft nicht, warum sie sich verhalten, wie sie sich verhalten, und was das alles mit mir zu tun hat. Ich suche immer nach der Bedeutung.

Meine Töchter, meine eigenen Kinder und inzwischen junge Frauen am Anfang ihres Erwachsenenlebens, brauchen zur Zeit den Abstand. Sie holen sich was sie brauchen auf eine Weise, die mich zutiefst verletzt und erschüttert. Ihre Worte und Taten widersprechen meinen eigenen Werten, die ich mir hart erkämpft und verteidigt habe. Sie rütteln an meiner Selbstliebe.

Und ganz besonders Weihnachten ist für familiäre Schmerzen prädestiniert. Dass meine Söhne heute wieder für einen Monat zu ihrem Vater – und damit auch zu ihren Schwestern – gehen, war der Auslöser für meine nächtliche Traumreise zum Grund des bitteren Kelches.

Abwertung, Verachtung, Entwertung. Dass die Menschen, die ich am meisten liebe, sich dieser Mittel bedienen, kenne ich gut. Wie vertraut ist mir da Aschenputtel, der immer wieder auftauchende Dummling oder Wassilissa, die Weise. Dieses Motiv gibt es in so vielen europäischen Märchen. Am Ende gewinnen sie etwas, das sie nicht nur von allem erlöst, sondern sie weit über alles Vorherige erhebt.

Als sich in der Dämmerung das innere Tor öffnete, erkannte ich eine Wahrheit, die alles, alles erklärte: in mir ist ein Seelenkern, etwas vollkommen Unverletzbares, Unerschütterliches. Keine Demütigung, keine Ausgrenzung, keine Herabwürdigung kann diesem inneren Seelenkern, diesem Licht, diesem ewigen Sein auch nur das Geringste antun. All das ist real gefühlter Schmerz und möchte gesehen und respektiert werden. Aber es zerstört nicht das, was ich in Wirklichkeit bin. All diese Ereignisse, mein ganzer Weg hat nur diese eine Botschaft: nicht einmal das Schrecklichste, das du dir vorstellen kannst, hat die Macht, deine innere Wahrheit zu zerstören.

Ich nehme als Weise Wassilissa das Feuer der Baba Yaga und verbrenne alle Verachtung. Ich gehe unter das Bäumchen in Aschenputtels Garten, lasse mich mit dem Kleid aus Samt und Seide beschenken und zeige mich. Ich erzähle dem schlafenden Prinzen Geschichten, bis der Zauber gebrochen ist.

Es sind ja bloß Märchen.

Sei herzlich eingeladen in die Welt der Märchen.

Share Button

24. Dezember – HEILIGABEND: Aschenputtel – Wunder

„Aschenputtel, sollen wir dir helfen Linsen lesen?“ „Ja“, antwortete Aschenputtel: „Die schlechten ins Kröpfchen, die guten ins Töpfchen.“

Wunder: Es ist das allererste Wunder im Märchen. Die Tauben kommen herbei und helfen Aschenputtel, die viel zu große Aufgabe zu erfüllen. Das Aschenputtel-Motiv gibt es in vielen europäischen Versionen. Die Errettung aus einer unwürdigen, demütigenden Lage, aus der man sich selbst scheinbar nicht befreien kann. Dafür sind Märchen da: Glaube an das Wunder.

Nun ist es also soweit. Weihnachten ist da. Ich wünsche Dir eine Zeit voller kleiner und großer Wunder. Die Märchen zeigen Dir den Weg.

Das ganze Märchen findest Du hier: Aschenputtel

Die kleine Reise durch die Weisheit der Märchen endet hier. Vielen Dank, dass Du dabei warst.

Ich wünsche Dir eine wahrhaft märchenhafte Weihnachtszeit und ein zauberhaftes Neues Jahr. Bis zum nächsten Mal. Ich freue mich auf Dich.

Deine Märchenfee Pfauenfeder

 

Share Button

23. Dezember – Die Sterntaler – Loslassen

Da sammelte es sich die Taler hinein und war reich für sein Lebtag.

Loslassen: Alles, alles hat das Mädchen hergegeben. Es tut richtig weh, das mitzuverfolgen. Vollkommen schutzlos, ohne jede Sicherheit, bleibt nur noch ihr pures Leben zurück – bedroht von Kälte und Hunger. Und immer wieder berührt mich ihr tiefes Vertrauen, wenn sie noch ein Stück von sich hergibt. Es ist kein leichtes, fröhliches Hergeben, denn sie friert und hungert selbst. Für mich geht es in diesem Märchen nicht darum, die Selbstverleugnung zu feiern, sondern vielmehr um das unerschütterliche Wissen, dass auch für sie selbst gesorgt sein wird.

Ist es jetzt schon Zeit, loszulassen? Inmitten der Vorbereitungen, der abzuarbeitenden Zettel, der zu erwartenden Begegnungen? Ich finde: ja. Gerade jetzt. Vielleicht muß nicht alles so sein, wie wir uns es vorstellen. Vielleicht reicht auch, hinaufzuschauen zu den Sternen und an das kleine Mädchen aus dem Märchen zu denken. Es ist für alles gesorgt.

Hier geht es zum ganzen Märchen: Die Sterntaler

Share Button

22. Dezember – Die goldene Gans – Lachen

Der Dummling, als er das hörte, ging er mit seiner Gans und ihrem Anhang vor die Königstochter; wie diese den Aufzug sah, fing sie laut an zu lachen und wollte gar nicht wieder aufhören.

Lachen: Wie heilsam und schön dieses Bild ist! In der Mitte des Märchens darf endlich gelacht werden. Dieser Zug unfreiwillig Klebender, die aus reiner Gier in diese mißliche Lage gekommen sind, ist einfach komisch. Das Märchen ist an dieser Stelle noch nicht beendet, aber das Wichtigste ist getan: Das Eis ist gebrochen. Nun kann den Helden wirklich nichts mehr aufhalten.

Das Licht ist schon geboren, doch die traditionellen Feiertage stehen uns noch bevor. Vielleicht ist inmitten der Arbeit und der Vorbereitungen und der Aktivitäten und der Erwartungen – dir ein wenig das Lachen abhanden gekommen. Lachen entspannt und befreit. Auch in der besinnlichen Vorweihnachtszeit darf gelacht werden. Nicht umsonst war es von je her eine schamanische Tradition, durch albernes und paradoxes Verhalten die Menschen zum Lachen zu bringen. (Ah, da fällt mir eine herrlich verrückte Geschichte von Rübezahl ein: er springt unvermittelt auf den Tisch einer sehr ernsten Familie und tanzt dort wild herum, just zu Weihnachten, und bringt sie alle damit zum Lachen.) Daraus ist übrigens der Narr, Berater und Spaßmacher des Königs, entstanden. Aber das ist eine andere Geschichte …

Wer das ganze Märchen lesen möchte, folgt diesem Pfad: Die goldene Gans

Share Button

21. Dezember – Brüderchen und Schwesterchen – Fürsorge

An dem königlichen Hofe war ihr alle Ehre zuteil, schöne Jungfrauen mußten sie bedienen, doch war sie selber schöner, als alle anderen. Das Rehkälbchen ließ sie niemals von ihrer Seite und tat ihm alles Gute.

Fürsorge: Eine der grundsätzlichen Aussagen dieses Märchens ist das fürsorgliche Handeln der Heldin. Ob im Versuch, ihren Bruder vor der Verwandlung zu bewahren, in seiner Betreuung nach der Verwandlung oder später in den Nächten nach ihrem eigenen Tod, als sie nach ihrem Kind schaut. Dass diese Haltung das Schwesterchen auch schwer belastet und fast bis zur Vernichtung bringt, soll für heute nicht betrachtet werden. Denn an allererster Stelle wurde am königlichen Hofe IHR alle Ehre zuteil. Und darum geht es.

Wintersonnenwende. Einer der wichtigsten vorchristlichen Feiertage, weil entsprechend dem natürlichen Zyklus das gefeiert wurde, was die Menschen sahen und beobachten konnten. Die dunkelste Zeit ist vorbei, das Licht kehrt zurück. Und genau jetzt ist Fürsorglichkeit so wichtig, für andere, aber auch für uns selbst. Es wird noch eine Weile dunkel bleiben, auch die Kälte wird zunehmen. Und so kurz vor den Feiertagen macht sich einfach auch eine Erschöpfung breit, die gehört und gesehen werden möchte. Sei heute ganz besonders fürsorglich zu dir selbst, tue dir Gutes und genieße, dass die Sonne ihren Wendepunkt überschreitet und das Licht auch für dich wieder zurückkehrt.

Hier geht es zum ganzen Märchen: Brüderchen und Schwesterchen

Share Button

Seite 1 von 2

Präsentiert von WordPress & Theme erstellt von Anders Norén